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Künstlerin Valie Export : Der Körper, das Material

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Valie Export beschäftigt sich heute künstlerisch mit dem virtuellen Raum. Bild: Valie Export / Adagp Paris, 2018; Vio Wakolbinger

Die Performance-Künstlerin Valie Export macht keine Aktionen mehr, hat aber gerade in Paris eine Ausstellung eröffnet. Viele Feministinnen waren dabei. Wir wollen wissen: Was hält sie von „Me Too“ und dem Brief der hundert Französinnen?

          Liebe Frau Export, Sie haben vor einer Woche eine Ausstellung in der Galerie Thaddaeus Ropac in Paris eröffnet. Es waren viele bekannte Feministinnen da, darunter Agnès Varda, Annette Messager, selbst Alice Schwarzer. Wurde da auch über den offenen Brief der hundert Pariserinnen gesprochen?

          Natürlich, mir wurde viel davon erzählt.

          Und was halten Sie davon?

          Ich finde das schwierig. Manche sagen, sie würden die #Metoo-Debatte zu breit fassen und deshalb banalisieren. Ich finde im Gegenteil, dass die Pariserinnen die Sache zu eng nehmen. Diese Frauen werfen einen wichtigen Begriff in den Raum, den der sexuellen Freiheit, nur legen sie ihn auf eine Weise aus, die nur wenige betrifft.

          Inwiefern?

          Na ja, wenn ich mich in der U-Bahn berühren lasse, dann kann ich natürlich danach sagen, ach, so schlimm ist das doch nicht, nur hat das für mich nichts mit sexueller Freiheit zu tun. Das ist dann nur die sexuelle Freiheit der Männer, nicht meine. Die Haltung kann ich nicht nachvollziehen.

          Sie haben die erste große Welle des Feminismus als Künstlerin mitbegleitet. Wie betrachten Sie diesen neuen feministischen Schwung?

          Ich freue mich sehr darüber. Vor allem darüber, dass sich so viele junge Frauen damit beschäftigen, das beeindruckt mich wirklich. Mir kam es oft so vor, als habe man den Feminismus endgültig begraben, als meine man, es sei schon alles getan. Dabei hat sich am Bild der Frau ja gar nicht so viel verändert. Man hatte die Leute einfach nur beruhigt.

          Wie meinen Sie das?

          Die Frage der Löhne zum Beispiel, die ist bis heute nicht geklärt. Dabei ist das eine ganz wichtige Sache: Frauen müssen die gleichen Arbeitsbedingungen haben wie die Männer. Solange sich da nichts bewegt, müssen wir weiter kämpfen, analysieren, diskutieren.

          In der Kunst hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt. Man schreibt Frauen mittlerweile retrospektiv in die Kunstgeschichte ein. Sie selbst haben mit Ihren Aktionen, Ihren Filmen und Fotografien maßgeblich dazu beigetragen, Frauen einen neuen Platz in der Kunst einzurichten. Trotzdem sagen Sie, es gebe Feministinnen, die Kunst machen, aber keine feministische Kunst. Warum?

          Das habe ich gesagt? Na, dann wird das schon stimmen! (Lacht.) Nein, ich meinte damit wohl meine Jugendzeit. Heute ist es anders, die Kunst und die Wahrnehmung der Kunst haben sich vollkommen verändert. Als ich angefangen habe, gab es gar keinen Platz für feministische Kunst. Es gab höchstens Feministinnen, die welche machten, und selbst die hat keiner ernst genommen.

          Ihre Kollegin Carolee Schneemann sagte mal, kein Mensch habe sie als Künstlerinnen ernst genommen, sie hätten sich schon glücklich schätzen können, wenn Sie mit den „wichtigen Männern“ rumhängen durften.

          Da hat sie recht. Genau so war es. Man durfte dabei sein, auch mal ganz vorne sitzen, aber es war kein Interesse für unsere Arbeiten vorhanden. Es wurde nie diskutiert. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich nach meiner Aktion mit dem „Tapp- und Tastkino“ einem von der Wiener Gruppe auf der Straße begegnete. Er sagte, „Mei, Valie, was du so alles treibst!“, und lachte und ging.

          Haben die Frauen denn einander unterstützt?

          Ja, wir haben uns viel ausgetauscht. Etwa über Laura Mulveys Buch über den männlichen Blick, das war damals sehr wichtig. Der Kontakt zu anderen Künstlerinnen wie Schneemann oder Agnès Varda oder Chantal Ackermann war eine Bestärkung darin, dass man auf dem richtigen Weg ist, dass man im richtigen Zugwaggon sitzt.

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