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Veröffentlicht: 12.09.2013, 14:02 Uhr

Datenanalyst Markus Morgenroth im Gespräch Wer böse ist, bestimmt der Kunde


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Damit ist der Datensatz erst einmal anonymisiert worden, denn man kann vom generierten Hash nicht mehr auf die ursprüngliche E-Mail-Adresse zurückschließen. Solche Datensätze dürfen dann auch ganz legal verkauft werden. Andere Firmen sammeln ebenfalls eine Menge Daten, fast jedes Mal ist auch eine E-Mail-Adresse dabei. Interessanterweise wird beim Anonymisierungsprozess der gleiche Krypto-Algorithmus verwendet, es kommt also bei gleicher E-Mail-Adresse der exakt gleiche Hash heraus. Somit ist es ein Leichtes, die verschiedenen Datensätze von ein- und derselben Person zusammenführen.

Markus Morgenroth - Der Managing Director der Firma Cataphora spricht mit Morten Feidel über die zunehmende Maschinisierung des Menschen. © Frank Röth Vergrößern „Der Marktführer im Data-Dealer-Geschäft Acxiom hat 500 Millionen Profile erstellt und damit fast die gesamte Bevölkerung Amerikas sowie einen Großteil Europas erfasst.“ (Markus Morgenroth)

Kohlick: ...wenn derjenige die gleiche E-Mail-Adresse angegeben hat.

Korrekt. Es gibt allerdings Studien, die besagen, dass die meisten Leute maximal zwei bis drei verschiedene E-Mail-Adressen verwenden, oft auch nur eine einzige. Und so kann man dann viele Datenquellen miteinander verbinden. Der Handel mit privaten Daten ist ein milliardenschweres Geschäft. Der Marktführer Acxiom hat laut eigener Aussage bereits 500 Millionen Profile erstellt und damit fast die gesamte Bevölkerung Amerikas und einen Großteil Europas erfasst. Im Durchschnitt besitzt Acxiom über jede Person etwa 1500 Datensätze. Solche Unternehmen beschäftigen Soziologen und Psychologen, mit deren Hilfe Methoden entwickelt werden, um aus den vorhandenen Daten weitere Attribute für die Persönlichkeitsprofile ableiten zu können.

Reents: Das heißt aber, dass Teilbereiche des Menschlichen immer stärker kommerzialisiert werden.

Das ist absolut richtig. Sogenannte Data-Dealer machen nichts anderes, als mit privaten Daten zu handeln. Ein einzelner Datensatz kostet oft nur den Bruchteil eines Cents. Es kommt also auf die Menge an. Wenn etwa ein Unternehmen auf Facebook Werbung für sein Produkt schalten will, kann es die Zielgruppe genau auswählen. Das Unternehmen kann also sagen, ich möchte nicht nur alle Deutschen erreichen, sondern alle weiblichen Deutschen im Alter von 18 bis 22, die in einem bestimmten Postleitzahlengebiet wohnen, die diese oder jene Ausbildung haben, die in den nächsten 180 Tagen ein Auto der Kompaktklasse kaufen möchten und vielleicht noch die Farbe Pink mögen.

Guse: Ähnliches hat es aber auch schon analog gegeben. Schober bietet so etwas an; die Deutsche Post verkauft auch ihre Daten, die Deutsche Bahn ebenso. Was ist der Unterschied zu den neuen Data-Dealern? Ist es die schiere Menge?

Einerseits ist es die Menge; vor allem aber ist es die Tatsache, dass die Daten aus verschiedensten Quellen auf intelligente Art und Weise miteinander verknüpft werden und somit teilweise sehr umfangreiche Profile entstehen. Die akkumulierten Daten werden zum größten Teil von der Werbewirtschaft genutzt. Da geht es nicht um das Ausspähen von einzelnen Personen, sondern um Marktforschung, die Steigerung des Absatzes und die Maximierung von Gewinnen.

Maurer: Wie ist eigentlich die Gesetzeslage beim Verkauf von Daten?

In den Vereinigten Staaten hat Datenschutz bekanntermaßen einen geringeren Stellenwert als in Deutschland und generell in Europa. Hierzulande sind die Gesetze kundenfreundlicher, das heißt, es ist nicht ganz so einfach, private Daten weiterzugeben. In Amerika kann es beispielsweise passieren, dass ein Arbeitgeber alle Daten, die ein Mitarbeiter am Firmencomputer eingibt, also auch private Nachrichten auf Facebook, filtern und analysieren lässt. Die Amerikaner sind sicherlich führend.

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