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Veröffentlicht: 17.03.2014, 12:17 Uhr

Cyberwar Traue keinem Chatbot

Neue Enthüllung über britische Ausspähtechniken: Laut dem „Guardian“ hat das Verteidigungsministerium Forschungsprogramme in Auftrag gegeben, die gezielt auf die Beeinflussung von Nutzern in sozialen Medien gerichtet sind.

© dapd Wie sich Twitter und Facebook wohl für den militärischen Zweck nutzen lassen: Das britische Verteidigungsministerium lässt über die Nutzer forschen.

Das Militär als Auftraggeber von Grundlagenforschung ist seit dem Kalten Krieg eine feste Größe. Dass es sich für Cyberspace-Technologien und mit ihnen assoziierte Kommunikationsformen interessiert, war auch bekannt. Hatte man dabei meist die realen oder auch utopisch anmutenden Mensch-Maschine-Kopplungen für das unmittelbare Kampfgeschehen vor Augen, so verweist ein eben im „Guardian“ erschienener Bericht auf ein anderes Forschungssegment: die sozialen Medien.

Umrissen werden Forschungsprogramme des britischen Verteidigungsministeriums, in denen es nicht zuletzt um ein besseres Verständnis von sozialen Netzwerken, Online-Avataren und der mit ihnen verknüpften Gewohnheiten und Erwartungen der Nutzer geht. Die Psychologie dieser Nutzer soll erschlossen, mögliche kulturelle Unterschiede von einzelnen Gruppen sollen dingfest gemacht werden. Dazu zählt auch das Studium der Verhaltensformen in Diensten wie Twitter, Facebook und Youtube. 

Hacken ist nicht alles

Die Projekte zeigen, dass massive Cyberwar-Attacken nicht unbedingt im Vordergrund von militärisch hoch subventionierten Forschungsprogrammen stehen müssen. Absehbar wird vielmehr, so ein zitierter Experte, dass die Entwicklung von Cyber-Technologien an Einfluss gewinnt, die auf die Nutzer von Netzdiensten einwirken sollen. Big-Data-Techniken liefern dabei die Grundlage, um Handlungs- und Identitätsprofile zu gewinnen, die dann etwa in die Entwicklung von Avataren oder Chatbots einfließen – welche auch für Zugriffe auf die Meinungsbildung in sozialen Netzwerken verwendet werden können. 

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Cyberwar-Entwicklungen werden in Zukunft also nicht nur mit aufwendigen Hacker-Technologien für den Einsatz gegen staatliche und wirtschaftliche Institutionen zu tun haben. Offenbar zielen sie vermehrt auch auf die Modellierung von Nutzerprofilen in den sozialen Netzwerken und daran anknüpfende Software-Instrumente.

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