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Social Freezing : Seid fruchtbar, aber später!

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Von der Therapie zur Vorsorge: Eizellen werden eingefroren. Bild: Fricke, Helmut

Ist „Social Freezing“,das Einfrieren der Eizellen, ein emanzipatorischer Schritt für Frauen? Oder doch der nächste Schritt in die kontrollierte Gesellschaft?

          Mit dem Einfrieren unbefruchteter Eizellen ohne akuten Anlass, jenem vieldiskutierten „Social Freezing“, beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der Reproduktionsmedizin: Zum ersten Mal sind es nicht mehr behandlungsbedürftige Patientinnen, die sich der mühevollen Prozedur von Hormoninjektionen und Eizellentnahmen unter Vollnarkose aussetzen, sondern gesunde, fruchtbare, vergleichsweise junge Frauen. Kein Defizit des Körpers steht am Anfang der Behandlung, nicht verschlossene Eileiter, Erkrankungen der Gebärmutter oder eine bevorstehende Chemotherapie, sondern ein Defizit der Zeit: der Zweifel, ob die Menge und Qualität der eigenen Eizellen zum Zeitpunkt der gewünschten Schwangerschaft, in fünf, fünfzehn oder zwanzig Jahren, noch ausreichend sein würden, um auf natürliche Weise ein Kind zu bekommen.

          Diese Verschiebung markiert – wie immer man zum „Social Freezing“ und der Übernahme der Behandlungs- und Lagerungskosten durch den Arbeitgeber stehen mag – eine entscheidende Zäsur: Das Verfahren überführt die Therapieangebote der assistierten Empfängnis ins Stadium der Vorsorge. Eingriffe der Fortpflanzungsmedizin arbeiten nun an jenem Aufschubversprechen mit, das unter dem Namen „Familienplanung“ bislang den Verhütungsmitteln vorbehalten war. Zwei unterschiedliche Verzögerungstechniken: Wo die Anti-Baby-Pille seit einem halben Jahrhundert Schwangerschaften durch hormonelle Überlistung des Körpers von innen verhindert, lagern die entnommenen und tiefgefrorenen Eizellen die Befähigung zur Schwangerschaft bis zur angestrebten Aktivierung aus.

          In Form des „Social Freezings“ hat unsere Vorsorgegesellschaft also den Bereich der Reproduktion erreicht: Wenn es bislang Krankheiten, Unfälle oder Infektionen waren, die durch rechtzeitige Organspiegelungen, durch Helme und Plastikhandschuhe bekämpft werden sollten, geht es nun auch um präventiv gesicherte Fortpflanzung. Und so, wie bestimmte Erkrankungen – Darm- oder Brustkrebs etwa – inzwischen nicht mehr uneingeschränkt als Schicksalsschlag gelten, sondern als Konsequenzen persönlicher Nachlässigkeit, könnte die Etablierung des „Social Freezings“ auch die ungewollte Kinderlosigkeit einer Frau zum selbstverschuldeten Mangel deklarieren: „Warum hast du denn nicht rechtzeitig vorgesorgt?“

          Das Verfahren der Vitrifikation

          Seitdem bekannt wurde, dass die Firma Facebook ihren weiblichen Angestellten das Einfrieren von Eizellen als Teil der Sozialleistungen bezahlt (Apple wird diesem Vorbild ab 2015 folgen), gibt es auch in Deutschland eine Debatte darüber, was dieses Angebot bedeute: ob es als befreiender Akt der Gleichberechtigung zu verstehen sei oder als monströse Ausprägung eines emotionalen Kapitalismus.

          Bis vor kurzer Zeit hat es keine Methode gegeben, unbefruchtete Eizellen wie Samenproben oder Embryonen über Jahre und Jahrzehnte hinweg in flüssigem Stickstoff aufzubewahren, weil die Zellen während des Einfrierens kristallisieren und beim Auftauen zerspringen würden. Mit dem neuen Verfahren der Vitrifikation, einer Konservierungstechnik, die den Eizellen schockartig Wasser entzieht und sie gewissermaßen verglast, gelingt dieser Prozess nun seit etwas mehr als fünf Jahren. Die gesundheitliche Entwicklung von Kindern, die auf diese Weise entstehen, ist nach bisherigen Untersuchungen und Datenerhebungen unauffällig.

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