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Streit um Ditib : Ein undurchsichtiges Spiel

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Die Abhängigkeit der Ditib führt zur politischen Anlehnung an die türkische Regierung. Sichtbar wurde das etwa 2010 bei Erdogans berüchtigter Assimilisierungsrede. Bild: dpa

Die Ditib bietet sich dem deutschen Staat als aufgeklärter Partner an. Doch es bleiben Zweifel an Reformwillen und Unabhängigkeit von der Türkei. Ein Gastbeitrag.

          Angesichts der anhaltenden Kritik und des Umstands, dass geplante Kooperationen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz überprüft werden sollen, sehen sich Funktionäre des Dachverbands für türkisch-islamische Moscheegemeinden, Ditib, zur Reaktion gezwungen. Dabei kam es in den vergangenen Tagen zu durchaus unterschiedlichen Reaktionen. Einhellig ist allerdings die stete Beteuerung der Unabhängigkeit von der türkischen Religionsbehörde Diyanet. In einer Erklärung der Landesverbände vom 8. August betont man, die Gemeinden seien „unabhängige Vereine nach deutschem Recht“.

          Was ist davon zu halten? Zunächst einmal ist es richtig, dass sowohl der Zentralverband als auch die einzelnen Ortsgemeinden eingetragene Vereine sind. Das Vereinsrecht jedoch sagt nichts über mögliche Abhängigkeiten von ausländischen Organisationen. Diese sind zulässig und im Fall der Ditib absolut evident. Diyanet Isleri Türk Islam Birligi, abgekürzt Ditib, in deutscher Übersetzung Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., ist eine Gründung des 1924 geschaffenen türkischen Präsidiums für Religionsangelegenheiten Diyanet Isleri Baskanligi, die unmittelbar dem türkischen Ministerpräsidenten unterstellt ist.

          Unübersehbare Dominanz

          Nach der Abschaffung des osmanischen Kalifats wurde der sunnitische Islam mit Hilfe dieser Einrichtung unter staatliche Aufsicht gebracht und ein türkischer Staatsislam geschaffen. Die staatliche Kontrolle über die Religion sollte sich nach dem Willen der türkischen Regierung auch auf die im Ausland lebenden türkischen Muslime erstrecken. Zu diesem Zweck wurde 1982 die erste Ditib-Moschee in Berlin eröffnet. 1984 folgte die bundesweite Zentrale mit Sitz in Köln.

          Ein kurzer Blick auf die Organisationsstrukturen macht die personelle Dominanz von Diyanet-Funktionären und anderen Repräsentanten des türkischen Staates in allen relevanten Ditib-Gremien unübersehbar. Da ist zunächst der Vorstand, dessen Vorsitzender traditionell Botschaftsrat für religiöse Angelegenheiten der türkischen Botschaft in Berlin ist. Ehrenvorsitzender ist der jeweils amtierende Diyanet-Präsident persönlich. Alle Vorstandsmitglieder werden von einem Beirat vorgeschlagen, dem ebenfalls der Diyanet-Präsident vorsteht.

          Die Sache mit der Assimilierung

          Türkische Religionsattachés und Vertreter von Generalkonsulaten haben ein verbrieftes Mitspracherecht. Die Islamwissenschaftlerin Aysun Yasar hat in ihrer 2012 erschienenen Dissertation gezeigt, dass die Beiratsmitglieder sogar ausnahmslos aus dieser Gruppe rekrutiert wurden. Sowohl der Vorstand als auch der Beirat werden folgerichtig von Diyanet- oder Regierungsvertretern kontrolliert. Auch in der Mitgliederversammlung dominieren die Vertreter des türkischen Staates. Dazu kommt das bekannte Problem der Entsendung von Imamen, die von Diyanet ausgebildet und bezahlt werden und darüber hinaus gegenüber ihren Vorgesetzten, den Religionsattachés, rechenschaftspflichtig sind.

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