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Informationstechnologie : Deutschland hat angefangen

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Pionier deutscher Computertechnik: der Zuse Z 22 in einer Aufnahme von 1956 Bild: dapd

Dass es keine Privatheit mehr gibt, ist nicht allein die Schuld der amerikanischen Informationstechnologie. Es war eine deutsche Erfindung, die den Weg dafür bereitet hat.

          Udo Di Fabio brachte es vor geraumer Zeit fragend auf den Punkt: Grundrechte werden zum Ladenhüter. Die Verantwortung für die derzeitige, nach den Snowden-Enthüllungen entstandene Lage verortet er letztlich bei den Vereinigten Staaten und deren Institutionen. Das greift aus mehreren Gründen zu kurz.

          Unser Gemeinwesen selbst hat die Nutzung elektronischer Medien massiv gefördert. Dies gipfelt heute in einer Vielzahl von Projekten („E-Government“, „elektronische Gesundheitskarte“, „elektronischer Rechtsverkehr“). Die Effizienz des Staates soll gesteigert, die Kosten sollen gesenkt werden. Parallel haben wir, dem Namen nach, Regelungen zum Datenschutz eingeführt, welche tatsächlich die Entwicklungen des Data Mining beziehungsweise des Big Data vor dem Bürger schützten, aber nicht diese vor ihm. Mag das 1970 in Kraft getretene Datenschutzgesetz Hessens (wohl das erste in der Welt) von einem noch so noblen Anspruch des Schutzes vor dem Überwachungsstaat der Orwellschen Dystopie getragen gewesen sein - die Belange der Wirtschaft und des Staates blieben folgend offenbar immer so berücksichtigt, dass die Entwicklung bis heute fortschreiten konnte.

          Der Ursprung einer Idee

          Es war wohl die 1927 in Berlin gegründete Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung, welche sich als erste auf ein von der BEW (Bank elektrischer Werke) AG entwickeltes „System zur Beurteilung des Zahlungsverhaltens“ stützte. Aus ihr beziehungsweise dem Modell und den später vierzehn regionalen Schutzgemeinschaften entwickelte sich, in drei Schritten, 1952 die Bundes-Schufa e. V. und schließlich 2000 sowie 2002 die Schufa Holding AG. Bereits in den siebziger Jahren sind deren Kartei- oder Lochkartenbestände in die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) überführt worden.

          Jenes Auswertungssystem darf mit Fug und Recht als der Ursprung der Idee genannt werden, eine Vielzahl von personenbezogenen Daten zu aggregieren, um daraus Schlüsse auf ein zukünftiges Verhalten zu ziehen. Auch Wirtschaftsauskunfteien wie etwa die bereits 1879 in Mainz gegründete Creditreform verfuhren sicher ähnlich.

          Das Prinzip stammt aus Deutschland

          Angesichts der in allen Bereichen der Gesellschaft naturgemäß steigenden Kosten und des nicht erst seit dem Industriezeitalter bestehenden Drangs nach Rationalisierung soll der vermehrte Einsatz von (günstiger) Technik Kosten einsparen. Jede Einsparung führt wegen des verständlichen Bemühens des Einzelnen, seine Arbeitsstelle zu behalten, zu noch höherem Einsatz von bestehender und neuer Technik mit dem Effekt bald erkennbarer, neuer Einsparungspotentiale. Immer weniger Menschen erledigen also immer mehr Aufgaben in kürzerer Zeit zu geringeren Kosten.

          Das Prinzip des Erfassens, Speicherns und Auswertens von persönlichen Daten, um etwa Kreditwürdigkeit oder sonstige Eigenschaften zu beurteilen, stammt höchstwahrscheinlich aus Deutschland, nicht aus Amerika. Und es ist unwahrscheinlich, dass ohne die auf deutschem Boden entwickelten Ideen, Verfahren und Techniken die Entwicklung bis heute denselben Weg genommen hätte. Zwar ist es richtig, dass Herman Hollerith, auf den am Ende IBM zurückzuführen ist, das maschinelle Verfahren zur Erfassung von Daten vermittels von Lochkarten in Amerika erfand und die dazugehörige Maschinerie zuerst im amerikanischen Kriegsministerium installierte und diese seit 1890 auch bei Volkszählungen in Amerika und Russland eingesetzt wurden. Aber solche Maschinen wurden auch 1939 im Rahmen der Volkszählung für das Deutsche Reich zum Erfassen genauerer persönlicher Daten eingesetzt.

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