18.12.2006 · Die Polizei ist präsent, zur Sicherheit wurden Foyer der Deutschen Oper Kontrollschleusen installiert. Dennoch bleibt vor der ersten Aufführung von Mozarts „Idomeneo“ nach dem Skandal um dessen Absetzung alles ruhig. Auffällig allein eine Grünen-Politikerin mit Kopftuch.
Von Heinrich WefingBegleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen und einer enormen Medienpräsenz beginnt in diesen Minuten in der Deutschen Oper Berlin die Wiederaufnahme der Mozart-Oper „Idomeneo“ in der umstrittenen Inszenierung von Hans Neuenfels, die im September aus Sorge vor islamistisch motivierten Anschlägen abgesetzt worden war.
Die Präsenz der Polizei ist deutlich sichtbar, aber nicht martialisch. Über die Bismarckstraße rollt ungestört der Feierabendverkehr. Uniformierte patroullieren vor dem Haupteingang der Oper, in den Seitenstraßen parken Mannschaftswagen. Ein Polizeisprecher betonte jedoch, man halte sich demonstrativ zurück, stehe aber bereit, sollte es entgegen der jüngsten Bedrohungsanalysen zu Zwischenfällen kommen. Scherzhaft fügte er hinzu, derzeit seien deutlich mehr Journalisten als Polizeibeamte vor der Oper im Einsatz.
Jeder Besucher muß vor Betreten des Foyers eine Sicherheitsschleuse ähnlich denen passieren, die an Flughäfen üblich sind. Das führt wie erwartet zu Verzögerungen beim Aufführungsbeginn, wird aber von den Opernbesuchern weithin klaglos und verständnisvoll akzeptiert. Überhaupt ist von Anspannung oder drohender Gefahr nichts zu spüren. Das bislang größte Aufsehen erzielten ein älterer Herr, der vor der Oper ein Plakat mit der Aufschrift „Kunstfreiheit oder Jesus Christus“ in die Höhe hält sowie die integrationspolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, die mit einem vielfarbigen Kopftuch zur Aufführung erschienen ist. Dritte Klingel, die Aufführung beginnt.