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Bundesstiftung in der Krise : Flucht, Vertreibung, Verwirrung

Manfred Kittel (rechts) mit Angela Merkel und Kulturstaatsminister Bernd Neumann beim Baubeginn des Dokumentationszentrums im Juni 2013. Bild: dpa

Ein Direktor, dem man misstraut, eine Ausstellung ohne Sachverstand, brüskierte Berater, heftige Diskussionen: Was ist bei der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ los?

          Wer die deutsche Geschichte verstehen will, kommt um die Fragen zu gewaltsamen Bevölkerungsverschiebungen nicht herum. Die Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, die sich um solche Fragen kümmern soll, gibt es seit sechs Jahren. Ihre Gründung war so umstritten wie die Vertreibungsgeschichte selbst. Getragen vom Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin, ist die Stiftung damit betraut, Ausstellungen und Forschungen zu solchen umstrittenen Fragen zu organisieren. Gerade im Licht gegenwärtiger Vorgänge liegt es auf der Hand, dass Flüchtlinge und ihr Schicksal auch europaweit ein Thema von hohem Interesse sind.

          Doch jetzt zeichnet sich ab, dass die Stiftung in einer tiefen Krise steckt. Ihr wissenschaftlicher Beirat steht kurz davor, ihrem Direktor, Manfred Kittel, das Misstrauen auszusprechen. Auslöser ist eine Ausstellung im DHM: „Gewaltmigration erinnern“. Sie wurde von einer griechischen Firma angekauft und thematisiert unter dem Titel „Twice a Stranger“ Vertreibungen in Ländern wie Griechenland, der Türkei, Zypern, Pakistan und Indien.

          Unmittelbar vor Eröffnung wurde entschieden, den ersten Teil der Originalausstellung, der Deutschland und Polen betrifft, in Berlin nicht zu zeigen. Warum nicht? Nun, er beginnt damit, dass mehr als zwei Millionen Deutsche ihr Leben während gewaltsamer Vertreibungen aus Polen, Böhmen und Ostpreußen verloren hätten. Das ist als Beginn dieses Kapitels deutscher Geschichte vor allem dann etwas knapp, wenn ein Historiker aus dem „Off“ dazu sagt, die Deutschen seien in diesen Gebieten nach 1945 als Deutsche sichtbar geworden.

          Fehler des deutsch-polnischen Ausstellungsteils

          „Was bisher geschah“ heißt es bei Serien, und was bis dahin geschah, dass Deutsche aus Polen vertrieben wurden, dürfte für Schulklassen beispielsweise schon wissenswert sein, um die Vertreibungen zu verstehen. Auch, dass die Deutschen schon zuvor, sagen wir: zwischen Herbst 1939 und Frühjahr 1945, in Polen und der Tschechoslowakei „sichtbar“ waren. Weitere Unstimmigkeiten und Fehler des deutsch-polnischen Ausstellungsteils kamen hinzu.

          Der wissenschaftliche Beraterkreis der Stiftung, den man erst kurz vor Ultimo einen Blick darauf hatte werfen lassen, empfahl, diesen Teil zu streichen, sonst solle man die Sache lieber absagen. Vier Mitglieder des Kreises, heißt es einem Sitzungsbericht, hätten zu verstehen gegeben, andernfalls zurückzutreten. Die entsprechende Sitzung fand am 3. November statt, die Ausstellung eröffnete am 6. November. Die Internet-Darstellung des gestrichenen Teils kann man sich bei der Firma „Anemon Productions“ anschauen.

          Was die Wissenschaftler mindestens so sehr aufbringt, ist eine ebenfalls an ihnen vorbeigelenkte Werkstattschau, die einen Eindruck von der künftigen Dauerausstellung der Stiftung geben soll. Es war nämlich ausdrücklich verabredet worden, auf einen solchen Vorgriff zu verzichten. Und schon wird klar, warum: Hatte es zuvor heftigste Diskussionen darüber gegeben, ob die Vertreibung der Deutschen „der“ Schwerpunkt oder „ein“ Schwerpunkt jener Dauerausstellung sein soll, wobei man sich auf Letzteres einigte, findet sich im Werkstattbericht jetzt die Formulierung „der Schwerpunkt“. Ungeschicklichkeiten? Versehen?

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