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Sexismus-Debatte Im Land des Herrenwitzes

 ·  Die neuen Frauen sind so frei: Sie sind klug und gut angezogen. Doch das bedeutet oft eine Gratwanderung, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte.

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Natürlich ist ein Flirt etwas eindeutig anderes als sexuelle Belästigung. Das weiß jede Frau. Und das könnte auch jeder Mann wissen, so er nur will. Ein Flirt ist gegenseitig und auf Augenhöhe. Die sexuelle Belästigung ist einseitig und von oben nach unten. Doch sollte es tatsächlich immer noch diesen oder jenen Mann geben, dem es schwerfällt zu unterscheiden, habe ich einen ganz einfachen Tipp: Stellen Sie sich die Situation mal umgekehrt vor. Dass zum Beispiel eine ältere Politikerin mit einem jungen Journalisten über Slipgrößen und Jeansmarken scherzt und darüber, was er wie alles so ausfüllen könnte (so wie Brüderle mit Himmelreich über Körbchengrößen). Schockierend? Aber klar doch.

Kurzum: Sexuelle Belästigung hat rein gar nichts mit wahrem erotischem Interesse zu tun, sondern ist ausschließlich eine Machtdemonstration, die dem Gegenüber zeigen soll, dass es eben keines ist, sondern ein Drunter. Gerade in diesen Zeiten des Umbruchs und der Verunsicherung der Männer ist die sexuelle Belästigung von Frauen allgegenwärtig und auch im Beruf keineswegs eine Ausnahme, sondern ein Massenphänomen. Das sehen wir nicht zuletzt an der überraschenden Heftigkeit der Debatte. Auch sprechen nationale und internationale Statistiken davon, dass jede zweite oder gar zwei von drei Frauen solcherlei Erfahrungen schon am eigenen Leibe machen mussten.

Erotik auf Augenhöhe

Warum? Zum einen waren Sexualität und Gewalt über Jahrtausende untrennbar. Frauen waren Besitz und hatten zur Verfügung zu stehen. Das begann sich erst in den siebziger Jahren zu ändern. Dank der Frauenbewegung. Das Gesetz, das endlich auch in Deutschland sexuelle Gewalt gegen die eigene Ehefrau unter Strafe gestellt hat, ist erst 16 Jahre alt. Zur Verabschiedung war, nach jahrzehntelangen vergeblichen Debatten, ein Schulterschluss der Politikerinnen aller Parteien nötig, von rechts bis links.

Eine weder via Gewalt noch via Galanterie hierarchische Sexualität, sondern die einvernehmliche ist eine relativ neue Erfindung. Erotik auf Augenhöhe wird von Sexualforschern auf breiter Basis erst seit etwa einem Vierteljahrhundert registriert - also seit die Impulse der Gleichheit in den Herzen und Betten angekommen sind.

Das ist neu. Und gewöhnungsbedürftig. Und noch lange kein gesichertes Terrain. Genauso wenig wie die Präsenz von Frauen im Beruf. Doch jetzt sind sie angekommen, die Frauen. In den Schulen schreiben sie bessere Noten, an den Universitäten machen sie bessere Abschlüsse, und sie drängen in Aufsichtsräte und Kabinette, ja sind in Deutschland sogar Kanzlerin. Das ist nicht immer nur schön für die Männer. Die müssen liebgewordene Privilegien aufgeben und Posten räumen.

Widerstand gegen den Widerstand

Eine zum Glück stetig wachsende Minderheit von Männern macht das Beste draus und erobert nun ihrerseits das Familienterrain. Und auffallend ist auch in dieser öffentlichen Sexismusdebatte, wie viele Männer inzwischen auf Seiten der empörten Frauen sind. Gleichzeitig aber wächst der Widerstand. Dieser Widerstand scheint innerhalb der westlichen Welt eine Zentrale in Deutschland zu haben. Ich behaupte: Außer in Italien hätte man in keinem anderen aufgeklärten Land ungestraft so joviale Herrenwitze reißen können, wie wir sie in der Jauch-Sendung von Sonntag hören durften (in der auch ich das Vergnügen hatte, Gast zu sein).

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29.01.2013, 18:15 Uhr

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