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Vätermangel Akademiker mit Kinderwunsch gesucht

 ·  In den Debatten um die düstere demographische Zukunft des Landes nehmen sie stets einen unrühmlichen Paradeplatz ein: die wenig gebärfreudigen Akademikerinnen. Vielen von ihnen fehlt indes ein potentieller Vater. Und zwar ein Akademiker.

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In den Debatten um die düstere demographische Zukunft des Landes nehmen sie stets einen unrühmlichen Paradeplatz ein: die wenig gebärfreudigen Akademikerinnen. Was ist in den vergangenen Jahren nicht alles über die Gründe ihrer Kinderlosigkeit spekuliert worden - über den schwierigen Spagat zwischen Berufstätigkeit und Nachwuchs, die desaströse Betreuungssituation für Kleinkinder, die langen Ausbildungszeiten, die es erst zu spät ermöglichen, überhaupt an Kinder zu denken. Eine neue These widerspricht dem zwar nicht, ortet die Ursache des Dilemmas aber woanders.

Nicht allein an der Unvereinbarkeit von Kind und Karriere scheitere die Familienplanung der Hochgebildeten, heißt es, sondern am Heiratsmarkt. Denn dort tummeln sich schlicht zuwenig interessante Männer, die den gebildeten Frauen das Wasser reichen können. Der Sozialwissenschaftlerin Christiane Dienel von der Fachhochschule Magdeburg zufolge ist der Kinderwunsch von Frauen mit Hochschulabschluß durchaus so stark wie bei ihren Altersgenossinnen. Tatsächlich seien „verheiratete Akademikerinnen ebenso selten oder häufig kinderlos wie andere Frauen“, erklärte die Professorin gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Allein: Viele würden gar nicht erst den Partner finden, den sie sich wünschen - nämlich einen, der ähnlich gut ausgebildet ist wie sie selbst.

Arzt ehelicht Krankenschwester, Chef die Sekretärin

Denn die entsprechenden Männer orientieren sich bei der Partnerinnenwahl eher nach „unten“. Das Phänomen ist bekannt: Der Arzt ehelicht die Krankenschwester, der Chef die Sekretärin, der Professor die Assistentin. Um ebenbürtige Frauen machen Karrieremänner eher einen Bogen - eine Tatsache, die sich längst auch wissenschaftlich belegen läßt. Schon vor einigen Monaten kam Stephanie Brown, Sozialpsychologin an der Universität in Michigan, in einer Studie zu dem Ergebnis: Je mehr Männer in eine Beziehung investieren, um so wahrscheinlicher ist es, daß es sich bei der Partnerin um eine Frau in untergeordneter Stellung handelt.

Weniger wählerisch sind die Herren lediglich bei Kurzzeitbeziehungen, deutlich auf englisch ausgedrückt: bei One-night-Stands. Fast zeitgleich kamen britische Forscher der Universitäten Aberdeen, Bristol, Edinburgh und Glasgow in einer umfangreichen Untersuchung zu einem ähnlichen Schluß. Ihnen ging es darum, herauszufinden, wie und ob der Intelligenzquotient Auswirkungen auf die Heiratschancen von Männern und Frauen hat. Das Ergebnis war auch hier unmißverständlich: Je klüger und besser ausgebildet ein Mann, desto größer sind seine Chancen, eine Ehefrau zu finden.

Die Angst des Mannes vor ebenbürtigen Frauen

Bei den Frauen jedoch verhält es sich genau umgekehrt. Mit jeder Steigerung des IQ um 16 Punkte steigen die Heiratschancen eines Mannes um 35 Prozent, während die einer Frau um vierzig Prozent sinken. Männer, hieß es lapidar in einem Kommentar, hätten eben am liebsten Frauen, die wie ihre Mütter seien. Kann in diesem Sinne doch wieder getrost die Emanzipation als das eigentliche Übel ausgemacht werden? Die Amerikanerin Brown ist davon überzeugt, daß die oft genug als feministische Propaganda abgetane Behauptung, Männer hätten schlicht Angst vor den ebenbürtigen Karrierefrauen, genetische Ursachen hat. Auf eine unterlegene Frau sei bei der Pflege von Kind und Heim mehr Verlaß; auch hielte sich die evolutionstechnische Gefahr, von ihr betrogen oder verlassen zu werden, in Grenzen.

Quelle: F.A.Z., 14.11.2005, Nr. 265 / Seite 40
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