04.06.2012 · Geringgeschätzte Künstler und die Verteidigung der Kultur gegen „Geiz und Gier“: Wissen die Unterzeichner des Urheber-Aufrufs wirklich, was sie da unterschrieben haben?
Von Juli Zeh und Ilija TrojanowRichtlinien für Lesermeinungen
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Das Urheberrecht ist ein Auswuchs des Patentrechts, welches seinerseits
abgeschafft werden sollte. Sie verhindern den Fortschritt.
Stellen Sie sich vor, Werner Heisenberg hätte seine Quantenmechanik
patentieren oder urheberrechtlich schützen lassen ? Stellen Sie
sich die gleiche Frage bei Albert Einstein, James Clerk Maxwell, Isaac
Newton, Leonard Euler, Friedrich Gauss, Aristoteles, Euklid usf.
Stellen Sie sich die gleiche Frage bei Beethoven, Bach, Mozart,
Schubert, Händel, Boccerini, Verdi, bei da Vinci, Michelangelo,
Gaugin, Ceszanne, Picasso, Kandinski, bei Fontane, Grimm, Schiller,
Goethe, Voltaire, Shakespeare, Cervantes, Cannetti, Hemingway, Jane
Austen usf.
Maler, Schriftsteller , Musiker vermögen uns wohlgesinntere Welten
zu zeigen. Wir kehren aber immer wieder in den Alltag zurück. Das
Schwärmen ist von kurzer Dauer.
Ausgerechnet diese Intellektuellen bilden sich ein, dass sie rechtlich
geschützt werden. Was geschieht mit all den anderen Berufen ?
Also: Weg mit Urheberrecht.
Ich bin wirklich überrascht, einen solch guten Artikel auf den
FAZ-Seiten lesen zu dürfen. Bis auf das die Tatsache, dass die
Dienste der Piraten, also derjenigen, die das Thema endlich auf den
Tisch gebracht haben, nicht ausreichend gewürdigt werden.
Ich selbst habe im näheren Freundeskreis einen Musiker mit einer
Rock-Band uns einem diplomierten Künstler, und was ich da sehe ist
die reinste Verarsche seitens der Verwertungsindustrie. Von freien
Wettbewerb und Entfaltungsmöglichkeiten kann da kaum die Rede sein,
ganz im Gegenteil.
Ist das so schwer zu akzeptieren, dass die GEMA zu viel kassiert und zu
wenig bezahlt? Und was soll diese Monopolstellung, sind wir noch im Mittelalter?
Und was ist mit den Tatort-Autoren, die von GEZ-Gebühren leben und
trotzdem die Frechheit besitzen sich zu beschweren?
Und was ist mit den Verlagen, die bis zu 50€ für eine Zeile
fordern, die in man in der Doktorarbeit zitiert hat? (rechnen Sie mal
mit 600 Zeilen!)
Anmerkung zum Begriff "Kinderpornografie"
Da ich Julie Zeh sehr schätze, wundert mich, dass auch sie diesen
Begriff falsch verwendet. Kinderspielzeug ist Spielzeug für Kinder.
Ein Kindergarten ein Garten...für Kinder. Kinderpornografie ist
nicht Pornografie für Kinder. Es handelt sich um einen nicht
missverständlich benutzten Begriff (das geschieht wohl nicht), aber
eine sprachliche Mesalliance. Präziser wäre z. B.: Pornografie
auf Ausbeutung von Kindern beruhend/Sex. Ausbeutung von Kindern zum
Zweck der Pornografie....
Wollte nur kurz die Gelegenheit nutzen, dies endlich mal einzuwerfen...
Ulrike Müller, Wuppertal
Weitere Begriffe, gegen die Sie vorgehen sollten:
Kinderarbeit, Kinderarmut, , Kinderchor, Kinderfreibetrag, Kinderfreund,
Kinderkriminalität, Kinderkreuzzug, Kinderlosigkeit,
Kinderlärm, Kindermord, Kinderportrait, Kinderprostitution,
Kinderschreck, Kinderschänder, Kindersegen, Kindersoldat,
Kindersprache, Kindersterblichkeit, Kinderwunsch
Ich wünsche Ihnen bei der Umgestaltung der deutschen Sprache viel Erfolg.
Danke, Herr Stollenwerk
Besser hätte ich den Gedanken nicht zusammenfassen können.
Doch in Deutschland diskutieren wir sehr gerne darüber, wie wir
diskutieren wollen...
ob es das Grundproblem zu beheben vermag, möchte ich bezweifeln.
Aber zurück zum Thema...
Nicht alles, was mit "X" anfängt, ist auch für "X"
Schokoladeneis ist nicht für Schokolade, Lederhüte sind nicht
für Leder, Kugelschreiber sind nicht für Kugeln...
Nicht alles, das mit einem Begriff beginnt, ist auch für diesen
ersten Begriff gemacht. Hautsalbe ist für die Haut, Urea-Salbe
enthält aber Urea.
Das ist vielleicht sprachlich nicht besonders glücklich, aber im
Deutschen durchaus so üblich (wenn auch nicht unbedingt in der
Kombination mit "Kinder").
Ein längeres Konstrukt statt Kinderpornografie zu verwenden, macht
weder den Umstand besser, dass es sowas gibt, noch stärkt es das
Verständnis in irgend einer Form.
Jedem seinen eigenen Urheber oder Künstler
Donato Casagrande gibt weiter unten interessante Zahlen bekannt. Bei der
Verteilung von Einnahmen der VG Wort werden 12Millionen € unter
11.000 Verlagen und 443.000 Künstlern aufgeteilt. Dazu noch die
Bestseller-Zahlen deutscher Autoren - 20.000 bis 60.000 Auflage gilt als
hervorragend - dann zeichnet sich ab, was eigentlich läuft. Die
deutschen Urheber sind international nicht konkurrenzfähig und es
herrscht eine "Künstler"-Schwemme, der Markt ist
übersättigt. Künstler wie Mario Adorf und Co. halten
ihren Status vor allem über die GEMA. Fähige Köpfe
wandern ins Ausland ab, dem Geld hinterher.
Die gesamte Kunstindustrie liegt im Wesentlichen weich gebettet in
Bezahlfernsehen und Fördertöpfen. Das hat natürlich nicht
dazu geführt, dass die Verantwortlichen sich der Zeit und dem Markt
angepasst haben. Da muss ein Feind und Finanzier her! Das ist dann
gleich das ganze Volk. Mit Zwangsabgaben! Einmalig auf der Welt! Wer von
seiner Kunst nicht leben kann, soll es lassen.
Ein kleines Beispiel
Ich betreibe u.a. einen recht anspruchsvollen technischen Blog mit
mehreren hundert Seiten Umfang der im Jahr von über 60 000
Benutzern gelesen wird (teilweise) - Vergütung der VG Wort = 0 (bin
leider Zwangsmitglid). Ist deshalb als Creative Commons Lizent
deklariert (das es bei VG Wort gar nicht gibt).
Ein Grundlagenbuch zu Aufbau und Programmierung des mobilen Web (seit 10
Jahren auf dem Markt) wird als Lehrbuch in China und Indien zu 10 000
als Billigdruck vermarktet. Was erhält der Autor 0 (der Verlag hat
sich einfach alle Optionen gesichert). Nutzung an den Unis finde ich
gut. Schlecht ist dass Autoren gar nicht gefragt werden müssen.
ein Hoch auf den/die KünsterIn ohne Schutz ? vor dem Absturz ins Bodenlose ?
Juli Zeh und Ilija Trojanow stellen den Status quo der Literatur in meinen Augen zutreffend dar, nur kommt es mir vor wie der buchstäbliche Wagen über dem Abgrund 1 Sekunde vor dem Absturz ins Bodenlose ...Ich möchte der Kollegin/Rechtsanwältin Zeh gar nicht zu viel vorwerfen, denn wir befinden uns alle in der Situation, dass wir zwischen dem notwendigen Schutz der Werke der Einzelnen, dem Gedanken an eine in der Welt des Internets angemessen Vergütung sowie einem - akzeptierten !!! - Schutz vor entschädigungsloser Enteignung hin und her mäandern ... Die universelle CD wird es nie geben, da es schon niemand gibt, der mangels Entgelt alle Texte sammelt ... den Schutz des/der Einzelnen aufzugeben erscheint im Hinblick auf die Meinungsvielfalt nicht tolerabel zu sein. Wie kann man Meinungsvielfalt mit einem rein pauschalierten Vergütungssystem vereinbaren ?
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.06.2012 18:35 UhrWie man Meinungsvielfalt mit einem rein pauschalierten Vergütungssystem vereinbaren kann?
Ganz einfach: Gar nicht.
Joachim Bühler schrieb: "Im Prinzip ist es doch so: Die Partei
und ihre Anhänger sind, aufgeschreckt durch drohende
Netzüberwachung, gezwungermaßen auf das Thema Urheber- und
Verwertungsrecht gestoßen. Nicht etwa weil diese Partei ein Herz
für Künstler hat, sondern weil Urheber- und Verwertungsrechte
umständebedingt ein 'natürlicher Feind' eines kontrollfreien
Internets sind, haben sie das Thema im Focus."
Richtig. Aber ich würde es viel schärfer formulieren: Das
eigentliche Problem ist, dass die sogenannte
"Internet-Community" auf dem besten Wege ist, sich zur bisher
größten kriminellen Organisation dieses Planeten zu
entwickeln und die nationalstaatlichen Rechtsvertreter vor der Macht
dieser weltumspannenden Organisation und Gesinnungsgemeinschaft
zunehmend einzuknicken beginnen. Wenn so gut wie alle Internet-User
(oder zumindest ein großer Teil) ein bestimmtes Recht brechen,
dann kann der Rechtsbruch einfach nicht mehr Rechtsbruch sein (=
normative Kraft des Faktischen).
Markus Köppen schrieb: Staatsform? Heribert Mühlberger antwortet: Guckst du hier: Art. 20 GG.
Weiter heißt es: "Die Abneigung einer Mehrheit gegen
bestehende Rechtliche Verhältnisse ist in einer Demokratie keine
organisierte Kriminalität, sondern eine legitime Interessengruppe."
Abneigung dürfen Sie empfinden gegen was Sie wollen und solange Sie
wollen. Sie haben das Recht, Ihren politischen Willen in Wahlen und
Abstimmungen zu äußern. Auch steht es Ihnen frei, Parteien zu
gründen und für Ihre politischen Ziele zu kämpfen.
Solange aber ein Gesetz, das Ihnen widerstrebt, noch nicht durch das
dafür vorgesehene Gesetzgebungsverfahren geändert worden ist,
gilt es in der vorliegenden Form und Sie haben sich daran zu halten. Ob
Ihnen das passt oder nicht. Überdies kann auch der Gesetzgeber die
Gesetze nicht völlig nach Belieben ändern, weil er an die
verfassungsmäßige Ordnung gebunden ist. Und da fällt mir
ganz spontan z.B. die Institutsgarantie des Art. 14 Abs. 1 S. 1 GG ein.
Aber ich möchte Sie nicht überfordern. Sie scheinen ja eher
schlichten Staatsvorstellung anzuhängen :-)
Staatsform?
Die Abneigung einer Mehrheit gegen bestehende Rechtliche Verhältnisse ist in einer Demokratie keine organisierte Kriminalität, sondern eine legitime Interessengruppe.
"Organisierte Kriminalität"
Markige Worte...
Nein, beim besten Willen ist die "Internet-Community" nicht
auf dem besten Weg zu einer kriminellen Organisation zu werden. Erstens
ist sie nicht organisiert (vielleicht sind die Piraten eine
Organisation, die glaubt, die Internet-Community zu vertreten, aber wer
sonst noch?), zweitens ist der von Ihnen - Herr Mühlberger -
hervorgebrachte Gesetzesbruch nicht abgesprochen. Somit passt das ganze nicht...
Wenn, dann passen eher die Verwertungsgesellschaften zur Definition der
Jusitiz- und Innenminister zur Organisierten Kriminalität: sie sind
organisiert, Gewinn- und Macht strebend und nehmen zu ihren Gunsten
erheblichen Einfluss auf die Regierung. Und die "Straftaten"
ist die erhebliche Einschränkung der Grundrechte, die durch
passende Gesetze den Providern und den Endanwendern auferlegt werden.
Passt alles... ;-)
Vergessen werden einmal wieder die kleinen ...
Texter, Fotografen oder Grafiker, deren Urheberrechte jetzt schon mit
Füßen getreten werden und die meiner Meinung nach einen viel
besseren Schutz und Möglichkeiten benötigen, um sich zur Wehr
zu setzen. Von daher läuft die Diskussion einmal wieder in die
falsche Richtung.
Leider habe ich es selbst schon erlebt, wie ein Layout später von
Grobmotorikern nachgebastelt wird, nur weil dieser ein paar Euro
günstiger ist. Wie will man sich dagegen wehren? Gar nicht. Da die
Öffentlichkeit bzgl. diesem Thema immer weniger sensibilisiert ist
und meint, dies sei legal, wird mit Unverständnis reagiert.
Daher gehört das Thema unter o.g. Aspekt in die Öffentlichkeit.
"Der Preis eines E-Books in Höhe von 18 Euro und mehr mag
kostendeckend sein - für eine mit Kopierschutz belegte Datei, die
nur auf bestimmten Lesegeräten eingeschränkt abrufbar ist,
könnte er als zu hoch empfunden werden."
Ja, da sagen Sie was. Ich habe mir vor ein paar Tagen erstmals ein
E-Book gekauft. Stolze 20 Euro. Bis ich dieses E-Book auf meinem Sony
Reader hatte, waren gute 60 Minuten vergangen. Erst kauft man das E-Book
und bekommt irgendeine Datei, dann registriert man sich bei Adobe um das
E-Book mittels der Datei zu beziehen, dann braucht man spezielle
Software um es auf den Reader zu bekommen und dann funktioniert es nicht
mal so sauber, wie DRM-freie Dokumente. Eine einfache Alternative stellt
Amazon, aber deren Reader zeigen wiederum keine DRM-freien Dokumente an.
Das brauch ich aber wegen der Uni. Wundert mich nicht, das keiner
E-Books kauft.
Der Artikel ist sehr gelungen - vielen Dank.
Kindle-Korrektur
Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass der Kindle sehr wohl
DRM-freie Dokumente anzeigt, beispielsweise im TXT-, HTML-, Bild-, PDF-
oder mobi-Formaten. Über geeignete Software wie Calibre lassen sich
andere Formate (etwa epub) in die genannten konvertieren.
Da Sie aber anscheinend bereits einen anderen Reader besitzen, kommt
diese Information wohl zu spät.
DRM-frei auf Amazon-Reader, kein Problem!
Selbstverständlich zeigen die E-Book-Reader von Amazon auch
DRM-freies Material an. Ich tausche regemäßig Bücher
zwischen dem Kindle meiner Frau und meinem Sony Reader mit wenigen
Mausklicks hin- und her.
Richtig, die Formate müssen konvertiert werden, aber das geschieht
bei der Übetragung auf den Reader automatisch, so dass ich es gar
nicht mitbekomme.
Probleme macht alles, was mit DRM behaftet ist, weil man das nicht so
ohne weiteres konvertieren kann, da ja die Umgehung des Kopierschutzes
verboten ist.
Nett, aber irgendwie sinnlos ...
Es ist schön, aus berufenem Munde klare Worte der Vernunft zu
hören. Doch reicht es längst nicht mehr, den Status Quo zu
beschwören, zu bekritteln oder zu verteidigen. Man sollte den Blick
schon mal heben und schauen, in welche Richtung die Reise geht.
Und da sehe ich keinen geprügelten Autoren oder gierige
Gema-Monster. Da sehe ich z.B. Google, das nicht mehr möchte, dass
man von seinen Suchergebnissen auf fremde Seiten hüpft, sondern
stattdessen die Inhalte dieser Seiten lieber direkt zur Dekoration der
eigenen Werbeflächen nutzen möchte. Und dabei ist so ein
Urheberrecht so was von überflüssig.
Es ist richtig, der ganze Content-Markt ist in Bewegung, aber um zu
verstehen, was da tatsächlich abgeht, hilft es weder, auf der
Stelle zu trampeln, noch der Illusion eines wahrhaft freien und
demokratischen Internets anzuhängen.
Die Fragen, deren Beantwortung möglicherweise weiterführen
kann, sind vielleicht eher: wem nutzt das wirklich und wer wird instrumentalisiert?
Diese Autoren haben doch lange genug gut gelebt im Schlaraffenland der Buchpreisbindung....genau so wie Schornsteinfeger und Notare....oder Apotheker. Wettbewerb ist für die doch ein Fremdwort.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.06.2012 17:01 UhrEigentlich steht da ja alles...
...liegt der Gesamtverdienst eines „normal“ erfolgreichen
Autors also zwischen 6.000 und 40.000 Euro - vor Steuern. Geht man von
zwei bis drei Jahren Arbeitszeit für die Fertigstellung eines
Romans aus, kommt man auf ein Monatsgehalt zwischen „fast nicht
vorhanden“ und „äußerst bescheiden“.
Von der Buchpreisbindung profitieren die Verwerter, nicht die Autoren.
Die Verteilung der Verkaufserlöses sieht nämlich in etwa so
aus: 10 - 12 % (wenn es gut geht) der Autor, 25 -30 % der Handel und der
Rest für den Verlag. Und wenn der Titel verramscht wird oder in
Sonderaktionen verkauft wird, geht der Autor völlig leer aus.
Jetzt raten Sie mal, wer am meisten profitiert.
Ein sehr guter Artikel, dem man uneingeschränkt zustimmen kann
Es gibt zwei Aspekte, die zwar angesprochen wurden, die man aber noch
einmal zur Beachtung empfehlen sollte:
Z.b. gibt es im Buchhandel eine Art von Preisbindung, die Bücher in
Deutschland enorm verteuert. Sowohl die Autoren als auch die Verlage und
der Handel profitieren davon.
Der zweite Aspekt ist das aufkommende E-book: Man kann sicher sein,
daß man da einmal mehr versuchen wird die Geräte und
Zubehör mit einer Zwangsabgabe zu belegen. Die Gema lässt
grüßen, die das schon erfolgreich mit Computerspeichermedien
macht, obwohl das einerseit sachlich falsch ist und nur zu einer
Einnahme ohne Gegenleistung geführt hat und führt, ist man
gerade dabei diese Zwangsabgabe auch noch drastisch zu erhöhen und
auch nur ansatzweise einen höheren Gegenwert anzubieten.
Und ob es Aufgabe des Staates ist Vermarktungssysteme zwangsweise zu
etablieren und zu schützen, darf auch bezweifelt werden ohne das
Recht künstlerisch und geistig Schaffender auf marktgerechte
Entlohnung zu negieren.
Wolf im Schafspelz
"Und ob es Aufgabe des Staates ist Vermarktungssysteme zwangsweise
zu etablieren und zu schützen, darf auch bezweifelt werden ohne das
Recht künstlerisch und geistig Schaffender auf marktgerechte
Entlohnung zu negieren."
Sehr richtig. In der Debatte wird das Individualrecht der Urheber vor
den Karren gespannt, um eine monopolistische Geschäftsstrategie zu
bewahren bzw. weiter auszubauen.
Angeblich reguliert sich ein freier Markt selbst. Wie wir jedoch wieder
einmal erkennen müssen, geschieht dies nur in eine Richtung...
Die klassische Marktaufteilung passt nicht mehr
Der Artikel ist klar und gut formuliert, beschreibt aber dennoch nur die
halbe Wahrheit. Im Bereich Schrift entzündet sich der Konflikt
nicht am klassischen Buch, sondern am E-Buch - und in diesem Bereich
braucht der Autor nicht mehr zwingend einen Verlag, denn er braucht
nicht mehr zwingend den Vertrieb zum Buchhandel.
Plattformen wie Amazon Kindle oder Smashwords (Letztere ohne
Kopierschutz!) ermöglichen den Direktvertrieb. Dies geht an den
klassischen Verlagen ebenso vorbei wie an Verwertungsgesellschaften, es
bleibt nur noch der im Artikel abgetane Konflikt Leser-Autor.
Der Autor auf diesen Plattformen hat schon heute keinen Nutzen aus
Abgaben für USB-Sticks etc - und wird auch bei einer Kulturflatrate
leer ausgehen.
Wer im Laden ein Buch klaut, verstößt damit nicht gegen das Urheberrecht...
Das Urheberrecht hat nämlich nichts damit zu tun, ob der Verleger -
Verwerter - Einzelhändler sein ausgelegtes Kapital auch
gewinnbringend verwerten kann, sondern daß der geistige Urheber,
von dem Gewinn des Verlegers einen "angemessenen" Teil
abbekommt.
Wir sollten endlich aufhören, von einer "Debatte um
Urheberrecht" zu reden, denn darum geht es nicht im geringsten,
sondern um die technische Entwicklung, auf die Paul Rabe in seinem
Beitrag "Der Content der Menschheit auf einer Festplatte" von
heute 13:58h aufmerksam gemacht hat: man braucht nicht mehr den
"Content" an ein Stapel Papier oder eine Plastikscheibe zu
binden, so daß diese Gegenstände dann einen Gebrauchswert
bekommen, der sie zur Ware werden läßt, die ein Verleger und
sein Einzelhändler verkaufen können, um damit Profit zu
machen. Und Ware kann nur werden, was ein einzelnes Ding ist, das den
Besitzer wechseln kann, und dessen Besitz der eine Besitzer aufgeben
muß, damit ihn ein anderer erhalten kann.
Kultur vs. Kapitalismus
Michael Thomas, Sie führen die richtigen Beispiele für die
Absurdität der Auseinandersetzung an.
Ein oberflächlicher Blick auf die Materie mag zuweilen den Eindruck
erwecken, die "Aufweichung" bzw. Reformation des Uheberrechts
würde tausende Urheber an den Abgrund der Existenz führen,
ja... sogar das apokalyptische Ende aller Kultur bedeuten.
Tatsächlich, so erscheint es, wenn man etwas tiefer in das Thema
einsteigt, geht es einzig um die volle Kapitalisierung dessen, was in
der Debatte als "Kultur" oder "geistiges Eigentum"
euphorisiert wird.
Es geht darum, auch das letzte Centstück aus dem Verbraucher zu
pressen, um einer Industrie, die sicher nicht am Hungertuch zerrt, mehr
Profit zu bescheren. Ich verstehe auch nicht, warum sich die Diskussion
häufig gen Literatur richtet - sind es doch keine Bücher, die
millionenfach auf YouTube geklickt werden...
Debatte über Urheberrecht
Leider handelt die Debatte nach dem, was ich mitbekomme, nicht nur um
das vermeintliche Stehlen von Musik, Text oder Videos per Kopie im
Internet sondern tatsächlich um das Urheberrecht.
Dies drückt sich u.a. darin aus, dass die Verwertungsgesellschaften
Gebühren auf Speicher, Scanner etc. erheben - angeblich um die
Kopie zu legalisieren, die in Teilen gemäß UrhG rechtens
sind. Auf der anderen Seite solle die Gesetze in Bezug auf das Recht zu
zitieren verschärft werden (hier wird gerne die "böse
Firma" Google genannt). Weitere Initiativen kann man bei YouTube
sehen (z.B. wenn im Hintergrund ein bekanntes Lied auf dem privaten
Video zu erhören sind). Auch das Singen von Liedern durch
Kindergartengruppen hat etwas mit dem UrhG zu tun.
Letztlich wird für die Verschärfung von Gesetzen meistens nur
die Umsatzverluste durch die Kopie im Internet ins Feld gebracht. In
Wirklichkeit geht es um die Gewinnmaximierung bei den
"Randthemen" und die stärkere Kontrolle der Nutzung des
geistigen Eig
Ich vermute, dass viele meiner Autoren-Kollegen den Urheberrechtsstreit als Ventil für eine allgemeine Unzufriedenheit mit den hiesigen Zuständen am Büchermarkt zum Anlaß für Proteste genommen haben. M.E. liegt das Problem des Literaturbetriebs in den Schwierigkeiten die man hat, die eigenen Werke in Buchhandlungen ausstellen zu lassen und damit der "Laufkundschaft" anzubieten. Wenn man noch kein Superstar ist oder wenn man nicht in der Lage ist, einem der tonangebenden Publikumsverlagen schnelle und dauerhafte Gewinne in Aussicht zu stellen, z.B. weil man nicht mehr so jung ist oder weil man keine kommerziellen Sensationsbücher schreibt, dann landet man bei einem kleinen Verlag, der nicht die Beziehungen zu den Medien und zu den Buchhandlungsketten haben kann, um das Buch an geeigneter Stelle ausstellen zu lassen und um es von den etablierten Kritikern überhaupt lesen zu lassen. Koch- und Gartenbücher haben dagegen Hochkonjunktur und die Spiegel-Liste der Bestseller erklärt den Rest.
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.06.2012 19:38 UhrRichtig
Sie schreiben "Denn wenn sie nicht in kürzester Zeit umgesetzt werden, bringts keinen Gewinn". Das stimmt nur in den Köpfen der Buchhändler und es ist eben die Krux unserer Zunft. Wenn ich ein Buch mit dem Titel: "Die Vergangenheit des Papstes durchleuchtet" schreibe und das Buch von keinem "namhaften" Verlag ins Programm aufgenommen wird, dann wird es kein Buchhändler sichtbat ausstellen, weil es nicht von der ehrenhaften Verlegergilde unterstützt wird, obwohl der Laufkunde thematisch bestimmt nicht abgeneigt wäre. Kadavertreue den "renommierten" Verlagen gegenüber scheint bei den Buchhändlern eine noch stärkere Triebfeder als reine Profitsucht zu sein. Mensch, Deutschland wird tief-mediterran!!!
Sehr wahr
Ich mußte auch in jüngeren Jahren die Erfahrung machen, dass Buchhändler nur sehr widerwillig meine Bücher als Geschenk annahmen. Platz in der Buchregale ist offensichtlich so rar geworden wie Baugenehmigung auf Sizilien: Beides wird nur für eine ganz bestimmte Kundschaft reserviert.
Nur keinen Ballast für die Buchhandlungen!
Ich möchte Ihren Bericht mit einer Anekdote ergänzen, wie
Buchhandlungen unbekannte Autoren 'fördern': im Saarländischen
Rundfunk gibt es Literatursendungen, zu denen die ortsansässige
Thalia-Buchhandlung parallel ein ganzes Schaufenster mit den
besprochenen/beteiligten Autoren/Titeln ausstattet. Als ich in einer
dieser Sendungen beteiligt war, habe ich selbst (als mein eigener
Verleger) ein oder zwei meiner Titel hingebracht. - Die wurden aber nur
unter der BEDINGUNG akzeptiert, daß ich die Bücher auch
wieder abzuholen versprach.
Natürlich hat man keine Chance in einer Buchhandlung seine
Bücher für die Laufkundschaft zu zeigen. Ich vermute auch dann
nicht, wenn man sie gratis hingeben würde. Denn wenn sie nicht in
kürzester Zeit umgesetzt werden, bringts keinen Gewinn.
Wie wird das Geld von GEMA und VG Wort verteilt?
Man kann über die Verteilung von Geldern zwischen Autor und Verlag viel diskutieren. Die Rechtslage ist dabei relativ einfach, da es sich um einen Vertrag zwischen zwei Parteien handelt. Viel schwieriger ist die verteilung der Gelder der Verwertungsgesellschaften GEMA und VG Wort. Die Verteilung der Gelder ist völlig intranspaent. Die Autoren haben in diesen Gremien (ähnlich wie die Autofahrer beim ADAC) nichts zu sagen. Bevor diesen Vereinen Geld per Gesetz zugeteilt wird, müssen die verkrusteten Strukturen, unsinnigen Regeln aufgebrochen und die Verteilung der Gelder transparent gemacht werden. Das wäre einmal eine sinnvolle Arbeit für die Piratenpartei.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.06.2012 17:25 UhrDas steht im Bericht des Vorstandes der VG Wort...
...da wird aufgelistet, was die Einnahmen waren und wie sie verteilt
werden. Und Überraschung! Die Verlage bekommen auch da in absoluten
Zahlen etwa 50 % mehr Geld als die Autoren. Wobei etwa 11.000 Verlagen
sage und schreibe rund 443.000 Autoren gegenüberstehen.
Was das heisst, kann sich jeder ausrechnen der Lust hat. Ach so, die
Einnahmen lagen 2011 bei etwa 120 Mio. EUR und werden zum Teil auch dem
Sozialfonds zugeführt.
Glauben sie, dass diese Aufgabe bei den Piraten in kompetenten Händen ist?
Ich nicht! Ich bin bisher nicht müde geworden, alles was die
Piraten zu diesem Thema verlauten liesen zu lesen oder zu hören.
Und je mehr man liest, desto mehr wird klar, dass der sicher komplexe
und je nach Genre/Branche auch noch ganz unterschiedliche Kunstmarkt
für die Piraten verständnistechnisch drei Nummern zu hoch ist.
Zur angesprochenen Gema ist mir seitens der Piraten z.B. kein einziger
konstruktiver Verbesserungsvorschlag untergekommen, von dem man sagen
könnte da hat jemand Einblick, da hat jemand Sachverstand. Im
Prinzip ist es doch so: Die Partei und ihre Anhänger sind,
aufgeschreckt durch drohende Netzüberwachung, gezwungermaßen
auf das Thema Urheber- und Verwertungsrecht gestoßen. Nicht etwa
weil diese Partei ein Herz für Künstler hat, sondern weil
Urheber- und Verwertungsrechte umständebedingt ein
"natürlicher Feind" eines kontrollfreien Internets sind,
haben sie das Thema im Focus.
Geht es um die Verteidigung der Bürgerrechte? Nein, ...
denn schließlich ist der Art. 14 Abs. 1 S. 1 GG, in dessen
Schutzbereich das Verwertungsinteresse eines Urhebers an seinem
geistigen Werk fällt, kein Bürgerrecht, d.h. kein Grundrecht,
das nur deutschen Staatsbürgern zusteht, sondern ein
Jedermannsrecht (= Menschenrecht). Die Autoren des obigen Artikels haben
also nicht gelogen (hi hi hi hi). Und natürlich geht es auch nicht
um eine "Abschaffung des Urheberrechts". Grundrechte werden
nämlich nicht abgeschafft---sie werden lediglich
"ausgestaltet" und "eingeschränkt". Letzteres
vor allem! Und zwar in Salamitaktik und mit zunehmender Schnittdicke,
wobei man sich darauf verlassen kann, dass das Grundrecht, das gerade
mal wieder eingeschränkt worden ist, niemals laut zu schreien
beginnt: "Autsch! Das war jetzt aber ein Teil von meinem
Wesen!"
Ich kann allen Menschen, die von geistiger Arbeit leben, nur dringend
raten, genauestens darauf zu achten, was die Piraten am Urheberrecht
herumfummeln möchten.
@Herr Mühlberger: Geistige Arbeit
Können Sie mir darstellen, wo aktuell (z.B. in
Gesetzgebungsverfahren) das von Ihnen zitierte Grundrecht
eingeschränkt werden soll? Ich meine, dass die Autoren des Artikels
sehr gut wiedergegeben haben, dass das Gegenteil aktuell der Fall ist.
Es existiert eine wirkliche zwei Klassengesellschaft. Viele leben von
der "geistigen Arbeit" - vor allem Programmierer, Ingenieure,
Architekten u.v.m., aber sie haben keine Verwertungsgesellschaften. Ihre
Arbeit wird normalerweise direkt durch den Arbeitgeber vergütet.
Wenn man die Arbeit nicht abgenommen wird, man arbeitslos wird etc.
bekommt man kein Geld mehr dafür, was man einmal gemacht hat.
Musiker, Autoren etc. haben u.a. den Vorteil, dass sie neben den
Vewertungsrechten, die sie an die Verlage verkauft haben, das UrhRecht
über Jahre und die Vergütung durch die
Verwertungsgesellschaften. Wie aber bei einem normalen Beruf auch, hat
man nicht das Recht, davon leben können zu müssen.
Klar und ideologiearm - Danke!
Herzlichen Dank für den erfrischend klaren und ideologiearmen
Beitrag zur Debatte. Ihre Kritik am sog. Urheberprotest ist ebenso
realitätsnah wie pragmatisch und bringt die Dinge auch den Punkt.
Ich denke, Sie werden hier im Forum kaum Gegenkritik auf sich ziehen -
und das will schon einiges heißen!
Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Sie Ihre Analyse auch
produktiv für konkreten Lösungsvorschläge einsetzen. Die
Urheberrechtsdebatte zerfasert sich im Moment in eine Unzahl scheinbar
zusammenhangloser Einzelvoschläge. Es wird allmählich Zeit,
die Positionen und Konfliktlinien soweit abzustecken, das daraus klare
politische Forderungskataloge und Handlungsprogramme abgeleitet werden
können. Bitte lassen Sie uns an diesem Punkt der Debatte nicht
stehen bleiben.
In Ihrer Aufzählung sind die GEMA Einnahmen nicht erwähnt. Wie
werden die aufgeschlüsselt ?
Die GEMA ist gerade dabei die Gebühren für Speichermedien zu
verzehnfachen. Wofür
eigentlich? Ich nutze die leeren CD's und Speicherstick's für PC
Sicherheitskopien, eigene
Photos und Videos und das ist es dann schon. Mit welchem Recht verlangen
die dann von
mir über den Kauf der Speicher Gebühren ? Das ist reine Abzocke!
Bis auf das Piratenbashing im Text, (kann man ja auch unterlassen, denn andere Parteien haben dazu viel übleres zu bieten und werden nie erwähnt), kommen wir der Sache schon näher.
Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Es ist offenbar tabu
festzustellen das es als Künstler nunmal nicht leicht ist und auch
nie sein wird. Ein Bildhauer der eine Statue herstellt muss damit leben
das sie möglicherweise dutzendfach fotografiert oder billig kopiert
wird. Es gibt auch andere Berufszweige wo mehr monetäre Entlohnung
- dafür weniger Freiheit und mehr Verantwortung dahinter steht.
Die Forderung nach mehr Regulierung ist aber heutzutage sehr modern.
Bleibt zu hoffen das es noch genügt Elemente für
Bürgerrechte und Freiheit gibt die sich dem wiedersetzen.
VG