http://www.faz.net/-gqz-8xda2

Warum Vielfalt jetzt nötig ist : Die Schönheit in der Andersartigkeit

  • -Aktualisiert am

Ist das schon Schönheit? Gegendemonstranten stehen am 23.05.2016 während einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Bewegung auf dem Albertplatz in Dresden. Bild: dpa

So wie der Körper regelmäßige Herausforderungen für seine Gesundheit braucht, braucht die Psyche die diskursive Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, um sich weiterzuentwickeln. Ein Gastbeitrag.

          Berlin schöpft Hoffnung: Die AfD versinkt nach Petrys Rückzug in inneren Widersprüchen und Tweed-Sakko-Melancholie, um dann rechtzeitig zur Bundestagswahl im nicht mehr ernstzunehmenden einstelligen Prozentbereich zu verschwinden. In Frankreich rettet Macron derweil die Frustwähler vor den Verführungen der rechtspopulistischen Sirene. Und Prinz Kushner – nun vereint mit seiner schönen Ivanka im Rapunzelturm des demokratischen West Wing – vertreibt erst den breitbärtigen Rasputin aus dem Weißen Haus und anschließend dessen Fluch aus der verbittert twitternden Hand des Präsidenten.

          Wäre es jetzt nicht an der Zeit, die Konflikte und Sorgen der vergangenen zwei Jahre hinter sich zu lassen, den Blick nach vorne zu richten und sich wieder auf die schönen Dinge des Lebens zu konzentrieren? Im Gegenteil: Das wäre nicht nur schade, sondern fahrlässig. Nicht nur wegen der vielen Menschen in Deutschland, in Europa und der Welt, deren Probleme noch immer nicht gelöst sind. Sondern auch wegen derjenigen, denen es eher gut geht und die den öffentlichen Diskurs seit langem maßgeblich mitbestimmen. Sie sollten genau jetzt die Gelegenheit nutzen, um ihre Sicht auf die Gesellschaft nachhaltig zu prüfen.

          Es gibt eine Impfung gegen reale Bedrohungen

          So unangenehm das war und ist mit den Populisten und den grölenden Demonstranten, genau wie der Körper regelmäßige Herausforderungen für seine Gesundheit braucht, braucht die Psyche die diskursive Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, um sich weiterzuentwickeln. Nicht nur der Einzelne, auch die Gesellschaft profitiert von der Vielfalt. Sie macht kreativ und steigert die Produktivität. Und sie impft gegen reale Bedrohungen durch Feinde der offenen Gesellschaft und stärkt so das demokratische Immunsystem.

          Mit etwa vier Jahren setzt bei den meisten Menschen ein Prozess ein, den die Psychologen als den Beginn zur Fähigkeit des Mentalisierens beschreiben. Wir lernen, das Verhalten der anderen Person einem mentalen Zustand zuzuordnen und aufgrund ihres Verhaltens auf ihren inneren Zustand zu schließen. Zum Beispiel: „Papa schimpft, weil er ärgerlich ist.“ Und nach der nicht unumstrittenen entwicklungspsychologischen Stadieneinteilung des Biologen Jean Piaget lernen wir ein paar Jahre später, uns vorzustellen, wie die Dinge in unserer Umwelt (und später auch wie wir selbst) aus der Perspektive einer anderen Person wahrgenommen werden. Diese Fähigkeit verschafft uns einen selektiven Vorteil. Nicht nur können wir besser auf unsere Umwelt reagieren, wenn wir verstehen und vorhersehen lernen, wie andere Menschen sich in bestimmten Situationen verhalten. Wir profitieren auch davon, die Perspektiven anderer zu internalisieren, weil wir dadurch unser eigenes Interpretations- und Verhaltensspektrum erweitern.

          Wer die Chancen der Mobilität in einer sozial, kulturell und klimatisch vielfältigen globalisierten Welt für sich nutzen will, profitiert davon, auch in seiner näheren Umgebung einen Lebensraum zu haben, der mit sehr unterschiedlichen Verhaltensmustern und Überlebensstrategien vertraut macht. Und das gilt nicht nur für den Trip nach Manhattan, Island oder Kenia. Sondern, aufgrund rasant steigender Immobilienpreise in den Großstädten, bei der bürgerlichen Mittelschicht zunehmend auch für das Verständnis der oft als rückständig betrachteten deutschen Landbevölkerung.

          Weitere Themen

          Konsumklima in Europa auf hohem Niveau Video-Seite öffnen

          GfK : Konsumklima in Europa auf hohem Niveau

          In der Europäischen Union ist die Stimmung der Konsumenten so gut wie seit Jahren nicht mehr. Das Barometer stieg am Ende des dritten Quartals um knapp 2 Punkte auf 20,9 Zähler im Vergleich zum Vorquartal, wie die Gesellschaft für Konsumforschung am Mittwoch mitteilte.

          Ein bisschen Spaß muss sein Video-Seite öffnen

          Yamaha YMZ 1000 : Ein bisschen Spaß muss sein

          Yamahas neues Quad YMZ1000R/SE ist ein motorisiertes Fahrzeug, das für rein gar nichts anderes gut ist, als Spaß damit zu haben. Aber das ist ja auch schon was.

          Topmeldungen

          Seehofer in der Krise : Wie die eigene Ära beenden?

          Horst Seehofer wankt. Wie es weitergeht? Unklar. Nur gemütlicher wird es wohl nicht mehr. Eine Telefonumfrage sagt bereits neues Unheil für die CSU voraus – und befeuert Debatten, die noch vor kurzem undenkbar waren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.