Home
http://www.faz.net/-gsf-7bxme
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Neue Enthüllungen durch Snowden Die NSA späht gezielt einzelne Internetnutzer aus

Der „Guardian“ hat neue Dokumente von Edward Snowden veröffentlicht. Sie zeigen, wie Geheimdienste auf sämtliche Aktivitäten von Internetnutzern zugreifen. Neben der Analyse von Metadaten geht es auch um die Ausspähungen Einzelner.

© Guardian Folie aus Trainingsmaterial zum NSA-Programm XKeyscore

„Von meinem Schreibtisch aus konnte ich jeden Menschen ausspionieren, Privatpersonen, ihre Buchhalter, Bundesrichter, selbst den Präsidenten“, so behauptete Edward Snowden am 10. Juli im Interview mit der englischen Zeitung „The Guardian“. Amerikanische Politiker widersprachen diesen Aussagen. Der republikanische Kongressabgeordnete Mike Rogers, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, bezichtigte Snowden der Lüge: „Es ist unmöglich zu tun, was er behauptet.“ Am Mittwoch veröffentlichte der Guardian neue von Snowden erhaltene Dokumente. Sie zeigen, dass Mike Rogers falsch lag.

Es geht um das Überwachungsprogramm XKeyscore, mit dem auch der Bundesnachrichtendienst und der deutsche Verfassungsschutz gearbeitet haben sollen. Die von Snowden weitergegebenen Dokumente enthalten Trainingspräsentationen für NSA-Mitarbeiter, um sie für den Gebrauch von XKeyscore zu schulen. In ihnen wird das Programm von der NSA als „weitreichenstes“ zur Sammlung von Internetdaten angepriesen. In der Präsentation wird behauptet, XKeyscore könne „fast alles was ein Nutzer im Internet tut“ in Echtzeit erfassen -  etwa den Inhalt von Mails, besuchte Internetseiten, Sucheingaben und Verkehrsdaten.

NSA braucht für Überwachung keine E-Mail-Adresse

Bisher war im Zusammenhang der Überwachung durch die NSA von offizieller Seite aus nur von einem Filtern der Metadaten gesprochen worden. Snowdens aktuelle Enthüllung zeigt, dass im Gegensatz dazu auch Einzelabfragen von der NSA gezielt durchgeführt werden können. Laut der Dokumente benötigen die Analytiker dafür keinerlei Autorisierung, wie etwa einen richterlichen Beschluss. Nur für Amerikaner gelten Ausnahmen. Auch dies deckt sich mit Behauptungen aus Snowdens erstem Videointerview.

Die NSA benötigt zum Ausspähen von Internetnutzern den Trainigspräsentationen zufolge keine E-Mailadresse der Zielpersonen. Analytiker könnten demnach auch per Name, Telefonnummer, IP-Adresse, bestimmten Schlüsselworten oder der verwandten Sprache nach Daten suchen. Die „starke Eingrenzung (durch Suche per E-Mailadresse) gibt uns nur eine limitierte Kapazität“, heißt es in der Präsentation. Statt nur, wie es die Enthüllung von “Prism“ nahelegt, in Internetdiensten, die eine Registrierung per Mailadresse vornehmen, suchen zu können, erlaubt XKeyscore eine weiterführende Suche.

In der Präsentation wird ebenfalls behauptet, durch diese Methoden bis 2008 die Gefangennahme von 300 Terroristen ermöglicht zu haben. Dem Guardian sagte ein Sprecher des Geheimdienstes, „XKeyscore wird von der NSA im Rahmen der Gesetze als Sammelsystem der Nachrichtendienstarbeit im Ausland genutzt.“ Programme wie XKeyscore würden es erlauben, dass die NSA „die Informationen sammelt, die es uns ermöglichen unsere Mission erfolgreich zu bestreiten - unsere Nation und Truppen der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten im Ausland zu verteidigen.“

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Spionageabwehr Verfassungsschutzpräsident lobt Snowden

Vom Bundesamt für Verfassungsschutz erwartet man kein Lob für Edward Snowden. Deren Chef Maaßen zeigt sich jedoch dankbar. Aus einem einfachen Grund. Mehr

21.07.2015, 17:18 Uhr | Politik
Snowden-Denkmal Künstlergruppe erklärt die Entstehung

Unbekannte haben in Amerika eine Büste von Edward Snowden aufgestellt, die mittlerweile aber wieder abgebaut wurde. Jetzt hat die anonyme Künstlergruppe erklärt, wie die Büste entstanden ist. Mehr

07.04.2015, 12:37 Uhr | Gesellschaft
Verschlüsselung Abwehr neuzeitlicher Überwachungsplagen

Der Snowden-Effekt zeigt Wirkung: Es entstehen immer bessere Programme zum Datenschutz der Netznutzer. Jetzt sorgt ein neues Konzept für anonymisierte Netznutzung für Aufregung – mit Tempo. Mehr Von Constanze Kurz

29.07.2015, 06:47 Uhr | Feuilleton
Edward Snowden Regierungen haben sich verselbständigt

Per Videostream sprach der Ex-NSA-Mitarbeiter bei einer Cebit-Gesprächsrunde über seine Asylbemühungen in Deutschland. Mehr

19.03.2015, 13:38 Uhr | Politik
Netzpolitik.org Range widerspricht Maaßen

Im Streit um die Ermittlungen gegen Netzpolitik.org bestreitet Generalbundesanwalt Range die Darstellung von Verfassungsschutzpräsident Maaßen. Anders als behauptet habe dieser nicht nur Anzeige gegen unbekannt erstattet. Mehr

02.08.2015, 22:25 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 31.07.2013, 17:59 Uhr

Glosse

Kampfansage mit Kultur

Von Jürg Altwegg

Paris rüstet sich mit der Attraktivität seiner Kulturinstitutionen für den europäischen Metropolenvergleich. Wer so gute Zahlen vorlegen kann, dürfte bei der Olympia-Bewerbung kaum zu schlagen sein. Mehr 1