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Waldschlösschenbrücke Fledermaus stoppt Brückenbau

09.08.2007 ·  Der für Montag geplante Baubeginn der umstrittenen Waldschlösschenbrücke durch das Unesco-Erbe Dresdner Elbtal ist gestoppt. Das Verwaltungsgericht Dresden gab einem Eilantrag von Naturschutzverbänden statt, die sich um eine bedrohte Fledermausart sorgen.

Von Reiner Burger, Dresden
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Die Kleine Hufeisennase hat in der Geschichte wirklich noch gefehlt. Zwar ist das Tierchen nur vier Zentimeter lang, und unklar bleibt bisher, ob sich die vom Aussterben bedrohte Fledermaus auf den Dresdner Elbwiesen überhaupt tummelt, doch einzig sie vermochte es noch, den nach jahrelangem Ringen für Montag angesetzten Baubeginn der Dresdner Waldschlößchenbrücke zu verzögern.

Am Donnerstag entschied das Dresdner Verwaltungsgericht überraschend, dass die ersten Baukolonnen nicht wie geplant am 13. August auf die Elbwiesen rollen dürfen, um sich dort mit Zäunen und Dixietoiletten einzurichten und vielleicht auch den ersten symbolischen Baggeraushub zu wagen. Das Dresdner Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass naturschutzrechtliche Prüfungen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens nicht streng genug waren. Die Richter beriefen sich auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. Januar zur Westumfahrung Halle. Auch damals ging es um die Kleine Hufeisennase.

Groteske von internationalem Format

Die Geschichte der Dresdner Waldschlößchenbrücke ist eine Groteske von mittlerweile internationalem Format. Sie beginnt schon damit, dass es sich bei der Waldschlößchenbrücke vermutlich um die einzige Flussquerung handelt, die weithin bekannt ist, obwohl oder gerade weil sie noch gar nicht gebaut ist. Seit Jahren ringt Dresden um die zusätzliche Elbquerung am sogenannten Waldschlößchen. Hin und her ging die Sache durch sämtliche Gremien. Mal stimmte der Stadtrat für die Brücke, mal dagegen. Dann gab es Anfang 2005 einen Bürgerentscheid. Zwei Drittel der Teilnehmer sprachen sich für das Bauwerk aus.

Vielleicht wäre die Brücke längst gebaut, wenn nicht die Unesco dazwischengekommen wäre. 2004 hatte das Welterbekomitee der Unesco das Dresdner Elbtal in seine Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen. Zwar war dem Komitee bekannt, dass mitten im Welterbe eine Brücke gebaut werden sollte, doch erst nach dem Bürgerentscheid fiel dem Gremium auf, dass es mit dem Bauwerk nicht einverstanden sein wollte. Vor einem Jahr setzte das Komitee Dresden deshalb auf seine „Rote Liste“ der Erbestätten in Gefahr, da die geplante Brücke „Wert und Integrität“ des besonderen Dreiklangs aus Stadt, Land und Fluss irreversibel schädigen würde.

Die Phase der vielen Prozesse

Es folgte die Phase der vielen Prozesse. Beim Versuch, den vom Regierungspräsidium angeordneten Baubeginn zu verhindern, unterlag die Stadt zwischenzeitlich vor mehreren Gerichten. Zuletzt positionierte sich sogar das Bundesverfassungsgericht in der Dresdner Angelegenheit: Der „Bürgerwillen als authentische Ausdrucksform unmittelbarer Demokratie“ wiege schwerer als die völkerrechtliche Vereinbarung „Weltkulturerbe-Konvention“, teilten die Karlsruher Richter mit. Seither setzten die Brückenbefürworter (und unter ihnen allen voran die CDU-Seite der sächsischen Staatsregierung) alles daran, die Brücke in ihrer ursprünglich geplanten Form zu bauen. So engagiert wie letztlich vergeblich bemühte sich der Dresdner Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU) um einen für das Welterbe-Komitee akzeptablen alternativen Brückenentwurf. Dabei hatte sich das Gremium zuletzt kompromissbereiter gezeigt als noch im vergangenen Jahr, als es am Standort Waldschlößchen grundsätzlich keine Brücke akzeptieren wollte.

Erst am 19. Juli hatte Baubürgermeister Feßenmayr frustriert seine Bemühungen um einen Kompromiss aufgegeben. Ein erstaunlich feines Näschen für das Potential der Kleinen Hufeisennase bewies Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD), als sie die harte Position von Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und den meisten seiner Parteifreunde seinerzeit so kommentierte: „Statt auf politische Vernunft und einen Kompromiss zu setzen, bleibt uns jetzt nur noch die Hoffnung auf die Kleine Hufeisennase“ Welche verheerende internationale Wirkung auch für das Ansehen des Unesco-Vertragspartners Bundesrepublik die Aberkennung des Welterbetitels habe, scheine noch immer nicht klar zu sein. Nun fordert die sächsische SPD, die Hufeisennasen-Auszeit zu nutzen, um doch noch einen Kompromiss zu finden.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

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