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Veröffentlicht: 15.12.2016, 20:14 Uhr

Boykottaufruf gegen „Rechts“ Wirb nicht bei den Schmuddelkindern

Ein Stratege der Agentur Scholz & Friends ruft zum Werbeboykott gegen „Rechts“ auf. Gemeint ist das Portal „Breitbart“, getroffen wird die „Achse des Guten“. Dann eskaliert die Sache.

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© AFP Kellogg’s mag „Breitbart“ nicht, „Breitbart“ mag Kellogg’s nicht. So fing es in den Vereinigten Staaten an.

Jemand, der für eine Werbeagentur arbeitet, sollte wissen, was der Aufruf zu einem Werbeboykott bedeutet. Im Fall von Gerald Hensel darf man annehmen, dass er es weiß – als Experte für Digitalstrategie der Agentur Scholz & Friends. Allerdings hat er seinen Job gerade gekündigt, und das hat mit der Aktion „Kein Geld für Rechts“ zu tun, die er vor ein paar Tagen gestartet und die eine ungeheure Wucht entfaltet hat. Sie hat einen Shitstorm von links und von rechts ausgelöst, eine Kanonade von Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen.

Michael Hanfeld Folgen:

Angelehnt ist Hensels Aufruf an Boykott-Kampagnen in den Vereinigten Staaten, die sich gegen das einflussreiche Rechtsaußenportal „Breitbart“ richten, dessen ehemaliger Chefredakteur Steve Bannon der künftige „Chefstratege“ des designierten Präsidenten Donald Trump ist. Das Unternehmen Kellogg’s zum Beispiel hat sich dafür entschieden, nicht bei „Breitbart“ zu werben und das auch kundgetan. Die Revanche folgte prompt. „Breitbart“ hat seine Leser aufgefordert, Kellogg’s-Produkte zu meiden. In diesem Boykott-Battle steht es nun eins zu eins.

„Achse des Guten“ und „Tichys Einblick“

Da „Breitbart“ gerade nach Europa expandiert, wirkt der Boykottaufruf „Kein Geld für Rechts“ wie der Versuch, dem möglichen Erfolg der Seite gleich die finanzielle Basis zu entziehen. Getroffen aber hat er umgehend andere – das Portal „Achse des Guten“ von Henryk M. Broder und „Tichys Einblick“, die Seite des früheren „Wirtschaftswoche“-Chefredakteurs Roland Tichy.

43848171 © Bergmann Vergrößern Boykottopfer: Henryk M. Broder bei der Verleihung des Börnepreises in der Frankfurter Paulskirche 2007.

Die beiden beklagen massive Werbeeinbußen, Broder erinnert der Boykott-Aufruf an die „Kauft-nicht-bei-Juden“-Hetze der Nationalsozialisten. Dabei will der Boykott-Initiator Hensel die beiden gar nicht gemeint haben. Er verheddert sich aber in seiner Argumentation. „Achgut.com“ wurde als vermeintlich rechtsradikale Publikation erwähnt, nicht aber auf die „Schwarze Liste“ derjenigen Seiten gesetzt, auf denen Unternehmen nicht werben sollten.

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Das moniert auch Stefan Wegner, Partner der Agentur Scholz & Friends (die auch für diese Zeitung tätig ist), in einem Artikel in dem Fachblatt „Werben & Verkaufen“. Seine Agentur, schreibt Wegner, mache sich „ausdrücklich nicht zum Absender der kontrovers diskutierten Aktion“: „Scholz & Friends“ hat sich die Initiative #keingeldfürrechts nicht ausgedacht und sie auch nicht unterstützt.“ Zugleich stellt sich Wegner vor seinen – bald ehemaligen – Mitarbeiter, dessen Gegner ihn mundtot machen wollten, ihrerseits zum Boykott aufriefen und „Mittel der Einschüchterung, Bedrohung und Beleidigung“ einsetzten.

Brandmarken ist schwer in Mode

Das freilich sind die unfreundlichen Geister, welche ein Boykottaufruf wie dieser heraufbeschwört. Es ist gerade schwer in Mode, Leute zu brandmarken und als „rechts“ zu denunzieren, deren Ansichten man nicht teilt. Mit dem Etikett wollen Unternehmen nichts zu tun haben und drehen – wie man auf Twitter nachverfolgen kann –, gleich bei, wenn sie nur heftig genug darauf hingewiesen werden, sie unterstützten mit ihrer Werbung (die im Internet oft automatisch geschaltet und gestreut wird) die Falschen.

Ein Werbeboykott ist übrigens nicht nur ein Mittel gegen vermeintlich gefährliche (Meinungs-)Blogs und Netzportale, sondern vor allem gegen kritische Presseberichterstattung. Wer auf so etwas setzt, erst recht als Stratege einer Werbeagentur, bringt wirtschaftliche Macht gegen die Meinungsvielfalt und die Pressefreiheit in Stellung.

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