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Veröffentlicht: 12.09.2013, 14:02 Uhr

Datenanalyst Markus Morgenroth im Gespräch Wer böse ist, bestimmt der Kunde


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Ein Beispiel: Die Abteilung einer großen Technologiefirma mit mehreren Dependancen auf verschiedenen Kontinenten bekam den Auftrag, dreißig Prozent des Personals zu entlassen. Normalerweise würden die Verantwortlichen in einer solchen Situation eine Liste aufstellen mit Leuten, auf die man glaubt verzichten zu können. Dabei schwingt natürlich immer eine persönliche Komponente mit. Man kennt bestimmte Leute, manche sind einem sympathisch, andere unsympathisch, und die entlässt man natürlich am liebsten. Diesen Prozess wollte die Firma optimieren und bat uns deswegen, die verfügbaren Daten auszuwerten.

Markus Morgenroth - Der Managing Director der Firma Cataphora spricht mit Morten Feidel über die zunehmende Maschinisierung des Menschen. © Frank Röth Vergrößern „Unsere Aufträge waren bisher sehr klar, und wir können behaupten, dass unsere Arbeit nie dem normalen, nicht-bösen Mitarbeiter geschadet hat.“ (Markus Morgenroth)

Da es sich um eine Technologiefirma handelte, haben die meisten Mitarbeiter der betroffenen Abteilung Code geschrieben. Der Großteil dieses Codes wurde in einem Software-Repository, also in einem Archivsystem, gespeichert. Nach klassischen Gesichtspunkten konnte also sehr genau nachvollzogen werden, wie produktiv jemand ist. Viele haben zunächst gesagt: Jemand, der nicht viel Code schreibt, muss entlassen werden. Bei der Auswertung der Daten sind wir allerdings auf die sogenannten Kuratoren gestoßen, also Leute, die Code nehmen, ihn optimieren, weiterverbreiten und woanders einsetzen.

Das heißt, wir haben eine neue Kategorie von Mitarbeitern entdeckt: Sie haben nicht unbedingt viel Eigenes produziert, dafür Bestehendes verbessert. Das ist auch wertvoll, teilweise sogar viel wertvoller, als lediglich Code zu schreiben, der dann unter Umständen nicht einmal verwendet wurde. Wir haben also eine Liste erstellt mit Personen, die unserer Ansicht nach extrem wertvoll waren für das Unternehmen. Und wie sich später herausstellte, wurde von dieser Liste auch kein einziger Mitarbeiter entlassen, obwohl einige davon zuvor als eher unproduktiv eingestuft worden sind.

Kohlick: Aber man wird ja nie wissen, ob es die richtige Entscheidung war.

Letztlich nicht. Solche Fragestellungen sind zu komplex, als dass es die eine richtige Entscheidung geben kann. Deswegen waren unsere Ergebnisse in diesem konkreten Fall ja auch lediglich Empfehlungen, welche bei der endgültigen Entscheidung helfen sollten.

Kovce: Wie lässt sich der Wert einer Person fürs Unternehmen überhaupt bestimmen? Angenommen, jemand ist der Clown einer Gruppe, hält alle bei Laune, seinetwegen kommen alle gern zur Arbeit. Und der sitzt nun einen Monat lang herum, liest Bücher und schreibt dann den großen Essay. Für dessen Entlassung würden Sie unter Umständen verantwortlich sein. Aber Sie kennen ihn nicht und haben ihn nie getroffen.

Deswegen fällt es auch wesentlich leichter, die Mitarbeiter zu finden, die dem Unternehmen Schaden zufügen. Andersherum kann es immer nur eine Empfehlung sein.

Kovce: Genau, eine Empfehlung: Da steht der Feind, du musst nur schießen.

Es gibt immer eine klar umrissene Fragestellung. Wir hatten beispielsweise den Auftrag eines Finanzdienstleisters, sogenannte Insider Threats zu finden, also Mitarbeiter, die zum Beispiel Insiderhandel betreiben, Gelder veruntreuen oder illegale Geschäfte machen. Unternehmen haben natürlich ein starkes Interesse, solche Mitarbeiter frühzeitig zu erkennen, da andernfalls ein erheblicher finanzieller Schaden und Imageverlust entstehen kann und gegebenenfalls drastische Strafen gezahlt werden müssen.

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