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Veröffentlicht: 12.09.2013, 14:02 Uhr

Datenanalyst Markus Morgenroth im Gespräch Wer böse ist, bestimmt der Kunde


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Um solche Insider Threats aufzuspüren, gibt es eine ganze Reihe sogenannter Compliance-Systeme. Sie machen meistens viel Arbeit, denn sie schlagen häufig Alarm, oft sind es allerdings Fehlalarme. In größeren Unternehmen, vor allem in der Finanzbranche, sind ganze Abteilungen damit beschäftigt, die Ursachen der Alarme zu untersuchen. Wir sollten zeigen, dass wir mit unserer Technologie das Aufspüren von Insider Threats effizienter durchführen können.

In unserem Fall ging es um die gezielte Einordnung von sechs Personen. Mit Hilfe verschiedener Analysemethoden konnten wir herausfinden, dass ein Mitarbeiter Firmengelder im großen Stil unterschlagen hatte. Bei zwei Mitarbeitern konnte der Verdacht nicht bestätigt werden, dass auch sie dem Unternehmen in naher Zukunft Schaden zufügen könnten; schließlich konnten wirbei einem Mitarbeiter, der zuvor nur als leicht verdächtigt eingestuft war, ein hohes unmittelbar vorhandenes Risiko erkennen.

Wie sich später herausstellte, lagen wir mit unseren Analysen richtig. Die Prognosen beruhten auf einer Reihe von Analysen, beispielsweise wurde der Tonfall untersucht, in dem sich die Mitarbeiter per E-Mail unterhielten, wer sprach mit wem wie oft über welche Themen, wie veränderten sich bestimmte Kommunikationsweisen im Laufe der Zeit, und so weiter.

Reents: Geht das nicht zu weit? Bisher ließ sich eine Person als etwas definieren, das durch eine Grenze nach außen geschützt ist. Der Mensch ist kein Apparat, in dessen Zentrale man blicken kann. Gedanken lassen sich nicht lesen, und sie sind frei. Verhaltensweisen, die im Alltagsleben gelten - Rollenspiel, Verstellung -, finden sich genauso im digitalen Raum. Letztlich handelt es sich doch um schriftliche Spuren, die nicht aussagen, was jemand wirklich denkt. Schafft man mit der Auswertung solcher Daten nicht ein fehlgeleitetes Menschenbild?

Die Frage ist sehr interessant. Ich glaube, jeder fühlt sich angegriffen, wenn er weiß, der Arbeitgeber oder andere Stellen spionieren ihn aus und versuchen, ihn vollständig zu durchleuchten. Ich denke aber, dass eine begrenzte Überwachung in manchen Bereichen sinnvoll und sogar notwendig ist. Nehmen Sie Jérôme Kerviel von der Société Générale. Er hat das Regelwerk gekannt, hat es umgangen und damit einen sehr hohen finanziellen Schaden verursacht. Ich wäre als Mitarbeiter der Bank dafür, dass so etwas durch bessere Überwachung verhindert wird. Ich wäre allerdings nicht dafür, dass man mich von morgens bis abends ausspäht, um ein Diagramm zu erstellen, wie gut ich heute drauf bin. Überwachung, die zum Ziel hat, die wirklich Bösen zu fassen, würde ich sehr wohl akzeptieren.

Freidel: Aber wer ist wirklich böse, und wer definiert das? Ist der Böse am Ende der „Guardian“-Journalist Glenn Greenwald, der die Enthüllungen über Edward Snowden zu verantworten hat? Vor kurzem gelangten private Details aus unbekannter Quelle über Greenwald ans Licht, hinter denen mutmaßlich der amerikanische Geheimdienst steht.

Die Software, die Algorithmen, die Analysemethoden - all das sind nur die Werkzeuge, die sehr vielfältig eingesetzt werden können. Wonach genau gesucht wird, das ist letztlich eine Frage der Einstellungen und der Parameter. Insofern sind es die Benutzer der Software oder die Auftraggeber, die definieren, wer oder was „böse“ ist.

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