http://www.faz.net/-gsf-7bxme
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 31.07.2013, 17:59 Uhr

Neue Enthüllungen durch Snowden Die NSA späht gezielt einzelne Internetnutzer aus

Der „Guardian“ hat neue Dokumente von Edward Snowden veröffentlicht. Sie zeigen, wie Geheimdienste auf sämtliche Aktivitäten von Internetnutzern zugreifen. Neben der Analyse von Metadaten geht es auch um die Ausspähungen Einzelner.

© Guardian Folie aus Trainingsmaterial zum NSA-Programm XKeyscore

„Von meinem Schreibtisch aus konnte ich jeden Menschen ausspionieren, Privatpersonen, ihre Buchhalter, Bundesrichter, selbst den Präsidenten“, so behauptete Edward Snowden am 10. Juli im Interview mit der englischen Zeitung „The Guardian“. Amerikanische Politiker widersprachen diesen Aussagen. Der republikanische Kongressabgeordnete Mike Rogers, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, bezichtigte Snowden der Lüge: „Es ist unmöglich zu tun, was er behauptet.“ Am Mittwoch veröffentlichte der Guardian neue von Snowden erhaltene Dokumente. Sie zeigen, dass Mike Rogers falsch lag.

Es geht um das Überwachungsprogramm XKeyscore, mit dem auch der Bundesnachrichtendienst und der deutsche Verfassungsschutz gearbeitet haben sollen. Die von Snowden weitergegebenen Dokumente enthalten Trainingspräsentationen für NSA-Mitarbeiter, um sie für den Gebrauch von XKeyscore zu schulen. In ihnen wird das Programm von der NSA als „weitreichenstes“ zur Sammlung von Internetdaten angepriesen. In der Präsentation wird behauptet, XKeyscore könne „fast alles was ein Nutzer im Internet tut“ in Echtzeit erfassen -  etwa den Inhalt von Mails, besuchte Internetseiten, Sucheingaben und Verkehrsdaten.

NSA braucht für Überwachung keine E-Mail-Adresse

Bisher war im Zusammenhang der Überwachung durch die NSA von offizieller Seite aus nur von einem Filtern der Metadaten gesprochen worden. Snowdens aktuelle Enthüllung zeigt, dass im Gegensatz dazu auch Einzelabfragen von der NSA gezielt durchgeführt werden können. Laut der Dokumente benötigen die Analytiker dafür keinerlei Autorisierung, wie etwa einen richterlichen Beschluss. Nur für Amerikaner gelten Ausnahmen. Auch dies deckt sich mit Behauptungen aus Snowdens erstem Videointerview.

Die NSA benötigt zum Ausspähen von Internetnutzern den Trainigspräsentationen zufolge keine E-Mailadresse der Zielpersonen. Analytiker könnten demnach auch per Name, Telefonnummer, IP-Adresse, bestimmten Schlüsselworten oder der verwandten Sprache nach Daten suchen. Die „starke Eingrenzung (durch Suche per E-Mailadresse) gibt uns nur eine limitierte Kapazität“, heißt es in der Präsentation. Statt nur, wie es die Enthüllung von “Prism“ nahelegt, in Internetdiensten, die eine Registrierung per Mailadresse vornehmen, suchen zu können, erlaubt XKeyscore eine weiterführende Suche.

In der Präsentation wird ebenfalls behauptet, durch diese Methoden bis 2008 die Gefangennahme von 300 Terroristen ermöglicht zu haben. Dem Guardian sagte ein Sprecher des Geheimdienstes, „XKeyscore wird von der NSA im Rahmen der Gesetze als Sammelsystem der Nachrichtendienstarbeit im Ausland genutzt.“ Programme wie XKeyscore würden es erlauben, dass die NSA „die Informationen sammelt, die es uns ermöglichen unsere Mission erfolgreich zu bestreiten - unsere Nation und Truppen der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten im Ausland zu verteidigen.“

Mehr zum Thema

Glosse

Sie wusste nicht, wie ihr geschah

Von Verena Lueken

In Bernardo Bertoluccis „Letzter Tango in Paris“ spielte Maria Schneider eine Vergewaltigungsszene herausragend wirklichkeitsgetreu. Jetzt wird klar: Sie spielte gar nicht. Bertolucci spielte mit ihr. Mehr 2 13

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“

Zur Homepage