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Veröffentlicht: 17.08.2016, 17:49 Uhr

Türkische Justiz Schriftstellerin Asli Erdogan festgenommen

Die „Säuberungen“ des türkischen Präsidenten gehen weiter. Nun wurde Asli Erdogan, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Türkei, verhaftet. Nach einer früheren Festnahme hatte sie über Polizei-Folter berichtet.

von
© Frank Röth Sie wurde von der Polizei in ihrer Wohnung verhaftet: Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan.

Asli Erdogan, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Türkei, ist am Mittwoch in ihrer Istanbuler Wohnung festgenommen worden. Mit der Festnahme Erdogans, deren Werke auch auf Deutsch vorliegen, weitet die türkische Regierung ihre Aktionen offenbar auf kritische Stimmen aus dem Literaturbetrieb aus: Die Einundfünfzigjährige warnte schon früh vor Erdogans wachsendem Autokratismus und prangerte die staatlichen Repressionen gegen Kurden an. 2008 gehörte sie zu den ersten Intellektuellen, die sich öffentlich bei den Armeniern für das erlittene Unrecht entschuldigten.

Karen Krüger Folgen:

In ihren Kolumnen für die Zeitung „Radikal“ schrieb sie, die selbst bei einer früheren Verhaftung dauerhafte physische Schäden erlitten hatte, über Polizei-Folter und die Bedingungen in türkischen Gefängnissen. Seit 2011 war sie als Kolumnistin der pro-kurdischen Zeitung „Özgür Gündem“ tätig und gehörte zuletzt auch deren Beirat an.

Kurdische Zeitung verboten

Wenige Stunden bevor Asli Erdogan festgenommen wurde, hatte ein türkische Gericht die Schließung der Zeitung angeordnet: 23 Journalisten wurden in Polizeigewahrsam genommen. „Özgür Gündem“ wird vorgeworfen, Propaganda für die PKK betrieben zu haben. Tatsächlich aber war die Zeitung noch die einzige, die über den Konflikt in den Kurdengebieten berichtet hat. Sie gilt als Symbol für das Ringen der Kurden darum, angemessen in den Medien dargestellt zu werden. Immer wieder wurden Ausgaben beschlagnahmt, oder die Zeitung war verboten. Nach dem Putschversuch waren die Reisepässe von zwei Reportern der Zeitung für ungültig erklärt worden.

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Asli Erdogan studierte Informatik und Physik und arbeitete Anfang der neunziger Jahre am Kernforschungszentrum Cern in Genf, danach an der Katholischen Universität in Rio de Janeiro. Parallel dazu begann sie ihre Laufbahn als Schriftstellerin. Über viele Jahre kehrte sie ihrer Heimat den Rücken, da sie von türkischen Nationalisten bedroht wurde und nicht daran glaubte, dass man sie beschützen würde: Nachdem Asli Erdogan die Vergewaltigung kurdischer Mädchen durch Mitglieder des Sicherheitsapparates publik gemacht hatte, war sie von der Polizei schikaniert worden. Wohin die Polizei Asli Erdogan nun gebracht hat, war zunächst nicht bekannt.

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