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Berliner Humboldtforum : Bitte keine Wunderkammer!

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Kürzlich feierte das Berliner Humboldtforum Richtfest. Ein Triumphbogen wird in Zukunft als Eingang dienen. Doch bleiben wir bitte ernst: Was die entstehende Institution leisten muss. Ein Gastbeitrag.

          In Berlin ist derzeit ein Triumphbogen im Bau. Der Entwurf ist nicht neu. Er wurde im frühen achtzehnten Jahrhundert von Johann Friedrich Eosander von Göthe nach dem Vorbild des Septimus-Severus-Bogens in Rom entworfen und bildet das dominierende Element in der Westfassade des Stadtschlosses, wo seine überdimensionierten Formen unmissverständlich die imperialen Ambitionen des preußischen Staates verkünden. Dieser Bogen wird als Haupteingang zum Humboldtforum dienen. Durchaus angemessen wird das Forum von einem Triumvirat geleitet: vom neu berufenen Neil MacGregor, von Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und von Horst Bredekamp (Humboldt-Universität). Ihnen fällt die Aufgabe zu, herauszufinden, wie man den riesigen Raum hinter der falschen Fassade füllen soll.

          Man hätte eigentlich gedacht, dass, bevor mehr als eine halbe Milliarde Euro für die Rekonstruktion eines Bauwerks zweifelhaften architektonischen Werts ausgegeben wird, die Planer entschieden hätten, welchem Zweck der Komplex dienen soll. Aber seit wann könnte das Fehlen eines klaren Plans in Berlin einem großen und teuren Bauprojekt im Wege stehen?

          Niemals vollkommen frei von Interessen

          In der Antike trugen Triumphbögen oft Darstellungen der Kriegsbeute, die durch sie hindurchgetragen wurde. Wie kann man den Eindruck vermeiden, die im Humboldtforum an herausragender Stelle gezeigten Ausstellungsstücke wären ähnliche Beutestücke? Die vernachlässigten Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst in Dahlem, die in den Räumen des Forums ausgestellt werden sollen, zeugen zumindest teilweise von den kolonialen Ambitionen eines jungen Reiches, dessen eifrige Bemühungen, sich seinen Platz auf der Weltbühne zu sichern, zur beispiellosen Vernichtung von Kulturgütern führen sollten – vom Tod ungezählter Millionen ganz zu schweigen.

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          Auf einer Pressekonferenz erklärte kürzlich MacGregor, der wie kein anderer für Berlin wirbt: „Seit zweihundert Jahren schaut das denkende Europa mit großen Augen nach Berlin.“ Dabei übersieht er mehrere bedeutsame Phasen in den letzten Jahrhunderten, in denen andere Gefühle vorherrschten. Am besten nähme man gänzlich Abschied von der Vorstellung, die Berliner Sammlungen – oder die Sammlungen irgendeines anderen Museums – könnten jemals in einem absoluten Sinne von der Autonomie des Geistes zeugen. Kunstwerke sind niemals vollkommen frei von Interessen. Dafür liefert ein anderer Triumphbogen, das Ischtar-Tor im Herzen des Berliner Pergamonmuseums, einen überzeugenden Beweis.

          Sind die lobenswerten Wünsche umsetzbar?

          Man könnte argumentieren, dass nichts symbolischer ist für den neuen Status der Sammlungen als das Faktum, dass sie von Dahlem ins Zentrum der Stadt geholt werden sollen, annehmend, dass sie in einem Gebäude untergebracht werden können, das nun wirklich nicht entworfen wurde, sie zu beherbergen. Und die Probleme bleiben. Wie ließe sich der Bombast der überladenen und letztlich ziemlich langweiligen Fassade des Stadtschlosses durch eine Reihe integrierter Ausstellungen untergraben, die Deutschlands Vergangenheit und sein kolonialistisches Erbe wirkungsvoll dekonstruierten? Die Planer des Humboldtforums haben den lobenswerten Wunsch geäußert, sich mit diesem weniger zum Feiern geeigneten Aspekt der Vergangenheit einschließlich der unrühmlichen Geschichte Deutschlands in seinen Kolonien auseinanderzusetzen.

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