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„Tatort“-Regisseur Niki Stein Unter Piraten

 ·  Freies Netz für freie Bürger? Was die Piratenpartei fordert, hat mit Demokratie nichts zu tun - es geht um Bedürfnisbefriedigung und Enteignung.

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© ullstein bild - Archiv Gerstenbe Vergrößern Fremdes Wissen gibt es nicht umsonst. Und wer es stiehlt, zahlt einen hohen Preis. Das war schon so, als Äpfel noch keine Computer symbolisierten.

Killerspiele ist ein Propagandawort, das von bestimmten Politikern dazu verwendet wird, bestimmte Spiele schlechtzumachen. Die Piratenpartei fordert, solche Spiele wieder als das zu bezeichnen, was sie sind: Egoshooter.“ (Aus dem Parteiprogramm der „Piraten“.)

Im Jahr 1974 spielte ich mein erstes Computerspiel. Es hieß „Tele-Tennis“, und war, wie ich später erfuhr, noch gar kein richtiges Computerspiel. Auf jeden Fall faszinierte es mich mehr als der Automat mit der mechanischen Affenkapelle gleich daneben, der losschepperte, wenn man zehn Pfennig hineinwarf. 1978 lernte ich am Schulcomputer, einem Wang 2200, die Programmiersprache Basic. Ein Jahr später brachte uns unser Mathematiklehrer bei, wie man einen Taschenrechner der Firma Texas Instruments programmiert, um damit Wahrscheinlichkeiten beim Black-Jack-Spiel zu errechnen. Als ich drei Jahre später alt genug war, um mein Wissen anzuwenden, hatte der Staat schon reagiert und die Benutzung von Taschenrechnern in seinen Spielbanken verboten. Also wurde ich nicht Berufsspieler, sondern Urheber. Ich begann Drehbücher zu schreiben. Und da mein Problem nicht der Mangel an Ideen für Geschichten, sondern eine schlechte Handschrift und ein unterentwickelter Ordnungssinn war, schaffte ich mir ein Textverarbeitungssystem an. Es hieß Schneider Joyce, kostete 1985 zweitausend Mark und hatte keine Festplatte. Meine Drehbücher sahen plötzlich sehr professionell aus: die Schrift genadelt, das Papier an den Rändern perforiert, ein tolles Layout. Nur interessierte sich die „Content-Industrie“ damals noch nicht für den Inhalt.

Ich musste lernen, üben, viel Zeit investieren, zwei Jahre studieren. Irgendwann verkaufte ich ein Drehbuch an das „Kleine Fernsehspiel“ des ZDF. Ich bekam 15.000 Mark. Für mich damals eine ungeheure Summe. Davon kaufte ich mir ein Toshiba Notebook mit Festplatte. Vom Rest konnte ich ein Jahr gut im Mauer-Berlin leben.

Mit dem Toshiba wurde es noch besser. Ich verkaufte Inhalte an die „Content-Industrie“, wurde ein Händler meiner Ideen. Ich begann mich für das Internet zu interessieren. Irgendwann gelang es mir auch, mich mit Hilfe eines Akustikkopplers einzuwählen. Später war ich einer der Ersten, die einen Handheld-Computer besaß. Und ganz früh hatte ich ein iPhone. Aber damit endet meine digitale Erfolgsgeschichte abrupt. Ich mache kein Online-Banking, ich habe keine Homepage, ich twittere nicht, und ich bin nicht bei Face-Book. Warum? Weil ich Angst vor „Transparency“ habe.

Das ist einer Gesellschaft nicht zuzumuten

Ich habe Angst, dass ich von Hackern ausspioniert werde, die mein Konto leer räumen. Ich habe Angst, dass die großen Netzmonopolisten meine Vorlieben, Sehgewohnheiten, Meinungen, Freunde abspeichern und missbrauchen. Ich zittere jedes Mal, wenn ich meine Kreditkartennummer ins Netz schicke, um eine Fahrkarte zu kaufen. Nach jeder Amazon-Bestellung lösche ich meine Kontodaten und Prioritätenlisten, entferne „Cookies“, leere meinen „Verlauf“. Ich bin ein Internetneurotiker und Facebook-Phobiker. Lieber vereinsame ich, als mich im Netz zu exhibitionieren. Seit einiger Zeit, genauer seit der Wahl im Saarland, habe ich auch Angst vor den „Piraten“.

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