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Datenanalyst Markus Morgenroth im Gespräch : Wer böse ist, bestimmt der Kunde

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„Wir stecken schon zu tief drin“: Markus Morgenroth im Gespräch mit den F.A.Z.-Hospitanten Bild: Frank Röth

Überwachungstechnologie ist nicht mehr auf Geheimdienste beschränkt. Unternehmen ist es heute möglich, das Denken und Verhalten ihrer Mitarbeiter zu analysieren und vorherzusagen. Junge F.A.Z.-Mitarbeiter sprachen mit einem, der weiß, wie das geht.

          Guse: Herr Morgenroth, Cataphora, das Unternehmen, für das Sie arbeiten, verfügt über Software, mit dem Unternehmen ihre Angestellten einem Monitoring unterziehen können, um dann voraussagen zu können, wie sich der Angestellte verhalten wird. Oder um einzustufen, ob er in Zukunft eine Gefahr für das Unternehmen sein wird.

          Ja. Voraussagen über die Zukunft werden daran gemessen, wie sich ein Mitarbeiter in der Vergangenheit verhalten hat. Wir hatten beispielsweise den Auftrag, illegale Preisabsprachen zwischen zwei großen Energieunternehmen zu untersuchen, in denen es bereits mehrere Verdachtsfälle gegeben hatte. Am Ende kam heraus, dass sich bestimmte Mitarbeiter beider Firmen, die sich privat kannten, regelmäßig per E-Mail kontaktiert haben und dabei immer wieder „Call-Me“-Events auftraten.

          Das heißt, es wurden E-Mails oder SMS geschrieben, in der eine Person die andere aufgefordert hatte, die Unterhaltung am Telefon fortzusetzen. Wir kannten zwar den Inhalt dieser nachfolgenden Telefongespräche nicht, aber anschließend gab es in vielen Fällen tatsächlich Preisanpassungen. Wenn so etwas, zusammen mit anderen Indikatoren, über Jahre hinweg in einer bestimmten Sequenz immer wieder auftritt, dann ist das wahrscheinlich kein Zufall. Für einen Richter kann das durchaus ein starkes Indiz für eine Straftat sein. Man muss also noch nicht einmal die Telefonate selbst abhören, allein über die Metadaten lässt sich sehr viel herausfinden.

          Reents: Was sind eigentlich Metadaten?

          Bei einer E-Mail beispielsweise gehört der Inhalt der Nachricht nicht zu den Metadaten, sondern, wer an wen geschrieben hat, zu welcher Zeit, mit welchem E-Mail-Programm, über welches Betriebssystem - das alles sind Metadaten. Beim Mobilfunk ist das noch einfacher: Es genügt, ein Handy eingeschaltet mit sich herumzutragen, denn es bucht sich immer in einige der nächstgelegenen Mobilfunkmasten ein, und diese Daten werden teilweise über ein halbes Jahr lang von Ihrem Mobilfunkanbieter gespeichert. Damit lässt sich nicht nur herausfinden, wer sich wann wo aufhielt, sondern noch mehr - vorausgesetzt, Datensätze werden miteinander verknüpft.

          Wenn man also wüsste, dass Sie Mitglied eines bestimmten Fitnesscenters sind, dann ließe sich mit Hilfe der Bewegungs-Profile von Ihrem Handy auch sagen, wie lange Sie sich dort pro Woche aufhalten, wie lange Sie bestimmte Freunde besucht haben oder wie oft Sie im Monat den Abend in der Lieblingskneipe verbringen. Allein über die Metadaten lassen sich also eine Menge verschiedener Dinge herauslesen. Nun mag man denken, so schlimm ist das ja gar nicht, und was hat jemand davon, wenn er weiß, wo ich war? Aber die Kunst besteht darin, diese Daten so zu verknüpfen, dass man die wirklich interessanten Dinge über Menschen herausfinden kann. Und das ist natürlich auch das Gefährliche daran.

          Maurer: Wie funktioniert diese Verknüpfung?

          Jeder kennt vielleicht das Beispiel: Man lädt sich eine App herunter, meldet sich an, und das Smartphone teilt einem mit, dass die bei der Anwendung gesammelten Daten nur anonymisiert weitergegeben werden. Dann mag man vielleicht denken, das ist in Ordnung, denn ich bin ja nicht vollständig zurückzuverfolgen. Das Problem ist, dass die Daten nicht wirklich vollkommen anonymisiert sind. Die zu einem Datensatz zugehörige E-Mail-Adresse wird mit einem Krypto-Algorithmus verschlüsselt. Dabei kommt ein sogenannter Hash heraus, also eine Buchstaben-Zahlen-Kombination fester Länge.

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