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Trump und Schweden : Und dann passiert doch etwas

Krawall: Feuerwehrmänner beobachten am Montagabend die Lage in Rinkeby. Bild: AP

Ami Horowitz hat die Schweden-Doku gedreht, auf die sich Donald Trump berief. Der Filmemacher ist keine seriöse Quelle. Komplett aus der Luft gegriffen sind seine Thesen aber auch nicht.

          Wen schätzt der amerikanische Präsident als Informationsquelle? Nicht die „Mainstream-Medien“, aber offenbar die Beiträge des Filmemachers Ami Horowitz. In dessen jüngstem Werk, einer Zehn-Minuten-Dokumentation mit dem Titel „Stockholm Syndrome“, macht er die Aufnahme muslimischer Migranten für einen drastischen Anstieg von Kriminalität und sexueller Gewalt in Schweden verantwortlich. Horowitz’ Film und seine Thesen über das skandinavische Land sind nun in den Mittelpunkt des Streits um Trumps Pläne für Einreiseverbote („Muslim Ban“) gerückt.

          Es begann damit, dass der Präsident am vergangenen Samstag auf einer Kundgebung in Florida vor Einwanderung warnte und in seiner Rede auf das verwies, „was gestern Nacht in Schweden geschehen ist“. Es wirkte, als meine er ein Ereignis von der Tragweite eines Terroranschlags. Tatsächlich aber war in Schweden nichts Gravierendes passiert. Die Trump-kritische Internetgemeinde persiflierte die Bemerkung. Twitter-Nutzer veröffentlichten unter dem Motto „Gestern-Nacht-in-Schweden“ Bilder von zerbrochenem Ikea-Geschirr oder Szenen aus Astrid-Lindgren-Verfilmungen.

          Aus Liebe zur Provokation

          Trump war bloßgestellt. Er twitterte, dass er sich mit seiner Aussage auf einen Beitrag mit Ami Horowitz bei Fox News bezogen habe. Horowitz war von dem Moderator Tucker Carlson in dessen Talkshow wie ein Experte zur Situation in Schweden befragt worden. Dabei sieht sich Horowitz selbst als „politischer Satiriker“.

          Zuletzt war er mit kurzen Videos in Erscheinung getreten, die auf spielerische Art die Anhänger der Demokraten provozieren, die Freunde Trumps dagegen in ihrer Sicht bestätigen sollen. Horowitz fuhr etwa in mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Gegenden oder in die Hipsterviertel der Küstenstädte und sprach Passanten an. Meist stellte er ihnen politische Fragen, nach den Motiven von Terroristen oder ihrer Meinung zu Gewalt gegen Polizisten. Sein Ziel: Antworten, die kurz eingespielt werden und entlarvend wirken sollen. Auf einer „Dokumentations“-Reise in die Palästinenser-Gebiete warf er sogar mit Steinen.

          Der Wind dreht sich

          In vergleichbarem Stil hat Horowitz in Schweden seine Doku gedreht. Er spricht darin von einer „revolutionären demographischen Veränderung“, die Schweden durch Einwanderung erlebe und in deren Folge das Verbrechen floriere: „Schweden ist nun der stolze Träger des Titels: ,Vergewaltigungshauptstadt Europas‘.“ Dies werde vertuscht. Außerdem behauptete Horowitz, von Migranten angegriffen worden zu sein, und gab später zu verstehen, dass Schweden „vor nicht allzu langer Zeit“ Schauplatz eines islamistischen Anschlags gewesen sei. Ein solches Attentat liegt aber schon sechs Jahre zurück. Nachdem Trump Horowitz’ Ausführungen globale Geltung verschafft hatte, rief das die Schweden auf den Plan. Aktuelle und ehemalige Mitglieder der Regierung kritisierten Trump, die Zeitung „Aftonbladet“ veröffentliche einen englischsprachigen Artikel, um „viele Fehler und Übertreibungen“ in Horowitz’ Film zu berichtigen. Zwei Polizisten, die Horowitz sprach, klagten, ihre Aussagen seien entstellt worden.

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