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Veröffentlicht: 13.09.2013, 11:29 Uhr

„Star Trek“ und die NSA Datenmissbrauch? Nicht mit Captain Kirk!

Das „Raumschiff Enterprise“ kannte schon unsere Zukunft: Der Kampf gegen allgegenwärtige Überwachung war verloren. Aber das war nicht schlimm. Warum nur?

von Felix von Leitner
© Getty Images Jede Ähnlichkeit der Inneneinrichtungen ist absolut nicht zufällig: Die Crew von Raumschiff Enterprise arbeitet an Bord so effizient ...

Wenn man beim Supermarkt an die Glastür herantritt, geht sie auf. Niemand öffnet sie. Sie geht von alleine auf. Fast wie im Raumschiff Enterprise, es fehlt nur noch der „Wuuuusch“-Sound. Das ist kein Zufall. Unsere Mobiltelefone sahen erst wie Ziegelsteine aus, weil wir sie nicht kleiner machen konnten. Als es dann kleiner ging, sahen sie aus wie die Kommunikatoren aus dem originalen „Star Trek“ mit Captain Kirk, sogar mit Aufklappdeckel. Heute sehen sie aus wie kleine Tablets, die man in „Star Trek“ in den achtziger Jahren sehen konnte. Ja, „Star Trek“ hat Tablets erfunden. „Star Trek“ hat auch gezeigt, dass man lieber mit dem Computer sprechen, als eine Tastatur bedienen will, außer man ist Nerd oder Wissenschaftler. Die nächste Iteration geht in Richtung „Wearable Computing“, Google Glass. Man kommuniziert per Sprachsteuerung und trägt das Gerät die ganze Zeit am Körper. In „Star Trek“ trägt man es wie eine Brosche auf der Brust, bei uns wird man es wie eine Brille tragen.

 © Archiv Vergrößern ... wie die Untergebenen von NSA-Chef Keith Alexander in der futuristischen Zentrale des Geheimdienstes

Die medizinischen Geräte in „Star Trek“ haben äußerlich Computertomographen vorweggenommen. Touchscreens und, wie erwähnt, Tablets sah man zuerst in „Star Trek“. Tragbare Speicher als USB- Stick kennen wir auch davon. Beamen, Phaserkanone und Photonentorpedos haben wir noch nicht, aber „Star Trek“ beeinflusst die Realität enorm. In einer „Star Trek“-Folge gibt es ein virtuelles Pokerspiel auf dem Holodeck, einer Art interaktivem 3D-Kino. Einer der vom Computer simulierten Gäste ist der berühmte Physiker Stephen Hawking. Als man ihm nach dem Filmen die Kulissen vorführt, zeigt er mit dem Finger auf den Warpantrieb und erklärt den staunenden Fernsehmachern, daran werde gerade gearbeitet. Auch an Holodeck-Technologie wird gearbeitet, genau wie an der Tarnvorrichtung, einer anderen „Star Trek“-Technologie, um ganze Raumschiffe unsichtbar zu machen.

„Star Trek“ als vielseitiges Vorbild

Wenn man sich experimentelle Geräte aus der Hochenergiephysik anguckt, sehen die im Allgemeinen aus wie bei „Star Trek“. Selbst die Farbe Blau ist dank „Star Trek“ mit High-Tech assoziiert: Wenn Hardware besonders fortschrittlich aussehen soll, baut man blaue LEDs ein. Das alles liegt daran, dass „Star Trek“ fast zehn Jahre lang im Fernsehen lief. Diese Zeit war die Kindheit der Menschen, die heute im Silicon Valley und anderswo Dinge erfinden. Um Dinge zu erfinden, muss man sie sich vorstellen können. Daher fällt Science-Fiction in unserer Gesellschaft ein besonders hoher Stellenwert zu. Science-Fiction schafft Bilder, schafft Vorstellungen.

Die Ingenieure bauen sie dann. Als einziges Science-Fiction-Programm zeigte „Star Trek“ eine Zukunft, die zwei Bedingungen erfüllte: Sie war realistisch genug, um sich selbst in dieser Welt sehen zu können, und sie war grundsätzlich positiv. Die gezeigte Welt war erstrebenswert. Es war keine postnukleare Strahlenwüste wie in „Mad Max“, keine moralisch verkommene Zerrbildwelt wie in „Blade Runner“ oder „Alien“, aber auch kein Märchen mit Königen und Prinzessinnen wie „Star Wars“. Und so hat „Star Trek“ einer Generation von zukünftigen Ingenieuren ein Zukunftsbild gezeigt, auf das diese jetzt hinarbeiten, bewusst oder unbewusst.

Doch nicht nur technisch haben wir als Gesellschaft uns an „Star Trek“ orientiert. Dort gibt es kein Geld mehr. Es gibt keine Polizei, nur Security. Es gibt zwar noch Demokratie; aber was wir von ihr sehen, ist ineffektiv, bürokratisch, braucht für die notwendigen Entscheidungen zu lange. Die wesentlichen Dinge werden in Militärkomitees entschieden, im Wesentlichen eine Diktatur. Präsentiert wird das Ganze als Meritokratie. Die Entscheidungsträger sind alte weise Männer und Frauen, die ihr Mandat nie missbrauchen würden. Lobbyisten und Korruption gibt es nicht mehr.

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