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Veröffentlicht: 28.02.2017, 17:52 Uhr

Kommentar Wer ihn befreien will, spielt keine Spielchen

Mehr als dreihundert Journalisten haben eine Forderung zur Freilassung des Kollegen Deniz Yücel unterzeichnet, die in vielen Zeitungen abgedruckt wurde. Warum diese Anzeige nicht in der F.A.Z. erschien.

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© dpa Aus dem Polizeigewahrsam in Untersuchungshaft genommen: Deniz Yücel, Korrespondent der „Welt“

In deutschen Zeitungen erschien am Dienstag eine Anzeige. Sie war „Deniz’e Özgürlük! Freiheit für Deniz!“ überschrieben. Unterzeichnet war der Aufruf für die Freilassung des in der Türkei verhafteten Deniz Yücel und anderer dort inhaftierter Kollegen von mehr als dreihundert Journalisten und Künstlern. In der F.A.Z. erschien die Anzeige nicht. Weshalb?

Jürgen Kaube Folgen:

Am Montagnachmittag war unser Verlag mit der Bitte angeschrieben worden, den Platz für die Anzeige gratis oder stark vergünstigt zur Verfügung zu stellen. Zu den Unterzeichnern des Aufrufs, so hieß in der E-Mail einer Redakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ an unsere Anzeigenabteilung, gehöre auch ein Herausgeber der F.A.Z. Der aber hatte gar nicht unterzeichnet. Niemand hatte ihn gefragt. Auch kein anderes Mitglied des Herausgebergremiums war dazu aufgefordert worden, seine Solidarität mit Yücel zu beweisen. Die allermeisten Redakteure der F.A.Z. erfuhren von der Aktion erst, als sie die erschienene Anzeige sahen.

Journalisten sind Schreiber, nicht Unterschreiber

Wer ernsthaft gewollt hätte, dass Journalisten dieser Zeitung per Unterschrift das Selbstverständliche bekräftigen, Angriffe auf die Meinungs- und Pressefreiheit für unerträglich zu halten, wäre anders vorgegangen. Die Mailadressen des Hauses sind gut bekannt. Es gibt sogar Telefone. Man darf darum schließen, dass es gar nicht gewollt war. Nun denn, es muss auch nicht gewollt werden.

Wer aber Journalist ist in einer Zeit, in der bürgerliche Medien bezichtigt werden, Fake News in Umlauf zu bringen, könnte einen Moment nachdenken, bevor unter Aufrufe die Namen von Leuten gesetzt werden, die nicht unterschrieben haben. Ein „Fehler des Organisationsteams“, hieß es. Man hofft, dass er der einzige war, auch wenn das nicht weniger merkwürdig wäre.

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Yücel sitzt in Haft, das türkische Regime trachtet ihm nach der Freiheit und mehr. Wer ihn befreien will, spielt keine Spielchen. Yücels Sache ist der Journalismus. Journalisten reagieren auf staatliche Willkür, Lüge und die Unterdrückung von Freiheit mit journalistischen Mitteln. So, wie es diese Zeitung jeden Tag tut. Dazu gehörte auch der Nachdruck eines Essays von Yücel über den Aufstieg Erdogans. Journalisten sind Schreiber, nicht Unterschreiber. Wenn darüber hinaus Solidarität bewiesen werden soll, sind ehrliche Absichten wünschenswert. Sie waren uns gegenüber im konkreten Fall nicht zu erkennen. Darum erschien in der F.A.Z. jene Anzeige nicht.

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