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Urheberrecht für Brettspiele Menschen, ärgert euch!

Gesellschaftsspiele sind ohne Urheberrecht. Nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Dachverband der deutschen Spieleverlage starten die Autoren nun eine Online-Petition.

© Schmidt Spiele Vergrößern Und er grämt sich doch: Der Mann von der „Mensch ärgere Dich nicht“-Verpackung ist eine Ikone

Es gibt eine Kunstform, die so pragmatisch ist, dass wir sie kaum als solche auffassen mögen, und selbst der größte Kulturbanause wird ihnen in seinem Leben schon begegnet sein: Gesellschaftsspielen. Sie dienen zu Ausflüchten aus dem Alltag, bieten Gemeinschaft, Zerstreuung und haben oft einen erzieherischen Wert.

Doch wer denkt bei „Monopoly“ oder „Die Siedler von Catan“ eigentlich an deren Erfinder? Während die Gesellschaft Buchautoren und Drehbuchschreibern einen Schutz ihres geistigen Eigentums zubilligt, ist die Situation bei Spieleautoren derzeit unklar. Die Spiele-Autoren-Zunft e. V. (SAZ) fordert in einer unlängst gestarteten Online-Petition gegenüber dem Dachverband der deutschen Spieleverlage, der Fachgruppe Spiel e.V., einen umfassenden, allgemeingültigen Urheberrechtsstatus für Autoren von Gesellschaftsspielen.

Unsichere Rechtslage

Streitpunkt ist vor allem die Frage, inwiefern die im Urheberrechtsgesetz benannten Werkarten auch für die Konzeption eines Spiels Anwendung finden können. So äußert Volker Schmid, Geschäftsführer der Fachgruppe Spiel e. V.: „Wir hätten es gern, wenn die Spielidee urheberrechtsmäßig geschützt wäre.“ Einschlägige Gerichtsurteile stützten diese Forderung nicht, eine Übertragung des Rechtstitels auf die Erfinder sei kaum gewährleistet. Dafür bedürfe es zunächst einer Präzisierung der Rechtsgrundlage, um nicht zuletzt auch Verlage gegenüber Forderungen Dritter zu bewahren.

Bereits ein erstes Verhandlungsangebot sei aufgrund einer Vorschlagsliste von Seiten der Verlagsvertreter abgelehnt worden, so Ulrich Blum, der Pressesprecher der SAZ. Vor allem die Auffassung, „Spielerfindern per se das Urheberrecht abzusprechen, können wir nicht akzeptieren“, zumal es ohnehin üblich sei, dass die meisten Verlage jetzt schon ihren Autoren in den Verträgen zusicherten, dass ein Schutz des geistigen Eigentums, konkret: der Idee eines Spiels, bei Letzteren liege.

Wann wird aus einem Einfall eine Idee?

In der Tat mag es Fragen aufwerfen, wann eine Konzeption als Kunst und damit als schützenswert einzustufen ist. Zählt schon der erste Einfall? Und wie ist die reine Konzeption vom Layout der Außenpackung oder des Spielbretts abzugrenzen? In dem Mitgliedermagazin „Zeichen Nr. 5“, das die SAZ anlässlich der aktuellen Debatte öffentlich zugänglich macht, wird eine Präzisierung formuliert: „Die erste Voraussetzung des Urheberrechtsschutzes liegt bei Autorenspielen allerdings regelmäßig vor, weil die einem Verlag präsentierten Spiele eine schriftliche Spielregel haben. Die Konkretisierung auf einen bestimmten Spielablauf ist also erfolgt; das Stadium der abstrakten Idee ist überwunden.“

Doch wo kann die Grenze gezogen werden zwischen einem Einfall und einer verwirklichungsfähigen Spielplanung? Besonders bei Spieleklassikern fällt die rechtliche Unklarheit auf, da es allein schon an genügend rechtskräftigen Urteilssprüchen mangelt. Generell trifft für das Standardtableau der häuslichen Spielesammlung zu, dass ein Urheberrecht, wie bei Büchern, noch bis zu siebzig Jahren nach dem Tod des Autors gelten kann. Die Idee als solche über diesen Zeitraum hinaus zu schützen ist schwierig.

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Eine Gewährleistung ist der mögliche Titel. Unabhängig davon, wer tatsächlich im konkreten Fall „Mensch ärgere dich nicht“, das im Übrigen auf ein indisches Vorbild zurückgehen soll, erfunden hat, ist die Marke seit der Entwicklung um 1910 vom Schmidt-Verlag (heute Blatz-Gruppe) geschützt. Dass die Konzeption im Grunde nicht frei kopiert und unter neuem Namen von anderen Firmen vertrieben werden darf, verhindert lediglich der gesetzlich verbürgte „Schutz gegen unlauteren Wettbewerb“. Eine gewisse - juristisch bislang nicht ganz klar definierte - gedankliche Eigenständigkeit muss also offenbar erkennbar sein.

Dass nicht jede Spielidee den individuellen Ansprüchen entspricht, es als geistige Schöpfung gemäß dem Urheberrecht aufzufassen, räumen die Autoren durchaus ein. Ausnahmen gebe es sicherlich, so Blum. Jenseits juristischer Fachgutachten, mit denen beide Parteien argumentieren, könnte dieses erste Zugeständnis durchaus versöhnlich stimmen und überhaupt eine erste Verhandlungsrunde denkbar machen. Bereitschaft zum Gespräch signalisieren die derzeitigen Kontrahenten durchaus.

Dass Verleger und Erfinder darüber diskutieren, überrascht nicht. Frappierend ist, dass der Gesetzgeber bisher für keine eindeutige Rechtsgrundlage gesorgt hat.

Quelle: F.A.Z.

 
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