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Open Data : Bitte ein Byte

  • -Aktualisiert am

Mitten in Berlin an einer Straße wohnen, in der es nicht laut ist? Das ist der Karte der „Code for Germany“-Macher zufolge schwierig, aber nicht unmöglich. Bild: Code for Germany

Viele Verwaltungsdaten lagern ungenutzt bei den Behörden. Was für die Bürger an Service möglich wäre, machte man sie für jedermann frei zugänglich, zeigen die Freiwilligen von „Code for Germany“.

          Es ist erst wenige Tage her, dass Tobias Preuß gebeten wurde, 125 Euro für einen Datensatz zu zahlen. Für Daten aus der Berliner Stadtverwaltung, die weder personenbezogen sind noch als Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis der Behörde gelten, geschweige denn, dass sie die IT- oder die nationale Sicherheit gefährdeten. Preuß hatte sich nach den Standorten und erfassten Zählungen der Fahrradzählstationen in Berlin erkundigt. Auf deren Grundlage hätte sich der Entwickler eine Anwendung ausdenken können, die den Radfahrern das Leben erleichtert.

          „Warum darf ich die Daten, die der Staat erhebt, nicht sehen, wenn ich doch die Steuern bezahle?“ Diese Frage treibt Preuß schon seit Jahren um. An Montagen, nach Feierabend, landet der Entwickler dann meist am Tempelhofer Ufer, in jenem denkmalgeschützten Haus, in dem auch Wikimedia sitzt: im OK Lab Berlin. OK steht für Open Knowledge, also „offenes Wissen“. Und für die Open Knowledge Foundation (OKF), eine Institution der Open-Data-Bewegung, die ihre Wurzeln in der amerikanischen Hackerkultur hat. Seit 2011 ist die OKF als Verein auch in Deutschland tätig. 2014 startete sie das Projekt „Code for Germany“, ein Netzwerk für Entwickler, Designer und anderweitig Technologie-Affine. Sie tüfteln an 25 Standorten bundesweit an Software, die auf offenen Daten basiert.

          Behörden horten haufenweise ungenutzte Bürger-Daten

          Im OK Lab Berlin ist Open Data nicht bloß ein Schlagwort, das nach Big Data und Silicon Valley klingt, sondern ein Paradigmenwechsel im Verhältnis zwischen Bürgern und Behörden. Weg von einem Verwaltungsapparat, in dem Menschen wie Preuß sich wie Bittsteller fühlen. Hin zu einem System, dass die Rechenschaftspflicht ernst nimmt, die Nähe zu den Bürgern sucht und sie daran teilhaben lässt, was die Verwaltung im Auftrag der Bevölkerung erhebt und verwertet. Damit soll die Zivilgesellschaft gestärkt werden. Denn nur wer den Status quo kennt, kann sich für dessen Verbesserung engagieren.

          So, wie es beispielsweise in Stuttgart geschah. Dort sorgten die Spezialisten vom OK Lab für verbesserte Feinstaubmessung. Die Stadt maß die Luftqualität zunächst an drei Stationen. Als die Tüftler davon erfuhren, entwickelten sie eine Anleitung, mit der Stuttgarts Bewohner ihre eigenen Sensoren bauen und so für eine breitere Datengrundlage sorgen konnten.

          Julia Kloiber
          Julia Kloiber : Bild: Code for Germany

          „Wenn es Transparenz in den Verwaltungsprozessen gibt“, davon ist Preuß überzeugt, „dann funktioniert auch der ganze Apparat besser.“ Tatsächlich würde das Prinzip Open Data nicht nur für mehr Vertrauen sorgen. Das volkswirtschaftliche Potential neuartiger Prozesse und Leistungen, die sich aus offenen Daten ergäben, errechnete 2016 eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ergebnis: 20 000 Arbeitsplätze und 43,1 Milliarden Euro mehr im Jahr.

          Bevor Code for Germany ins Leben gerufen wurde, seien solche digitalen Werkzeuge für das öffentliche Leben meist auf Wochenendveranstaltungen programmiert worden – und verkümmert, sobald der Hackathon vorbei war. „Ein fester Termin mit Ort und Zeit, wo man an seinen Ideen weiterarbeiten kann – das ist für mich Code for Germany“, sagt Preuß. In seiner Hand hält er einen Stapel silberfarbener Sticker im Hanuta-Format, darauf prangt ein schwarzer Einkaufskorb: Werbung für „Wo ist Markt?“, eines seiner aktuellen Projekte, eine Karte mit Berlins Wochen- und Trödelmärkten. Die Daten stammen aus dem Datenportal Berlin.

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