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Shareconomy : Der Terror des Teilens

Wenn die Dinge nichts mehr wert sind, ist Logistik alles: Die totale Mobilmachung, imaginiert von Luc Besson in seinem Film „Das fünfte Element“ Bild: ddp images

Wenn die Welt flüchtig wird, kommt es nicht mehr darauf an, was man besitzt. Läuft das am Ende auf den Kommunismus hinaus? Oder eher auf sein Gegenteil?

          Wenn es nicht mehr in die eigene Wohnung passt, das ganze Zeug, von dem man glaubt, es irgendwann noch einmal zu brauchen, die ausrangierte Kaffeemaschine, der Gartenpavillon von der Einweihungsfeier, die Schuhe, die nie wieder modern sein werden, der Raclette-Grill und die alte Spiegelreflexkamera, wenn der Keller zu klein und die Garage voll ist - selbst dann können manche Menschen sich noch immer nicht von ihrem Krempel trennen. Und mieten stattdessen einen Lagerraum.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Mehr als 50.000 Self-Storage-Einheiten gibt es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, sie kosten monatlich zwischen 100 und 200 Dollar, und die Bilanz dieser Investition ist in der Regel folgende: Nach sechs bis acht Monaten übersteigen die Mietkosten für die Lagerräume den Wert der darin aufbewahrten Gegenstände. Spätestens dies ist der Moment, an dem viele Menschen den Spruch verstehen, den man von Tyler Durden in David Finchers Film „Fight Club“ kennt: „The things you own end up owning you“.

          Man muss nicht eine Kammer voller Wohlstandsmüll haben, um Zweifel an der Idee des Eigentums zu haben, es reicht schon das traurige Gefühl, dass einem die eigene Plattensammlung nur noch wie Dekoration vorkommt. Wenn aber selbst die Dinge, die man liebt, beginnen, einem überflüssig zu erscheinen, ist es kein Hippieslogan mehr, dass Besitz zum Ballast wird.

          So schnell und komfortabel wie möglich

          Und die Parole, die derzeit immer lauter zu hören ist, klingt eher wie ein Versprechen als eine Drohung: Die Zeit des Eigentums, so lautet sie in etwa, neigt sich dem Ende zu. In Zukunft werden wir die Dinge miteinander teilen, was vor allem dadurch möglich wird, dass das Internet die Kosten dieser Transaktionen auf ein rentables Niveau senkt. Und jeder, Geber, Nehmer und vor allem die Umwelt, werde am Ende davon profitieren.

          Der Trend zum Teilen hat viele Namen, Ökonomen nennen ihn Sharing Economy, Idealisten Collaborative Consumption oder Kokonsum, und dass man seine Kraft nicht unterschätzen sollte, liegt daran, dass sich diese nicht allein den moralischen Motiven asketischer Konsumkritik verdankt. Dass unsere tägliche Einkaufswut die Umwelt zerstört, dass sie Kinder tötet und Kriege verursacht, konnte der Praxis der Überflussproduktion nie besonders viel anhaben. Aber je flüchtiger das Leben wird, desto weniger besteht Luxus darin, den größten Haufen Kram zu besitzen - oder auch nur die schönsten Objekte der Designkultur. Sondern darin, seine Bedürfnisse zu befriedigen, so schnell und komfortabel wie möglich.

          Wer sich heute lieber ein Auto leiht, statt es zu kaufen, tut das nicht unbedingt, weil er sich keines leisten kann, sondern weil es tendenziell eher nervt, selbst eines zu besitzen. Wenn es Carsharing-Systeme möglich machen, für ein paar Euro pro Fahrt mit ständig vollgetanktem und vollkaskoversichertem Wagen durch die Stadt zu fahren, bevor man ihn am Ende auf einem reservierten Parkplatz abstellt, lösen sich die Vorteile des Autobesitzes in Luft auf.

          Bild: REUTERS

          Und umgekehrt muss man es sich bald, wenn man die Preise sieht, die man bei der Privatwohnungsvermittlung Airbnb für die Vermietung seiner Wohnung bekäme, schon leisten können, dass der Nachbar während des eigenen Urlaubs die Blumen in der leeren Wohnung gießt. Wobei: Bald macht auch der das womöglich nicht mehr aus reiner Freundlichkeit. Und selbst die Distinktionsgewinne, die sich dem Umstand verdanken, dass Besitz nicht einfach nur die Abbildung des Bankkontos ist, sondern auch eine von Geschmack und Bildung, muss man nicht mehr mit dem Erwerb entsprechender Artefakte beweisen: Es zählt die Playlist, nicht der Plattenschrank. Weniger zu haben ist das neue Must-have.

          Aus dem Testament der Internetheilsgeschichte

          Es sind eher egoistische Gründe, die die Leute zum Teilen motivieren, was die Cheerleader des Trends nicht davon abhält, großzügig ihre Weltverbesserungsrhetorik zu verbreiten. Die amerikanische Autorin Rachel Botsman, die in ihrem Buch „What’s Mine Is Yours: The Rise of Collaborative Consumption“ schon vor drei Jahren die Revolution der geteilten Güter ausgerufen hat, hält kollaborativen Konsum für die Lösung von Weltproblemen von Umweltverschmutzung bis zum allgemein herrschenden Misstrauen.

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