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Wahl des Unesco-Direktors : Antisemitismus-Vorwürfe gegen Kandidaten aus Qatar

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Hamad bin Abdulasis al-Kawari am Mittwoch in Paris Bild: Reuters

Wird der Qatari Hamad bin Abdulasis al-Kawari neuer Unesco-Generaldirektor? Vor den etscheidenden Wahlgängen stehen seine Chancen gut. Jetzt wird ihm Antisemitismus vorgeworfen.

          Bei der Wahl zur neuen Führungsspitze der Unesco droht Streit. Vor einer vierten Wahlrunde im Exekutivrat der UN-Kulturorganisation an diesem Donnerstagabend lag der Kandidat Qatars, Hamad bin Abdulasis al-Kawari, gleichauf mit der französischen Anwärterin Audrey Azoulay. Dem 69 Jahre alten al-Kawari wird aber Antisemitismus vorgeworfen. Sollte er sich durchsetzen, könnte das den Konflikt mit Israel verschärfen.

          Für die früheren Kulturminister al-Kawari und Azoulay stimmten am Mittwochabend jeweils achtzehn Mitglieder des 58-köpfigen Exekutivrats. Das jüdische Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte die Kandidatur des Qatarers in Frage gestellt und ihn aufgerufen, zu Vorwürfen des Antisemitismus Stellung zu nehmen. Unter anderem soll er in einem Buch-Vorwort geschrieben haben: „Die Juden kontrollieren die Medien, Zeitungen und Verlage in den USA.“

          Israel ist ohnehin schlecht auf die Unesco zu sprechen: Die Regierung hatte die Zusammenarbeit mit der Kultur- und Bildungsorganisation vor einem Jahr ausgesetzt. Der Grund waren mehrere israelkritische Resolutionen. Ob sich der qatarische Kandidat durchsetzt, ist ungewiss. Saudi-Arabien, Ägypten und andere arabische Länder haben ihre Beziehungen zu dem Golfemirat eingefroren. Ägypten hat eine eigene Kandidatin ins Rennen um die Nachfolge der scheidenden bulgarischen Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova geschickt. Sollte es am Donnerstagabend erneut keine absolute Mehrheit für einen Kandidaten geben, ist eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten vorgesehen.

          Unterdessen berichten israelische Medien unter Berufung auf das amerikanische Nachrichtenportal „Foreign Policy“ von diesem Donnerstag, der amerikanische Präsident Donald Trump plane offenbar einen Rückzug aus der UN-Weltkulturorganisation. Trump wirft der Unesco antiisraelische Tendenzen vor. Eine offizielle Erklärung des Austritts werde für die kommende Woche erwartet.

          Die amerikanische Regierung verweist demnach auf jüngste israelkritische Resolutionen der Unesco, darunter Entschließungen, in denen Israel für sein Verhalten in Ostjerusalem kritisiert wird. Die Entscheidung steht laut Berichten in Zusammenhang mit Versuchen der amerikanischen Regierung, die Zuschüsse zu der UN-Organisation zu kürzen.

          In den achtziger Jahren hatte sich demnach die Vereinigten Staaten unter Präsident Ronald Reagan bereits ein erstes Mal aus der Unesco zurückgezogen, war aber unter Präsident George W. Bush wieder beigetreten. Ferner wurden unter Präsident Barack Obama die Zahlungen an die Kulturorganisation 2011 als Reaktion auf die Aufnahme Palästinas als Mitgliedsstaat weitgehend eingestellt.

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