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Kreml-Mitarbeiter : Die Tribute von Putin

  • -Aktualisiert am

Anton Waino: Chef der russischen Präsidialverwaltung und mutmaßlicher Erfinder der Zukunftsmaschine Nooskop. Bild: Imago

Kreml-Mitarbeiter arbeiten auch wissenschaftlich. Und leisten Beachtliches: Sie erfinden ein Gerät, das Revolutionen verhindert, oder erdenken eine Gebärmutter, die sich an alles erinnert.

          Das Gerät heißt Nooskop, man kann damit das kollektive Bewusstsein der Menschheit erforschen. Mit vernetzten Überwachungssensoren scannt es die Einheit von Raum, Zeit und Leben. Ausgestattet mit diesem Gerät, könnte die sogenannte Superklasse die Zukunft noch besser kontrollieren, als sie es ohnehin schon tut, indem sie das Zusammenspiel dieser Substanzen mit Hilfe von speziellen „Protokollen“ beeinflusst. Dazu ist diese Superklasse nämlich in der Lage, weil sie die mystische Eigenschaft „Farn“ besitzt, die als „Emanation der Sonne des göttlichen Feuers“ und „unsichtbare Facette des Seins“ beschrieben wird. Wenn die Superklasse die Kontrolle verliert, gibt es Revolution.

          Scotty, beamen Sie uns hier raus, wir sind im falschen Film. Dies sind keine Abenteuer des Raumschiffs Enterprise und auch nicht die Allmachtsphantasien eines verrückten Gegenspielers von James Bond. Dies sind Zitate aus zwei wissenschaftlichen Arbeiten des neuen Chefs der russischen Präsidialverwaltung, Anton Waino, die er im Jahr 2012 zusammen mit einem anderen Beamten veröffentlichte. Für das Nooskop und seine Bestandteile wurden bereits mehrere Patente vergeben. Wie dieses Gerät aber aussehen soll und was es überhaupt ist, wird in den beiden Texten nicht verraten.

          Putins Ex-Bodyguards werden zu Gouverneuren

          Die Beförderung des 44 Jahre alten, also relativ jungen und weitgehend unbekannten Protokollchefs Waino zum Leiter der Präsidialverwaltung ist interessant in vielen Aspekten. Im russischen Machtsystem ist die Präsidialverwaltung das politische Zentrum. Die wichtigsten Personal- und Richtlinienentscheidungen werden hier getroffen, und nicht etwa in der Regierung oder im Parlament. Diese Behörde gebietet über Ernennungen und Absetzungen in der Exekutive, Legislative, Judikative und in den Medien; hier wird über Fusionen und Übernahmen entschieden oder darüber, wer zur Wahl antreten und welches Ergebnis er dabei erreichen darf. Mit Wainos Ernennung zeichnet sich eine Wende in Putins Personalpolitik ab: Der russische Präsident besetzt jetzt die wichtigsten Posten nicht mehr mit seinen alten Freunden und ehemaligen Geheimdienstlern, sondern mit Menschen aus seiner nächsten Umgebung. Kurz zuvor hatte er zwei seiner ehemaligen Bodyguards zu Gouverneuren gemacht und deren Bodyguard-Chef zum Kommandanten der neugegründeten Nationalgarde.

          Seine langjährigen Weggefährten sind ihm wohl inzwischen zu mächtig geworden. Waino löst Sergej Iwanow im Amt ab, einen der engsten Vertrauten Putins seit ihrer gemeinsamen Zeit beim KGB. Putin versetzte den berüchtigten Hardliner auf die denkbar bedeutungslose Position des Sonderbeauftragten für Umwelt und Verkehr. Der neue Mann an der Spitze der mächtigen Behörde ist ein perfekter Funktionär mit tiefen Wurzeln in der sowjetischen Nomenklatura. Anton Waino wurde in Tallinn als Enkel des Ersten Sekretärs der estnischen KP geboren. Er wuchs in Moskau auf, studierte an der Diplomatenschmiede MGIMO und arbeitete anschließend in der Botschaft in Tokio. Er dolmetschte für Putin bei dessen Japan-Besuch im Jahr 2000, dabei wurde der Präsident auf ihn aufmerksam und holte ihn nach Moskau. Waino gilt als kompetent und hat offenbar keine Auffälligkeiten – bis auf seine wissenschaftlichen Schriften, falls er sie tatsächlich selbst verfasst hat.

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