06.06.2008 · Wenn man Fernsehen aufblasen könnte, dann wäre Pro Sieben gestern geplatzt. Das Finale von „Germany's Next Topmodel“ war ein perfekt durchgeplantes Spektakel, aber auch vollgestopft mit alten Zusammenschnitten, um die Zeit zu überbrücken. Zum Schluss gewann die Jüngste.
Von Peer SchaderKussmünder, Winkewinke und „Guckt euch der Jenny ihre Augen an! Die Augen, die reden doch!“ Was war das für ein freundlicher Abend gestern bei Pro Sieben. Die Gemeinheiten waren längst ausgeteilt, alle Zickenkriege überstanden, die meisten Konkurrentinnen rausgeworfen - es hat nur noch zu Ende gebracht werden müssen. Da konnte die sonst immer so kritisch urteilende Jury zur Abwechslung auch mal lieb sein. Bis die Augen, die reden können (wie Heidi Klum es vorher formuliert hatte), um viertel vor elf dann sagten: Huch, echt wahr - ich bin‘s? Für Worte blieb jedenfalls keine Zeit mehr.
Die 17-jährige Jennifer Hof aus dem hessischen Rodgau hat die dritte Staffel der Pro-Sieben-Castingshow „Germany's Next Topmodel“ gewonnen. Eine freundliche, etwas zurückhaltende junge Frau mit gaaanz langen Beinen, die Pro Sieben extra nachmessen ließ (1,13 Meter), und einem angenehm zurückhaltenden Auftreten. Sie ist keine gute Rednerin, sie ist keine gute Schauspielerin, aber - hey! - dann muss sie wenigstens nicht so werden wie ihre Entdeckerin.
„Die Mädels werden noch ein bisschen fertiggemacht“
Und Qualitäten als Moderatorin sind ja nun wirklich keine Voraussetzung in diesem Beruf, wie die Vorjahressiegerinnen Lena Gercke und Barbara Meier bewiesen, die als Reporterinnen hinter den Kulissen zugeschaltet wurden und sagten: „Die Mädels werden hier jetzt noch ein bisschen fertiggemacht.“ Oder: „Bevor wir hier gleich alle zu weinen anfangen, sollten wir besser zur Entscheidung kommen.“
Fünfzehn Wochen nach dem Start feierte Pro Sieben gestern das Finale seiner derzeit erfolgreichsten Show. Und mit feiern ist gemeint: auswalzen. Schon am Mittag hatte sich das Allzweckmagazin „taff“ mit einem „Countdown“ gemeldet, der ab 20 Uhr aufgeregt fortgesetzt wurde, als stünde gleich das Millenniumsfeuerwerk an, bevor die eigentliche Show in zeitversetzter Ausstrahlung folgte, damit die Models nachher noch zu „TV total“ geschickt werden konnten und dann zurück auf die Aftershow-Party, wo die „taff“-Reporter die wichtigsten Fragen stellten: Wie fühlst du dich? Wie fandest du die Show? Was hat dir am meisten Spaß gemacht? - Unbeschreiblich. Spitze. Alles.
Wenn man Fernsehen aufblasen könnte, dann wäre Pro Sieben gestern geplatzt. Es war natürlich ein perfekt vorbereitetes Spektakel, zumal der Sender in den vergangenen beiden Jahren fleißig üben konnte. Diesmal sollte alles noch eine Nummer größer und wichtiger sein: die riesige Leinwand, die bewegliche Bühne, die pompösen Kostüme, der penibel durchgeplante Spannungsaufbau. So macht man heute Fernsehen.
Möglichst lange die Entscheidung hinauszögern
Andererseits aber war diese Finalshow zugleich ein einziges Repetitorium, bloß dazu da, die ersehnte Entscheidung möglichst lange hinauszuzögern, mit Zusammenfassungen der schönsten Momente, den immerselben Lobeshymnen, Bewertungen, so vielen Rückblenden und Einspielfilmen, dass alle, die vorher schon regelmäßig zugeschaut haben, zwischendurch kurz einnicken konnten, ohne was zu verpassen. So macht man heute eben auch Fernsehen. Möglichst großer Aufwand für möglichst wenig Inhalt. Trotz Teleprompter stolperte Heidi Klum etwas verwirrt durch die Sendung, sagte: „Wir ham so ‘ne Augen gehabt, wo sie vor der Kamera stand.“ Und: „Du läufst mit Abstand so viel besser als wie die anderen.“ Aber, was soll's, besser als bei ihrem Ehemann Seal lief es allemal. Der Klum-„Schatz“ hat sich mit seinem Live-Auftritt, bei dem ein paar schiefe Töne zuviel zu hören waren, nämlich eher keinen Gefallen getan - „Amazing“ war das nicht.
Wenigstens die Pro-Sieben-Castingband Monrose durfte vom Band singen. Traditionell stellt sie zum „Topmodel“-Finale ihren neuen „Sommerhit“ vor, der in der Regel aus einem sehr oft wiederholten Refrain besteht, zu dem die drei jungen Frauen diesmal schwarz gekleidete Herren an der Leine über die Bühne führen durften. Jury-Mitglied Peyman Amin freute sich nachher ganz spontan: „Schon wieder ein Ohrwurm von Monrose!“ Wie gesagt: Es war ein sehr freundlicher Abend. Und alles wie immer bei „Germany's Next Topmodel“.
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Jetzt haben wieder alle ihre Ruhe
Eigentlich war ja Kandidatin Christina in Internetforen bereits als Siegerin gehandelt worden, weil vorab eine Liste bekannt wurde, die die exakte Reihenfolge des Ausscheidens der Kandidatinnen dokumentierte. Dann musste Christina jedoch nach anderthalb Stunden als erstes Abschied nehmen. Gründe nannte Klum freilich keine. Nach einem sehr bemühten Fotoshooting mit Vogelspinne und Boa und dem gemeinsamen letzten Auftritt der Top-19-Kandidatinnen setzte sich Jennifer schließlich gegen die sechs Jahre ältere Janina durch. Nun darf spekuliert werden: Hat Pro Sieben sich nach Bekanntwerden der ominösen Liste noch einmal kurzfristig umentschieden, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, dass alles schon seit Wochen feststand? Auf einer zweiten Internet-Liste war danach immerhin die jetzige Siegerin Jenny auf dem Spitzenplatz geführt worden. Aber selbst wenn sich Klum & Co. schon längst festgelegt hatten: Es ist doch egal. Der Sender hat ein neues Mädchen, das er durch seine Shows schicken kann, die Zuschauer hatten offensichtlich ihren Spaß, und jetzt haben bitteschön alle wieder ihre Ruhe.
Selbst Stefan Raab konnte alldem bei „TV total“ nachher nichts mehr hinzuzufügen. Wenigstens seine Band hatte sich noch einen kleinen Gag ausgedacht: Als die Zweit- und Drittplatzierte die Studiotreppe hinunter zu Raab kamen, spielte sie den Daniel-Powter-Song „Had a bad day“.
Es hat bei Pro Sieben aber auch schon schlechtere Tage gegeben.
Lebensziel: Looking good on photos
arthur hund (arturhund)
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Jugendgefährdent
Ralf Schneider (ralf61)
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