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Veröffentlicht: 07.05.2012, 11:29 Uhr

Urheberrechtsdebatte Es gibt kein Zurück ins echte Leben

Ob wir das Internet brauchen, ist nicht mehr die Frage. Es geht nur noch darum, das Urheberrecht allgemeinverträglich neu zu regeln. Einige Vorschläge zur Güte.

von Max Winde
© dpa In der Debatte um das Urheberrecht geht es schon lange nicht mehr nur um den Download von Musik

Bitte atmen Sie tief durch, entspannen Sie sich, und regen Sie sich bitte nicht zu sehr auf. Und seien Sie ganz stark. Denn es geht ums Urheberrecht. Nachdem dazu eigentlich alles Mögliche gesagt und getan war, sind nun auch alle unmöglichen Positionen langsam besetzt. Schon allein die Begriffe! „Raubkopierer“ hat sich die eine Seite ausgedacht, ein Begriff, der nach Blut an den Fäusten klingt, aber eigentlich von der Schwere der Tat noch am ehesten vergleichbar ist mit Sich-ins-Kino-Schleichen, ohne zu bezahlen - allerdings ohne dabei einem zahlenden Gast den Platz wegzunehmen.

Die Strafe: Internetverbot. Was für manchen sicherlich milde klingt, ist für die Generation Internet wie ein virtuelles Gefängnis: gefangen im real life. Denn das Internet ist für sehr viele Menschen schon lange Informationsquelle, Kommunikationsmittel, Lernmedium, Arbeitsplatz, Unterhaltungsmedium und vieles mehr. Stellen Sie sich vor, Sie dürften nicht mehr telefonieren, nicht mehr fernsehen, keine Zeitung mehr lesen, keine Briefe mehr schreiben, kein Lexikon mehr aufschlagen, nicht an Ihr eigenes Bücherregal gehen, an Ihre Musik- und Filmsammlung natürlich auch nicht. Sie könnten nicht mehr mit Freunden reden, keine Partyeinladungen mehr erhalten, keinen Urlaub buchen, und arbeiten könnten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr. Ein Internetverbot würde all dies nach sich ziehen, und das für dreimal an der Kinokasse vorbeischleichen.

Es ist in Mode, sich an der Kasse vorbeizuschleichen

Nun muss man allerdings auch zugeben, dass es in den letzten Jahren sehr in Mode gekommen ist, sich an der Kasse vorbeizuschleichen. Es gibt Ratgeber, die einem Tipps geben, wie man sich auch bei gut gesicherten Kinos an der Kasse vorbeischleicht. Die Chance, dabei erwischt zu werden, ist extrem gering, und die Kinobesitzer klagen seit Jahren über zurückgehende Ticketverkäufe bei gleichbleibenden Besucherzahlen.

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Die Gegenseite ist kaum weniger zimperlich. Personen, die vom Verkauf virtueller Kulturgüter leben und sich gegen deren unlizensierte Nutzung wehren, werden als „Content-Mafia“ beschimpft. Forderungen, deren Umsetzung die klassischen Geschäftsmodelle der Inhalte gänzlich zum Kollabieren brächten, sind an der Tagesordnung, ihre Umsetzung wird als alternativlos dargestellt. Statt Verständnis für die Ängste der Betroffenen gibt es nur Hass und Spott.

Die Fronten könnten also kaum verhärteter sein, eine Lösung ist nicht in Sicht. Die eigentliche Frage gerät dabei höchstens versehentlich mal ins Blickfeld: Wie wollen wir für die Produktion unserer Kulturgüter bezahlen? Denn irgendjemand muss immer für deren Produktion aufkommen, und sei es, dass Hobbyisten selbst dafür aufkommen - dieser wird durch seine Arbeit zumeist finanziell ärmer und nicht reicher.

Geduld ist im Netz nicht gut ausgeprägt

Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“) scheint ein recht vielversprechendes Modell zu sein. Die Umsätze von Plattformen wie „Kickstarter“ explodieren geradezu. Videopodcasts, Armbanduhren mit Smartphoneanbindung, Dokumentationen oder Computerspiele - die Liste der von vielen kleinen Vorauszahlungen finanzierten Projekte ist lang und beeindruckend. Allerdings hat das Prinzip auch einige Nachteile, zu viele, als dass es den klassischen Verkauf eines fertigen Produkts ersetzen könnte. So muss der Sponsor eines Projekts sehr viel Zeit mitbringen, da zwischen Bezahlung und Fertigstellung naturgemäß eine sehr lange Zeit vergeht. Und Geduld ist eine im Echtzeitnetz bekanntermaßen nicht mehr sonderlich gut ausgeprägte Fähigkeit. Auch wird es sicher Projekte geben, die für die Sponsoren zur Enttäuschung werden. Sei es, weil das fertige Produkt nicht hält, was das Werbevideo versprochen hat. Oder weil sich ein Projekt als Totalausfall erweist: Das Geld ist futsch, aber kein fertiges Produkt ist in Sicht.

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