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Wohlfeile NSA-Kritik : Das Misstrauensmanagement der Internetkonzerne

Damals noch sehr freundschaftlich: Zuckerberg im Februar 2011 mit Präsident Obama. Bild: dpa

Als hätte man sie nacheinander dazu aufgerufen, äußern sich die Größen der IT-Branche, Mark Zuckerberg, Bill Gates, Eric Schmidt und Steve Wozniak, zum Vertrauensschwund des Internets. Sie haben viel zu verlieren.

          Mark Zuckerberg ist sauer. Da arbeitet man unermüdlich daran, das Internet zu einem besseren Ort zu machen, es zu stärken und zu sichern, und dann muss man schließlich feststellen, dass man das Netz nicht gegen irgendwelche Kriminellen verteidigen muss, sondern gegen den eigenen Staat. Schon im September hatte der Facebook-Chef über die amerikanische Regierung geschimpft, jetzt hat er, wie er am Donnerstag Abend in seinem Facebook-Profil schrieb, Präsident Obama angerufen um ihm mal zu sagen, wie frustriert er darüber sei, welchen Schaden die Regierung „für unser aller Zukunft“ anrichte.

          Als wären sie nacheinander aufgerufen worden, nehmen die Großen der IT-Branche dieser Tage Stellung zum Vertrauensverlust der Nutzer in das Internet – am Telefon mit dem amerikanischen Präsidenten, beim Interview im eigenen Büro oder auf den Podien in Hannover und Austin.

          Spuren hinterlassen wir schon lange

          Eric Schmidt, Verwaltungsratsvorsitzender bei Google, hatte vergangene Woche das Problem auf der Konferenz „South by Southwest“ in Austin so auf den Punkt gebracht: „2010 sind wir von den Chinesen attackiert worden, 2013 von der NSA“. Und Steve Wozniak, der 1976 mit Steve Jobs Apple gegründet hatte, nannte Edward Snowden, der die geheimen Unterlagen von NSA und GCHQ ans Licht gebracht hatte, am Donnerstag auf der Cebit in Hannover einen modernen Helden für die Freiheit des Internets.

          Der große Auftritt des Urgesteins: Steve Wozniak unterhält die Cebit
          Der große Auftritt des Urgesteins: Steve Wozniak unterhält die Cebit : Bild: dpa

          „Er hat gegen das Gesetz verstoßen, ich würde ihn also ganz bestimmt nicht als Helden bezeichnen“, widerspricht ihm Bill Gates im Interview mit dem „Rolling Stone“. Hätte Snowden von Amerika aus versucht, die staatliche Überwachung zum Thema zu machen, und hätte er sorgfältig ausgewählt, was er veröffentlicht, würde das besser zum Bild eines Menschen passen, der wirklich etwas verbessern wolle. Mit Blick auf die besorgniserregenden Geheimdienstaktivitäten sagte Gates, es würde ihn noch viel mehr beunruhigen, wenn es keinerlei staatliche Überwachung gäbe. Das Thema müsse diskutiert werden, man brauche klare Regeln. Allerdings seien die Tage, wo man keine Spuren hinterlasse, lange vorbei.

          Schuldzuweisung als Schadensbegrenzung

          Von den vier Weltkonzernen, mit denen die Namen von Zuckerberg, Schmidt, Wozniak und Gates verbunden sind, profitiert Microsoft, für das Gates künftig wieder als Berater tätig sein wird, am wenigsten von der Auswertung dieser Spuren. Der Abgrenzungsbedarf zur staatlichen Überwachung ist damit vergleichsweise gering, schließlich hat sich Microsoft nicht mit einer erfolgreichen Online-Strategie hervorgetan, war gleichwohl vor bald sieben Jahren einer der ersten großen Investoren in das aufstrebende Unternehmen Zuckerbergs.

          Sein Geschäftsmodell hat nicht gelitten: Microsoft-Gründer Bill Gates
          Sein Geschäftsmodell hat nicht gelitten: Microsoft-Gründer Bill Gates : Bild: dpa

          Der hingegen ruft nun pathetisch, es sei „an uns - an uns allen - dasjenige Internet zu bauen, das wir uns wünschen“. Facebook würde seinen Beitrag leisten. Im Übrigen würde die Kommunikation über Facebook bereits verschlüsselt. Auch Google hat gerade damit begonnen, die Suchanfragen seiner Nutzer in aller Welt zu verschlüsseln, um sie der staatlichen Überwachung zu entziehen.

          Schmidt und Zuckerberg geht es darum, die eigenen Datenanalysen, die man getrost ebenfalls als Überwachungsaktivitäten sehen kann, aus dem Blick zu nehmen, indem sie theatralisch auf die staatliche Praxis verweisen. Ihre wohlfeilen Vorwürfe sind Teil eines umfassenden Misstrauensmanagements. Wie es klingt, wenn ein Insider darüber spricht, der nicht mehr im Dienst eines solchen Unternehmens steht, zeigt Apple-Veteran Wozniak, der inzwischen als leitender Wissenschaftler bei einem vor acht Jahren gegründeten Flash-Speicher-Hersteller arbeitet. Auf die Frage, ob wir Apple vertrauen könnten, war seine Antwort vor über tausend Zuhörern in Hannover: „Keine Ahnung.“

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