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Arabisch als Pflichtfach : Tausend und eine Umnachtung

Wäre es sinnvoll, Arabisch bis zum Abitur verpflichtend zu unterrichten? Zwei Grundschüler üben arabische Schriftzeichen in einer Grundschule in Dresden. (2007) Bild: Picture-Alliance

Die Flüchtlingsdebatte treibt die buntesten Blüten. Aber wie kommt ein Universitätspräsident auf die Idee, alle Schüler müssten jetzt Arabisch lernen? Ganz einfach: Der Mann glaubt an Zauberei.

          Thomas Strothotte, der Präsident der „Kühne Logistics University“ in Hamburg, hat einen Vorschlag zur wechselseitigen Integration von Deutschen und Flüchtlingen gemacht: Nicht nur sollten jetzt alle Flüchtlingskinder aus dem Nahen Osten Deutsch lernen, sondern auch alle deutschsprachigen Schüler Arabisch. Bis zum Abitur solle Arabisch verpflichtend werden. Schon im Kindergarten könne „geradezu spielend“ damit begonnen werden. Später soll die Klassensprache Englisch sein, mit der Begründung, das könnten weder die Deutschen noch die Flüchtlinge, weswegen sie unter diesen Umständen „auf Augenhöhe“ begännen. In all dem liege die Anerkennung, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. Wären statt des Englischen das Deutsche und das Arabische sogar gleichberechtigte Unterrichtssprachen, würden die Kinder sich als künftige Partner der Wandlungsprozesse im Nahen Osten empfehlen.

          Man könnte diesen Vorschlag auf sich beruhen lassen. Strothotte, der von manchen Medien als Bildungsexperte bezeichnet wird, ist ein Spezialist für Computergraphik. Der Titel „Universitätspräsident“ ist für seine derzeitige Tätigkeit eine sehr großzügige Beschreibung: An der Logistikfachhochschule unterrichten vier Voll- und dreizehn außerordentliche Professoren knapp zweihundert Studenten. Was er über Schulen weiß, ist unklar. Vorstellungen wie die, wenn man zwei Gruppen nur in einer Sprache unterrichte, die beide nicht können, befänden sie sich auf Augenhöhe, sind unter Gesichtspunkten familiärer und sozioökonomischer Ungleichheit abenteuerlich. Der Mann weiß gar nicht, wovon er redet; die Redaktion der „Zeit“, die ihn gedruckt hat, müsste es besser wissen.

          Signifikante Ahnungslosigkeit

          Dennoch sind solche Texte signifikant: in ihrer Ahnungslosigkeit. Dass es eine verpflichtende Fremdsprache bis zum Abitur in Deutschland trotz der globalen Wandlungsprozesse hin zum Englischen, Chinesischen oder Spanischen bislang nicht gibt, können wir dabei beiseitelassen. Der Universitätspräsident will Arabisch ja am liebsten sogar zur Unterrichtssprache machen, es soll gar keine Fremdsprache sein.

          Darüber, dass die größte Einwanderergruppe hierzulande nach wie vor die Türken sind, sei ebenfalls hinweggegangen. Und auch die Rückfrage, inwiefern denn Arabischstunden zu Kenntnissen des Wandels im Nahen Osten führen würden, ersparen wir dem Autor. Es sei nur der Hinweis erlaubt, dass die meisten Englischsprechenden die Wandlungsprozesse in Amerika oder Großbritannien nicht verstehen und dass die meisten instruktiven Texte über den Wandel im Nahen Osten wiederum auf Englisch und Französisch verfasst sind.

          Doch das sind nur nebensächliche Einreden. Genauso nebensächlich wie die Frage, mit welchen Reaktionen der Informatiker, der den Vorschlag gemacht hat, bei den Eltern von Gymnasiasten rechnet, denen Pflichtarabisch verordnet werden soll. Oder welche Politiker mit Wiederwahlbedürfnissen er für die Durchsetzung seiner Anerkennungsphantasie vorsieht.

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