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Sterbehilfe : Es gibt keine Lizenz zum Töten, für niemanden

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Das Betäubungsmittel Natrium-Pentobarbital und ein Glas Wasser, in einem Zimmer des Sterbehilfe-Vereins Dignitas in Zürich Bild: dpa

Einem Menschen, der sein eigenes Leben für lebensunwert erklärt, darf man um der Menschenwürde willen nicht nachgeben. Selbstbestimmtes Sterben ist dennoch möglich: im Hospiz.

          Gerade deutschen Psychiatern sollte es verboten sein, die verbrecherischen Reden deutscher Psychiater vor neunzig Jahren und die verbrecherischen Taten deutscher Psychiater vor siebzig Jahren in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Euthanasieaktion war nicht zuletzt eine psychiatrische Erfindung, der der Nationalsozialismus bloß seinen folgenreichen diabolischen Segen gegeben hat. Daraus erwächst deutschen Psychiatern eine besondere Verantwortung, die man nicht bloß in Gedenkveranstaltungen beschwören darf, sondern die sich in politischen Auseinandersetzungen bewähren muss.

          Und so dürfen wir uns bei den neuen Euthanasiedebatten nicht einreden lassen, wir hätten da so etwas wie eine frühe Störung, von der wir uns endlich frei machen müssten. Im Gegenteil: Deutsche Psychiater verfügen über mehr und schrecklichere Erfahrung als Ärzte anderer Länder, wenn es um die ärztliche Tötung von Menschen geht. Und deswegen müssen sie umso nachdrücklicher davor warnen, hier eine Grenze zu überschreiten, die Ärzten seit Jahrtausenden die Tötung von Menschen verwehrt.

          Argumentation der Befürworter

          Dabei darf man nicht den Strategien der Tötungsbefürworter auf den Leim gehen, als wäre die juristisch klare Grenze zwischen ärztlicher Beihilfe zum Suizid und ärztlicher Tötung auf Verlangen auf Dauer zu halten. Ob nun der Arzt zustimmend dabeisitzt, wenn sein Patient sich umbringt, oder ob er ihm, wenn er Mühe hat, das ärztlich angerührte Gift zum Mund zu führen, dabei hilft, das scheint kein großer Unterschied. Beunruhigend ist, dass die Argumentation der Befürworter des ärztlich assistierten Suizids sich teilweise derselben manipulativen Rhetorik bedient, mit der der teuflisch-brillante Film „Ich klage an“ aus der NS-Zeit arbeitete, der die Euthanasieaktion propagandistisch unterstützen sollte. Der suggestive Effekt läuft vor allem über die Worte, die Sprache, die Begriffe. Was vor siebzig Jahren der Begriff „Volksgesundheit“ war, ist heute der Begriff „Selbstbestimmung“. Beides sind ursprünglich keine negativen Begriffe; doch wenn man sie für die Tötung oder Selbsttötung von Menschen monopolisiert, werden sie manipulativ.

          Selbstbestimmtes Sterben gibt es in Deutschland vor allem im Hospiz. Im Gegensatz zum Krankenhaus, wo faktisch immer noch die Ärzte bestimmen und die Lebensverlängerung selbstverständliche Maxime der Einrichtung ist, ist das im Hospiz anders. Hier bestimmt der Sterbende, was er an Therapien wirklich noch will - und nicht Lebensverlängerung ist hier die Maxime, sondern ein gutes Sterben. Selbstbestimmung ist in unserer Gesellschaft zu Recht ein hoher Wert. Dagegen ist es philosophisch eher fraglich, ob man die Entscheidung, sich selbst zu töten oder töten zu lassen, überhaupt als einen Ausdruck von Selbstbestimmung verstehen kann. Die Voraussetzung für Selbstbestimmung ist, dass dieses Selbst existiert. Bestimmt man sich selbst, wenn man das Selbst, das da bestimmt, vernichtet? Für Kant jedenfalls ist der Suizid die Absage an Freiheit und Selbstbestimmung. Im Übrigen ist das Argument der Selbstbestimmung nur ein Türöffner. In den Niederlanden tötet man inzwischen aus „Mitleid“ - auch Menschen, die gar nicht zugestimmt haben.

          Perversion des Würdebegriffs

          „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ lautet der Artikel 1 unseres Grundgesetzes. Bemerkenswerterweise kann dieser Artikel noch nicht einmal einstimmig vom Parlament aufgehoben werden - aus der Überzeugung heraus, dass jeder Mensch diese Würde von sich aus hat, dass sie ihm also von niemandem zu- oder abgesprochen werden darf, nicht von einem Parlament, ja, noch nicht einmal von sich selbst. Daraus folgt, dass man einem Menschen, der sein eigenes Leben, aus welchen Gründen auch immer, für lebensunwert erklärt, um der Menschenwürde willen nicht zustimmen und nachgeben darf. Menschen zu töten verletzt ihre unverlierbare Würde, deswegen sind wir auch gegen die Todesstrafe. Es ist eine Perversion des Würdebegriffs, wenn er in den Debatten fast ausschließlich für Suizidbeihilfe oder Tötung auf Verlangen gebraucht wird. Und schließlich wird auch der Begriff Hilfe in dieser Debatte inzwischen fast nur noch für die Tötung oder Selbsttötung verwendet.

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