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Veröffentlicht: 01.07.2012, 15:12 Uhr

Urheberrecht Ich bin Mitglied der Gema - na und?

Die Piraten-Position zum Urheberrecht ist fundamentalistisch, weltfremd und wird sich in keinem Parlament durchsetzen. Die Lösungsvorschläge eines Realo-Piraten.

von Peter Georg
© dapd Pluralistische Partei: Jeder darf seine eigenen Standpunkt über die Gema haben - auch wenn manch einem Piraten nicht passt

Als ich Mitte vergangenen Jahres Mitglied der Piraten-Partei wurde, war mir überhaupt nicht klar, was auf mich zukommen würde. Ich war begeistert von den Grundgedanken Transparenz und Basisdemokratie, von der Möglichkeit, auch auf höchster Ebene mitreden zu können. Diese Partei war etwas Besonderes. Es gab nicht diese Distanz zwischen der Basis und den Vorständen. Beim Twittern bekam man schnell Antwort, selbst von hohen Vorständen wie Marina Weisband, der damaligen politischen Geschäftsführerin, oder von Stefan Körner, dem bayerischen Vorsitzenden. Allein die Vorstellung, dass es hier im Gegensatz zu anderen Parteien kein Delegierten-System gab, verursachte mir eine Gänsehaut. Das System des liquid feedbacks war für mich genial. Sofort begann ich, Positionen einzubringen. Eine brachte es sogar bis zum Parteitag, weil mehr als zehn Prozent der Parteimitglieder diese für gut befanden.

Dann kam das legendäre BR-Interview, in dem der Musiker und Schriftsteller Sven Regener über die sogenannte Gratiskultur der Piraten schimpfte. Stefan Körner regte sich auf Twitter wahnsinnig über dieses Interview auf. Ich las das, hörte mir dann das Interview noch einmal an - und verstand Sven Regener! Als ich auf die Auslassungen meines Landesvorsitzenden geantwortet hatte, gab ich in diesem Zusammenhang zu, dass ich nicht nur Piraten-Mitglied, sondern auch Mitglied der Gema sei, und diskutierte leidenschaftlich mit ihm.

Die Größe der Partei

Zufällig war kurze Zeit nach meinen Twitter-Gesprächen eine Podiumsdiskussion über das Urheberrecht in Memmingen, die von der Piraten-Partei organisiert wurde. Hierbei zeigte sich die Größe dieser Partei. Obwohl ich durch meine Aussagen der Partei schaden könnte, lud Stefan Körner mich trotzdem zu diesem Gespräch ein. Ich solle, da wir eine pluralistische Partei seien, meinen persönlichen Standpunkt über das Urheberrecht und die Gema vertreten. So stand ich, ein einfaches Parteimitglied, nun zwischen Sebastian Nerz, dem nunmehr stellvertretenden Bundesvorsitzenden der PiratenPartei, Stefan Körner, dem bayrischen Landesvorsitzenden, und Stephan Thomae, einem FDP-Bundestagsabgeordneten. Diesen sollte ich argumentativ unterstützen.

Ich hatte die Position der Piraten zu diesem Thema natürlich mitbekommen und konnte damit nicht einverstanden sein. Ich war selbst Künstler, Komponist von Unterhaltungsmusik, die in der Schule eingesetzt wurde. Ich regte mich schon seit Jahren auf, dass Lehrer meine Kompositionen einfach kopierten. Ich wurde ja von der Gema nach der Anzahl der Pressungen von CDs entlohnt. Als MP3s meiner Werke in Umlauf kamen, war es mit der Pressung von neuen CDs vorbei. Es war ja nicht mehr nötig, die CD zu kaufen.

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