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Tariq Ramadan bezieht Stellung : Hass auf „Charlie“

Ihm werden Vergewaltigungen vorgeworfen: Tariq Ramadan. Bild: AP

Lange war der französische Intellektuelle Tariq Ramadan schwer einzuschätzen: Ist er dem Dialog zwischen Westen und Islam offen oder schürt er Vorurteile? Nun offenbart er sein wahres Gesicht.

          Kritische Beobachter misstrauten ihm schon lange. Doch in weiten Kreisen wurde Tariq Ramadan auch als Hoffnungsträger gesehen, als Vertreter eines gemäßigten, aufgeklärten Islam und Vermittler zu den jungen Muslimen in den Vorstädten, die ihm Vertrauen schenkten. Und die er vor der Radikalisierung bewahre. Tariq Ramadan ist ein gewandter Intellektueller, der regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist. Auch mit Charb, dem ermordeten Chefredakteur von „Charlie Hebdo“, hat er diskutiert.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Ramadan rief bei jedem Zwischenfall - auch noch nach dem Brandanschlag gegen „Charlie“ 2011 - zur Mäßigung auf. Er verbreitete eine humanistische Botschaft und appellierte an die Muslime, sich nicht provozieren zu lassen. Doch in Genf hatte er lange zuvor die Aufführung von Voltaires „Mohamed“ verhindert - zusammen mit seinem Bruder Hani, der die Moschee leitet und wegen seiner Verherrlichung der Steinigung von Ehebrecherinnen aus dem Schuldienst entlassen wurde.

          Tariq Ramadan wurde noch bekannter, als die Vereinigten Staaten ein Einreiseverbot gegen ihn verhängten. Gegenwärtig ist der in Genf geborene Nachfahre des Begründers der „Muslimischen Brüder“ Professor in Oxford. Das Attentat auf „Charlie Hebdo“ machte ihn nun abermals zum gefragten Gesprächspartner der Medien in aller Welt. Die Westschweizer Tageszeitung „Le Temps“ hat seine vielen Auftritte unter die Lupe genommen.

          Vorschnelle Antworten und Zweifel

          Auf Facebook verurteilte er die Attentate: „Nichts kann diesen Horror rechtfertigen.“ Das erste Interview gewährte er dem Westschweizer Fernsehen, live aus Doha. Nein, er sei nicht Charlie, der Zeitschrift bescheinigte er einen „Humor von Feiglingen“, den er nicht billigen könne: „Er ist unter allem und manchmal ziemlich vulgär.“ In dem international verbreiteten amerikanischen Politikmagazin „Democracy Now“ debattierte er mit dem legendären jüdischen Zeichner Art Spiegelman („Maus“). Gegen ihn führte er die Entlassung von Siné bei „Charlie Hebdo“ ins Feld, die damals mit einer als antisemitisch empfundenen Karikatur begründet wurde. Worum es Ramadan geht: Die Muslime dürfe man verhöhnen, die Juden würden geschützt. Abermals bezichtigte er „Charlie Hebdo“ der Feigheit. Die Zeitschrift sei seit zwei Jahren bankrott gewesen: „Mit diesen Kontroversen, diesen ewigen Kontroversen machten sie ihr Geld.“ Die Karikaturen seien eine „Geldmacherei“ auf Kosten von „aus der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen“.

          Im gleichen Sinne äußerte er sich bei Al Dschazira und ging sogar noch weiter: Die Tatsache, dass im Fluchtauto der Terroristen ein Ausweis gefunden wurde, gebe Anlass zu Zweifeln. Er stützt die These eines Komplotts der Geheimdienste, ohne sie sich zu eigen zu machen. Solche Verschwörungstheorien hatte er schon nach dem 11. September vor Jugendlichen in der Vorstadt Vénissieux (bei Lyon) geschürt: „Das Einzige, was ich weiß, ist: Es gibt Zweifel. Und wo Zweifel stehen, muss man vorschnellen Antworten misstrauen.“ Als ob es Zweifel an der Identität der Täter gäbe. Mit seinen derartigen Reaktionen auf die Attentate zeigt Tariq Ramadan wohl endlich sein wahres Gesicht.

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