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Datenanalyst Markus Morgenroth im Gespräch : Wer böse ist, bestimmt der Kunde

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Freidel: Wenn die Amerikaner allerdings längst mit solchen Daten handeln, erhöht das nicht den Druck auf Europa?

Sicher, auch in Europa nimmt der Handel mit privaten Daten zu. Eine amerikanische Firma, die mittlerweile auch eine deutsche Niederlassung hat, bietet zum Beispiel eine Überwachungs-App für Smartphones an. Man muss sie nur auf einem Smartphone einer Person installieren, die man bespitzeln möchte. Sie kann nicht entdeckt werden, aber alles mitschneiden: Telefonate, den Inhalt des Displays, alle gespeicherten Daten. Die Firma schützt sich natürlich, indem sie dem Nutzer sagt, wir verkaufen dir diese App zwar, aber vor dem Einsatz musst du dem Inhaber des Smartphones Bescheid geben und natürlich alle geltenden Gesetze beachten - was in Deutschland hieße, sie ließe sich gar nicht erst einsetzen.

Trotzdem ist die Internetseite ins Deutsche übersetzt, die Firma scheint also auch in Deutschland Kunden zu haben. Die Vereinigten Staaten sind oft wie eine Art Kristallkugel für Europa: Dort sehen wir unsere Zukunft, denn vieles kommt früher oder später auch zu uns herüber.

Kohlick: Die Wirtschaft interessiert sich bisher vorrangig für Werbung, sagen Sie. Aber was ist mit den Bereichen Recruiting, der Überprüfung von Kunden hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit, der Überwachung von Mitarbeitern? Wird die Wirtschaft Big Data auch in diesen Bereichen verstärkt für sich nutzen?

Big Data ist bereits in vielen Bereichen ein großes Thema, und ich glaube, die Bedeutung wird noch weiter wachsen. Vor einiger Zeit wurde beispielsweise bekannt, dass die Stadt Houston im Rahmen eines Programms zur Diabetesvorsorge Hunderten von Mitarbeitern ein sogenanntes Life-Tracking-Armband gegeben hat. Dieses Armband misst, wie lange man schläft, wie viel man sich bewegt, über eine App lassen sich das Ess- und das Trinkverhalten eingeben. Das Armband soll die Nutzer zu einem besseren Lebensstil motivieren - so lautet die Werbebotschaft. Die Stadt Houston erhofft sich von der Aktion, dass ihre Mitarbeiter durch die Kontrollinstanz des Armbands gesünder leben. Andernfalls könnte sie ihnen sagen: Du bist mir zu krank, wir entlassen dich. Es entsteht ein Zwang, der Nutzer beginnt, sich selbst zu überwachen.

Kohlick: An dieser Stelle ist der Punkt gekommen, an dem wirtschaftliche Interessen und Überwachungsfragen verschmelzen. Man kann nicht mehr trennen: Hier will ein Unternehmen besser seine Produkte absetzen, und dort überwacht jemand mein gesamtes Leben.

Guse: Und dieses Leben wird damit gleich neu strukturiert!

Kohlick: Bereitet Ihnen Ihre eigene Arbeit also keine Gewissensbisse, wenn Sie ja auch dazu beitragen, Daten zu sammeln?

Einerseits schon; denn ohne dass es große Datenmengen gäbe, die wir analysieren können, hätten wir bei Cataphora keine Arbeit. Andererseits kommt es auch immer darauf an, was man mit den Daten macht. Wir halten uns an einen internen Ethik-Code. Die Aufträge waren bisher sehr klar, und wir konnten von uns immer behaupten, dass unsere Arbeit nie dem normalen, „nicht-bösen“ Mitarbeiter geschadet hat.

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