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Streit um Völkerkundemuseum : Erhobenen Hauptes

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„Fast peinlich wirkende Zuschusspolitik“

Im Oktober dieses Jahres dann der zweite Schlag: Die Stiftungsaufsicht beruft Koepff als Vorsitzenden ab. Oberbürgermeister Würzner wird Interimschef. Nun ist Koepff wirklich entmachtet. „Wir haben alle Mittel geprüft, die uns zur Verfügung stehen, um wieder eine Kuratoriumssitzung stattfinden zu lassen“, sagt deren Sprecherin Irene Feilhauer. Der Vorwurf: Koepff habe dies mehrmals verhindert. Am letzten Tag der vom Landgericht verfügten Frist meldete Koepff sich zum Beispiel krank, eine Minute vor Sitzungsbeginn. Bei der folgenden Sitzung stellte er Gerners und Moraws Wahlvorschläge zur Nachbesetzung des Kuratoriums auf fünf Mitglieder nicht zur Abstimmung, darunter Hans-Martin Mumm und wieder Reimann-Dubbers, dessen Amtszeit geendet hatte. Er habe diese Vorschläge nicht erhalten, behauptet Koepff – obwohl von seinem Mailkonto eine Lesebestätigung abgesendet wurde. Seine Hilfskraft habe die Mail abgerufen.

Der Grund für die Verzögerungstaktik: Gerner und Moraw haben die Stimmenmehrheit. Wenn sie ihre Wunschkandidaten wählten, seien seine und Pavalois Tage gezählt. Deshalb schaltet er die Öffentlichkeit ein, stellt eine eigene Liste mit Kandidaten auf, darunter die Landeskunstministerin Theresia Bauer und deren Kollegin aus Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen, früher Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder. Die beauftragt ein Gutachten über die Portheim-Stiftung, in dem der Chef des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums Klaus Schneider „die schon fast peinlich wirkende Zuschusspolitik der Stadt“ kritisiert.

Statt der geforderten 400 000 Euro gibt es dieses Jahr nun 40 000, das nächste dann 80 000. „Ein Signal für unsere Reformbereitschaft“, sagt Gerner; „das reicht gerade so zum Durchwursteln“, findet Pavaloi. Zumal ihr Würzner, als ihn die Stiftungsaufsicht zum Übergangsvorsitzenden macht, auch noch den Zugriff auf die Museumskonten sperrt, von denen sie auch die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlt – wenn auch nur für eine Woche. Sie solle die Rechnungen nun zum Unterzeichnen ins Rathaus bringen lassen, habe Moraw ihr mitgeteilt (sagt Koepff; Pavaloi will inzwischen nicht einmal mehr damit zitiert werden, dass sie nicht zitiert werden will). „Die Banken“ würden unruhig bei einem Wechsel der Vorsitzenden. Die Sperre sei ganz normal.

Moraw sei in einer Besprechung, sagt ein Sparkassen-Telefonist mehrmals am Tag. In seiner Abwesenheitsmail meldet er sich bis 2018 unerreichbar. Das Rathaus reagiert auf kritische Fragen mit einigen Standardsätzen: Man wolle die „Entscheidungsfähigkeit“ des Kuratoriums wiederherstellen. Nur Koepff redet und klagt unentwegt weiter – nun gegen seine Entmachtung. Und er berichtet eine Anekdote, die so ganz und gar in die Heidelberger Welt der Kunst und des Kleinkriegs zu passen scheint: Nach monatelangen vergeblichen Bitten um ein Gespräch habe Würzner ihn kürzlich angerufen, aus dem Zug heraus. Er biete ihm an, „erhobenen Hauptes“ die Stiftung zu verlassen: „Ich mache Sie zum Ehrenbürger!“

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