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Stasi-Tagung : Mitschriften aus Odense

  • -Aktualisiert am

Triumphzug alter Herren: Über die Tagung in Odense gibt es nun ein Buch Bild: Edition Ost

Vor einem halben Jahr hatten sich auf einer Konferenz in Dänemark frühere Mitarbeiter der „Hauptverwaltung A“ zu „Kundschaftern des Friedens“ stilisiert. Nun ist der Tagungsband erschienen - und erregt abermals die Gemüter.

          Sie treiben es auf die Spitze: In der einschlägig bekannten „Edition Ost“ erscheint in diesen Tagen ein Buch, das sich offiziös gibt, es trägt den Titel einer historiographischen Konferenz, verspricht „alle Referate und Beiträge“. Und gleichwohl ist der Band „Hauptverwaltung A. Geschichte, Aufgaben, Einsichten“ keineswegs die in Aussicht gestellte wissenschaftliche Dokumentation, sondern ein Lehrstück in Desinformation, siegessicher herausgegeben von der Stasi höchstselbst. War doch die zunächst für den 17. Juni 2007 in Berlin angesetzte, dann aber ins irgendwie „neutrale“ Dänemark verlegte Konferenz vor allem eines: ein Triumphzug frustrierter alter Herren, die sich in Odense fast unwidersprochen zu „Kundschaftern des Friedens“ zu stilisieren vermochten (HVA-Tagung in Dänemark: Die Butterfahrt der Stasi-Offiziere).

          Umso ärger treibt der vermeintliche Tagungsband nun jenen die Zornesröte ins Gesicht, die einen Gedankenaustausch von Historikern und Stasi-Agenten, sine ira et studio, für möglich gehalten hatten. Zwar gilt weiterhin, was der Organisator der Tagung in Odense, der dänische Historiker Thomas Wegener-Friis, nach dem Eklat erklärt hatte: Die Beiträge belegen, dass Nachrichtendienstler wie Ralf-Peter Devaux oder Spione wie Gabriele Gast und Rainer Rupp zur Aufarbeitung der Geschichte nicht „fähig und willens sind“, dass sich „die geistige Verfassung der alten Stasi-Elite“ eben „nicht geändert“ hat.

          Nur Mitschriften und Abstracts

          Unmut aber stiftet vor allem der Versuch, diese unvermeidliche Kompilation postkommunistischer Treueschwüre abermals mit den Namen der in Odense versammelten Historiker zu veredeln. Denn bei den „Beiträgen“ der Wissenschaftler, angefangen mit einer „Einführung“ durch Thomas Wegener-Friis, handelt es sich nur um Mitschriften und halbseitige Abstracts aus dem Konferenzprogramm, ohne Genehmigung abgedruckt und nachträglich, wo dies möglich war, mit delegitimierenden Kommentaren versehen. „Mit Sachkenntnis“, heißt es da etwa in den Notizen zu Bernd Lippmann von der „Gedenkstätte Normannenstraße“, „war es schwer möglich, die von ihm getroffenen Aussagen nachzuvollziehen.“ Einzig Erich Schmidt-Eenbooms Vortrag zur DDR-Spionage des Bundesnachrichtendienstes ist in voller Länge abgedruckt.

          Der Verlag kann die Aufregung jener elf Wissenschaftler nicht verstehen, die sich von dem „subjektiv und tendenziös“ montierten Band distanzieren möchten. „Veranstalter und Wissenschaftler haben, soweit wir überhaupt befragt wurden, der Zustimmung zum Abdruck unserer Vorträge (auch teilweise) schriftlich widersprochen“, schrieben sie der „Edition Ost“, „einige von uns wurden nicht einmal gefragt. Einige haben ausdrücklich auf dem Manuskript des Vortrages erklärt, dass es nicht zitiert oder verwendet werden darf ohne schriftliche Zustimmung des Referenten, die nicht erteilt wurde.“

          R wie Rückzugsgefecht

          Der Verlagsleiter Frank Schumann aber glaubt, juristisch sei die Dokumentation anhand von Mitschriften und Abstracts „sauber“, und im Übrigen habe sich Thomas Wegener-Friis im Herbst nicht an die „Verabredung“ gehalten, nach der Konferenz einen eigenen Sammelband herauszugeben. Der Band schließe schlichtweg einfach „eine Lücke“.

          Diese Auffassung mag Kopfschmerzen bereiten. Vollständig falsch aber ist nicht, was Schumann sagt. Denn tatsächlich kündigte Friis nach der Konferenz einen Tagungsband an, der ausschließlich wissenschaftliche Beiträge enthalten werde. Dieser Band erscheint demnächst in einem britischen Verlag. Und wer weiß: Vielleicht wird sich schon dort ein wissenschaftlicher Beitrag finden, der die entlarvenden, in den Leserbrief-Spalten der Zeitungen fortgesetzten Propaganda-Bemühungen der jüngsten Zeit analysiert und beide, Konferenz wie „Tagungsband“, in den Geschichtsregalen einordnet - unter R wie Rückzugsgefecht.

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