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Buchpreis-Shortlist : Weiblich, weltoffen, historisch

Sechs Bücher, sechs Verlage: die Shortlist-Titel in der Rückenansicht Bild: Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Weltgeist eingefangen, Zeitgeist entwischt: Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2018 führt in dieTiefen der Geschichte, an politische Brennpunkte und vor familiäre Bruchlinien. Nur eines fehlt.

          Die Longlist für den diesjährigen Deutschen Buchpreis hatte noch die Anmutung einer Großen Koalition. Um Ausgewogenheit schien die Jury auf ihrer Liste der letzten zwanzig Titel bedacht gewesen zu sein, nahezu paritätisch war die Aufteilung unter Autorinnen und Autoren, großen und kleinen Verlagen, Neuerscheinungen des Frühjahrs und des Herbstes erfolgt. Inzwischen liegt die kurze Liste der Jury vor, die letzten sechs Finalisten stehen fest, und eine Handschrift der Jury lässt sich deutlich erkennen.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die von der diesjährigen Jury als beste Romane des Jahres ausgewählten Titel wurden nicht nur überwiegend im Herbst und überwiegend von Frauen verfasst, es sind vor allem auffallend viele Titel dabei, die literarisch außerhalb Deutschlands verortet sind. Unter den aktuellen Neuerscheinungen finden sich der Roman der aus Argentinien stammenden María Cecilia Barbetta „Nachleuchten“ (S.Fischer), die eine sprachspielerisch einfallsreiche Geschichte aus Buenos Aires in Zeiten des politischen Umbruchs erzählt. Die in Georgien geborene Schriftstellerin und Dramatikerin Nino Haratischwili blickt in ihrem suggestiv gehaltenen Roman „Die Katze und der General“ (FVA) gen Osten – auf das Schleudertrauma des zerfallenden Sowjetreichs und seiner Folgen. Inger-Maria Mahlke, die ihre Kindheit teilweise auf Teneriffa verbracht hat, legt mit „Archipel“ (Rowohlt) eine rückwärts erzählte Jahrhundertgeschichte vor, die vom Rand des Kontinents betrachtend sämtliche Gewissheiten über Kausalität über Bord wirft.

          Auch der Schriftsteller und Sinologe Stephan Thome, der bereits zweimal mit zeitgenössischen Stoffen für den Deutschen Buchpreis nominiert war, hat es mit seinem dritten Roman unter die letzten Sechs geschafft. Sein historischer Roman „Gott der Barbaren“ (Suhrkamp) erzählt in vielen Perspektivwechseln aus dem China des neunzehnten Jahrhunderts und einer hierzulande kaum bekannten Revolte einer sektiererischen Bewegung. Und auch Maxim Billers Roman „Sechs Koffer“ (Kiepenheuer & Witsch), der nominiert wurde, begibt sich anhand einer Fluchtgeschichte quer durch den gesamten Kontinent. Susanne Röckels phantastischer, multiperspektivisch erzählter Roman „Der Vogelgott“ (Jung und Jung), der moderne Menschen mit einem uralten, sich als überraschend lebendig erweisenden Kult konfrontiert, hat es aus dem Frühjahr auf die Shortlist gebracht.

          Die Perlenfischer haben aus dem Meer der Neuerscheinungen überzeugende Titel gehoben, was fehlt, sind Autoren mit Blick auf die Gegenwart wie Thomas Klupps Hochstaplergroteske „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ oder Heinz Strunks Prosaminiaturen „Teemännchen“, beide waren erst gar nicht nominiert. Herausgefallen sind Eckhart Nickels hochkomische Dystopie über eine Ökodiktatur „Hysteria“, sowie unter anderem die Romane von Gert Loschütz, Angelika Klüssendorf und Helene Hegemann. Am 8. Oktober wird der Gewinner des diesjährigen Buchpreises zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Frankfurter Römer bekannt gegeben. Die Finalisten erhalten 2500 Euro, der Gewinner 25.000 Euro.

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