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Ein Wahlprognostiker analysiert : Es war eine Niederlage mit Ansage

  • -Aktualisiert am

Hillary Clinton bei ihrer „Concession Speech“ Bild: AFP

Schuldzuweisungen helfen Amerika nicht weiter: Wie sich die demokratische Partei aus ihrem Elend befreien könnte, erklärt einer, der die Wahlausgänge seit 32 Jahren korrekt voraussagt.

          Nach Hillary Clintons Wahlniederlage waren die Kommentatoren schnell bei der Hand mit Erklärungen. Sie habe die Wähler nicht emotional angesprochen, ihr Wahlkampf sei zu uninspiriert und zu defensiv gewesen, und sie habe es versäumt, mit einem überzeugenden Thema anzutreten. Und dass sie die Hälfte der Anhänger Donald Trumps als „bedauernswert“ bezeichnet habe, sei ein schwerer Fehler gewesen. Derlei Schuldzuweisungen sind sinnlose Rationalisierungen, die nicht weiter von Belang sind. Nur vierundzwanzig Stunden zuvor hatten dieselben Experten verkündet, dass Hillary Clinton im Begriff sei, zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten gewählt zu werden und damit einen historischen Sieg zu erringen.

          Sie hat sich nicht über Nacht in eine andere Person verwandelt. Clinton war ja von den Beobachtern quasi schon zur Wahlsiegerin ausgerufen worden. Diese Kommentatoren suchen nun unter abenteuerlichen Verrenkungen nach Gründen, warum ihre Prognose - ein Sieg Clintons - nicht eingetreten ist. Statt sich zu fragen, wie Präsidentschaftswahlen in Amerika funktionieren, ergeht man sich in Schuldzuweisungen. Man kann nicht im Nachhinein mit der Erklärung kommen, Clinton habe ihre Niederlage und das Desaster der Demokratischen Partei selbst verursacht.

          Das meiste wird zurückgenommen

          Mit Hilfe meines Prognosemodells („The Keys to the White House“) habe ich bereits am 23. September in einem Interview mit der „Washington Post“ einen Sieg Donald Trumps vorausgesagt und diese Einschätzung am 28. Oktober, kurz bevor FBI-Direktor James Comey neue Untersuchungen in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton ankündigte, noch einmal bekräftigt. Anhand der „Keys“ konnte ich feststellen, mit welchen wesentlichen Problemen die Demokraten in ihrem Kampf um das Weiße Haus konfrontiert waren. Eine Rolle spielten die deutlichen Verluste bei den Halbzeitwahlen 2014, die mörderische Rivalität bei den Primaries und das Fehlen eines bedeutenden innen- oder außenpolitischen Erfolgs in Präsident Obamas zweiter Amtszeit.

          Die oberflächliche Kritik an Clintons Kandidatur erzeugt die Illusion, die Demokraten könnten sich aus ihrem Elend selbst befreien, indem sie ihre eigene Donald-Trump-Kopie erfinden: den Mann auf einem Schimmel, der die Partei zum Sieg führt. Die Republikaner werden künftig das Weiße Haus, beide Häuser des Kongresses und die meisten Bundesstaaten kontrollieren. Trump wird unmittelbar nach seiner Vereidigung die Pattsituation im Obersten Gerichtshof beenden und dafür sorgen, dass die Republikaner dort mindestens für die nächsten dreißig Jahre das Sagen haben. Die Demokratische Partei wird nur noch ein Schatten ihrer selbst sein.

          Die acht Jahre unter Präsident Obama könnten weitgehend rückgängig gemacht werden. Die Republikaner haben versprochen, Obamas Gesundheitsreform abzuschaffen und Unternehmensvorschriften zu lockern. Sie werden vermutlich alles zurücknehmen, was Obama in Sachen Klimaschutz getan hat, und seine präsidialen Verfügungen in puncto Einwanderung, Umweltschutz, Waffengesetze und Mindestlohn widerrufen. Und was den Obersten Gerichtshof angeht, so sei an Präsident John Adams (1735 bis 1826) erinnert, dessen Föderalisten-Partei nach seiner vierjährigen Amtszeit am Ende war. Aber der von ihm ernannte John Marshall war mehr als dreißig Jahre Oberster Bundesrichter und verankerte föderalistische Prinzipien in der amerikanischen Verfassung.

          Gefährlicher Protektionismus

          Die Demokraten werden sich nur erneuern können, wenn sie auf Schuldzuweisungen verzichten. Die Partei muss eine fortschrittliche Alternative bieten, die einfache Leute anspricht, unabhängig von der Hautfarbe, und deren Sorgen ernst nimmt. Bernie Sanders legte während der Vorwahlen immerhin einen Entwurf vor, der eine neue umweltfreundliche Wirtschaft und die Überwindung der gigantischen Einkommensunterschiede vorsah. Die Demokratische Partei darf aber nicht Sanders’ Weg in die Falle des Protektionismus beschreiten.

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