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Theken-Container Was steht auf der Cocktailkarte?

 ·  Die Grünen haben in der Berliner Oranienburger Straße für die Dauer des Wahlkampfes einen Theken-Container aufgebaut. Den wollen wir nicht an seinem schlimmen Namen messen, sondern am Ausschank. Ob es dort auch Bloody Merkel gibt?

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Die Wende ist da! Und natürlich ist es der Regierungskoalition zu verdanken, daß sie kommt. Schauen wir drei Jahre zurück: Wer düste da im originell betitelten Wahlkampfmobil quer durch die Republik, tummelte sich in Containern, rief die eigene Partei zum Spaßartikel aus und sicherte ihr damit Stimmen über Stimmen? Es war der Vorsitzende der FDP, der dieses Konzept jedoch diesmal nicht weiterverfolgen möchte. Erstaunlich.

Doch schon setzt sich ein renversement des âneries in Gang, an dessen Ende als großer Gewinner - Tusch! - die andere der beiden kleinen Bundestagsparteien dastehen wird. Sie hat gestern in der Berliner Oranienburger Straße für die Dauer des Wahlkampfes eine grünlackierte "Modulbox" (fremddeutsch für Container) aufgestellt, die man bei schönem Wetter aufklappen kann, auf daß rund um eine darin enthaltene Theke eine "grüne Oase" entstehe.

Schließlich reformerfahren

Dieses Kulturschutzgebiet besteht aus Kunstrasen und Topfpflanzen - aus dem eben, was man sich bei zur Spaßpartei gewendeten Grünen als ökologisch vorstellt. Aber es ist keine Info-, sondern eine Introbox: Wahlkampf für Schluckspechte. Deshalb trägt das Ganze auch den Namen "Wählbar". Über das unselige, witzfreie und vor allem abgedroschene Wortspiel, dessen sich - mit jeweils wechselndem Präfix - jede zweite bessere deutsche Spelunke für ihren Namen bedient, wollen wir hier kein Wort verlieren. Uns abgekürzte Alkoholiker interessiert allein, ob wir die Wählbar wählen sollen. Denn anders als in der Politik ist das Hochprozentige hierbei Voraussetzung und nicht Ergebnis unserer Entscheidung.

Doch ausgerechnet das, was uns die Wählbar bietet, bleibt verborgen. Da hat jede Partei in wenigen Tagen ein Wahlprogramm aus dem Boden gestampft, und hier soll es nicht zu einer Getränkekarte gereicht haben? Für Cuba Libre könnten wir uns einen grünen Listenplatz jedenfalls besser vorstellen als für Sex on the Beach. Whiskey Sour paßt nicht zum Erscheinungsbild der neuen Grinsegrünen, der Side Car dürfte im Gegensatz zum Planter's Punch sofort auf dem Altar des Ökofundamentalismus geopfert werden, Manhattan ist sexistisch, denkbar wäre allenfalls MaInhattan.

Und warum auch nicht? Eine Regierungspartei ist schließlich reformerfahren. Warum sollte sich dieses Talent nicht auf der Cocktailkarte niederschlagen? Neue Longdrinks braucht der kurze Wahlkampf. Joschkapirinha erwarten wir in der Wählbar, während Caipiroskar für die armen Schlucker reserviert sein mag. Bloody Merkel dürfte viel verlangt werden. Gute Chancen auch für Guido Soda, Gerhard Colada, Daigysi oder Münterita. Und wenn wir am Ende aus der Wählbar wanken und alles doppelt sehen, mag es für die absolute Mehrheit der bisherigen Regierung auch wieder reichen. Wer nicht mehr gerade gehen kann, ist für die Wende wie geschaffen.

Quelle: apl, F.A.Z., 02.08.2005, Nr. 177 / Seite 31
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