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Berliner Bauakademie : Soll Schinkel am Wettbewerb teilnehmen?

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Nur als Fassade wiederaufführbar: Karl Friedrich Schinkels Bauakademie auf einem Gemälde von Eduard Gärtner 1868. Bild: Hirmer Verlag

Sechzig Millionen Euro stellt der Bund für die Berliner Bauakademie bereit, ohne dass ein tragfähiges Konzept erkennbar wäre. Umso heftiger tobt der Streit, den nun ein Architekturwettbewerb schlichten soll.

          Der Bund baut sich eine Hauptstadt. Steuergeld ist im Überfluss da, also stellt die Bundesrepublik ihre arme Kapitale gern vor vollendete Tatsachen und finanziert den Wiederaufbau ihres historischen Zentrums. „K.-u-K.“ werden sie genannt, die beiden selbstbewussten Budget-Politiker Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU), die derzeit munter Steuermillionen im Dutzend über das historische Berliner Stadtzentrum gießen und über die Berliner Köpfe hinweg die Bebauung forcieren. Beide Volksvertreter, Mitglieder im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages und dort zuständig für den Etat der Kulturstaatsministerin, stammen aus Hamburg. Nach dem Flussbad, dem Einheitsdenkmal und dem Neptunbrunnen wird nun das Projekt der Schinkelschen Bauakademie mit dem bundesrepublikanischen Geldsegen überschüttet.

          Bauherrenschaft und Zweck des Gebäudes sind noch unklar, aber das Geld für die „Hülle“ ist, wie damals beim Berliner Schloss, bereits da, der Rest muss sich fügen: Die Bundesstiftung Baukultur in Potsdam wurde vom Bund beauftragt, die drängenden Fragen zur Bauakademie als Gebäude und als Institution im Rahmen von drei „Werkstatt-Gesprächen“ im Hauruck-Verfahren zu klären. Der kulturelle Gestaltungswillen der Finanzpolitiker ist so flink und flüchtig, dass Kritiker von „Demokratiedefizit“ und „kurfürstlichem Gebaren“ sprechen. Pikanterweise kommt auch die Bundesstiftung Baukultur selbst als Nutzerin der Bauakademie in Frage. Im „Szenarienforum“ am 3. Mai werden erste Nutzungsvorschläge auf ihre Machbarkeit und Akzeptanz überprüft.

          Berlin ist eine ausgeprägte Touristen- und Architektur-Stadt. Beide Aspekte treffen bei der Bauakademie aufeinander. Obwohl es mehrere hochkarätige Plan- und Modell-Sammlungen zur Baukunst in Berlin gibt (in der Kunst- und der Staatsbibliothek, in den Sammlungen der Technischen Universität Berlin, der Akademie der Künste und der Berlinischen Galerie), fehlt der Stadt ein ansehnliches Architekturmuseum. Mit der Bauakademie ergäbe sich unter Umständen die Chance, ein „Schaufenster der Baukultur“ in der Hauptstadt zu schaffen. Dafür müssten allerdings die Institutionen an einem Strang ziehen und die Höhepunkte ihrer Kollektionen dort vereinen.

          Raum für das Zeitgemäße

          Ob die neue Akademie eine Rekonstruktion des Schinkel-Baus oder eine zeitgemäße Interpretation sein soll, ist noch offen. Ein Architekturwettbewerb soll noch vor September ausgelobt und entschieden werden, um diese Frage zu klären. Wie die Auslobung formuliert, wie die Jury zusammengesetzt wird – auch darüber herrscht in Berlin Rätselraten. Für den Berliner Architekten Paul Kahlfeldt, Vorstandsmitglied des Vereins „Internationale Bauakademie Berlin“, kommt nur eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion von Schinkels Meisterwerk in Frage. Schließlich hatte Schinkel das Erscheinungsbild der Berliner Stadtmitte hier so entscheidend geprägt wie kein Architekt vor oder nach ihm. Mit Schlossbrücke, Neuer Wache, Altem Museum, Friedrichswerderscher Kirche und der wiederaufgebauten Bauakademie wäre die Dichte an echten und nachgebauten Schinkelbauten an der Kupfergraben-Stadtlandschaft einmalig. Für die Befürworter des Wiederaufbaus geht es um die Wiederherstellung des baulichen Patrimoniums, zum Stadtgrundrisses als Palimpsest gehört auch die „Wiederaufführung“ von Gebäuden.

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