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Unesco-Wahl in Paris Deutschland will Hosni verhindern

19.09.2009 ·  Faruk Hosni vor der EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner im zweiten Wahlgang: Europa kann sich nicht - noch nicht? - auf eine Kandidatin einigen, Deutschland will den umstrittenen ägyptischen Kulturminister verhindern.

Von Jürg Altwegg, Paris
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Im ersten - für ihn enttäuschenden - Wahlgang, von dem er sich seine Krönung erhoffte, hatte Faruk Hosni genau so viele Stimmen bekommen wie die drei nächst platzierten Kandidatinnen zusammen bekommen. Die erste Dame des Trios, die Bulgarin Irina Bokova, versuchte vergeblich, die EU-Außenministerin Ferrero-Waldner zum Aufgeben zu bewegen. Das hätte den Weg zu einer schlagkräftigen Koalition gegen Hosni frei gemacht. Ihre hätte sich wohl auch Russland angeschlossen.

Doch Ferrero-Waldner trat wie alle anderen Kandidaten zum zweiten Wahlgang an. Ihre Kandidatur im Juni - in letzter Minute - war als vielversprechendes Manöver zur Verhinderung von Hosni gedeutet worden. Anfangs September hatte die Österreicherin die Verzettelung der europäischen Stimmen auf drei Kandidatinnen kritisiert.

Diplomatische Quellen unterstreichen die Rolle Deutschlands

Im zweiten Wahlgang brachte sie es am Freitagabend auf neun Stimmen. Sie liegt nun an zweiter Stelle hinter Faruk Hosni mit 23 Stimmen - er bekam eine mehr als im ersten Durchgang. Diplomatische Quellen unterstreichen die Rolle Deutschlands: Es geht darum, Faruk Hosni zu verhindern. Zweites Kriterium der deutschen Position scheint die Unterstützung von Ferrero-Waldner zu sein - aber nicht um jeden Preis.

Es stellt sich auch die Frage, ob Deutschland die französische Position beeinflussen kann. Am Freitag hat der Großrabbiner von Paris Frankreich aufgefordert, seine Haltung zu erklären: Die Aussicht, dass Hosni die Unesco leiten werde, sei beängstigend. Doch Sarkozy braucht Ägypten für seine Mittelmeer-Union. Er hat mehrfach unterstrichen, dass Ägypten eine gemäßigte Politik betreibe und für die Friedenspolitik in Nahen Osten eine positive Rolle spiele. Zudem wird in Paris Deutschland und Europa unterstellt, die Mittelmeer-Union torpedieren zu wollen.

Am Samstagabend findet der dritte Wahlgang statt

Vielleicht gelingt es gegen Frankreich, Ferrero-Waldner durchzusetzen - im Falle von Hosnis Sieg aber wäre ihre Weigerung zum Rückzug nach dem ersten Wahlgang eine Schlappe für Europa. Auch eine taktische Niederlage - mit persönlicher Verantwortung. Utopisten hätte sich in diesem realopolitischen Personenpoker wünschen mögen, dass sich Europa auf einen außereuropäischen Kandidaten einigt, um den Kulturminister einer Diktatur, in dem er die Zensur organisiert, zu verhindern. Und in der Welt ein Zeichen zu setzen.

Am Samstagabend findet der dritte Wahlgang statt. Nach Stand der Dinge treten alle Kandidaten weiter an. Erst im letzten von fünf Durchgängen bleiben nur die beiden führenden Anwärter im Rennen.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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