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Scheidungsväter ohne Rechte : Im Namen des Erzeugers

  • -Aktualisiert am

Verzweifelt: Aktion der Gruppe „Fathers 4 Justice” in London Bild: AP

Viele Väter müssen nach der Scheidung oder Trennung um die Beziehung zu ihren Kindern kämpfen. Wenigen Rechten stehen viele Pflichten gegenüber. Ihre Welt findet sich in unübersichtlichen Internetseiten und aufgeheizten Diskussionsforen wieder. Wie die kulturelle Praxis den Vater ausmustert.

          Für diese Tage kündigt ein Kleinstverlag aus Schrobenhausen ein Taschenbuch mit dem Titel „Die Ohnmacht der Väter“ an. Es zeigt auf dem Titel einen Mann mit tränenüberströmtem Gesicht und trägt eine Bauchbinde mit der Aufschrift „Frauen Leseverbot“. Die Kapitel tragen Überschriften wie „Männer in der Scheidungsfalle“, „Unterhalt/Sklavenmoral“, „Kindesentfremdung“ oder sogar „Handbuch der Rache“. Das Buch eines Feuerwehrmanns aus Pfaffenhofen speist sich offenbar teils aus Lebenserfahrung, teils aus Internetquellen und fällt wohl in die obskure Gattung des grauen Textes.

          Keine Frage, so sieht ein Manifest im Geschlechterkampf aus. Doch wer eine Antwort darauf sucht, warum laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Familienministeriums nur noch jeder zweite Mann die Vaterschaft als notwendigen Teil des Lebensglücks betrachtet, darf solche Pamphlete nicht reflexhaft als frauenfeindliche Ausfälle verbuchen. Handkopierte Broschüren aus den Frühzeiten des Feminismus, als Lohn für Hausarbeit und Entwaffnung von Vergewaltigern gefordert wurden, lasen sich ganz ähnlich.

          Symbolische Martyrien und viel Skurriles

          Bislang dringt das Unbehagen geschiedener und getrennter Väter meistens in klandestinen und skurrilen Formen an die Öffentlichkeit. Zwar existieren medienwirksame Lobbys wie die britischen „Fathers 4 Justice“, die im Frühjahr ein Banner mit der Parole „Im Namen des Vaters“ an der Kuppel der Londoner Saint Paul's Cathedral anbrachten, um für ein gerechteres Umgangsrecht zu demonstrieren. Auch marschieren Prominente wie der James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan oder der Schauspieler Mathieu Carriere in den Reihen der Väterbewegung.

          Demonstration vor dem Europäischen Gerichtshof

          Carriere ging im vergangenen Winter sogar für zehn Tage ins Gefängnis, anstatt ein Ordnungsgeld von 5000 Euro zu zahlen: Seine Exfrau hatte ihn verklagt, weil er sich in der Öffentlichkeit mit der gemeinsamen Tochter ablichten ließ. Doch diesseits solcher symbolischer Martyrien besteht die sichtbare Welt der Scheidungsväter aus unübersichtlichen Internetseiten, aufgeheizten Diskussionsforen und Sammlungen anonymer Fallgeschichten.

          Fast die Hälfte sieht die Kinder kaum noch

          Allerdings sollte der Wildwuchs dieser selbstgebastelten Protestkultur niemanden dazu verleiten, das Thema als Randgruppenanliegen abzutun. Da fast jede zweite Ehe geschieden wird und die Kinder nur in jedem siebten Fall beim Vater verbleiben, kann sich jeder Mann das mit dem Zeugungsakt eingegangene Risiko ausrechnen, später zur Kategorie der Scheidungsväter zu gehören.

          Der Bremer Soziologe Gerhard Amendt, Zwillingsbruder des linken Sexualforschers Günter Amendt, legte vor einem Jahr die erste empirische Studie zum Thema vor. Fast die Hälfte der 3600 befragten Männer sieht die eigenen Kinder nach der Trennung nur noch selten oder gar nicht mehr. 42,1 Prozent betrachten sich als bloße „Wochenendväter“, 24,9 Prozent empfinden sich als „Zahlväter“, und zehn Prozent fühlen sich ihrer Vaterrolle vollständig beraubt.

          Spätfeministische Vorurteile wirken nach

          Amendt sieht im Extremfall der Scheidung den „Kristallisationspunkt“ eines sozialen Klimas, das im Normalfall nicht ins Leben hineinstrahlt. „In der Partnerschaft spielt der Genderdiskurs keine Rolle, verdichtet sich nicht zur sozialen Erfahrung.“ Erst mit dem Eintreten der Trennung manifestiere sich eine „ideologische Präferierung von Frauen und Müttern“, deren Wurzeln in der Geschlechterpolitik der siebziger Jahre liegen. Während die Ernährerfunktion nach der Scheidung juristisch aufrechterhalten werde, stehe die „Selbstverständlichkeit der Väterlichkeit“, welche die Sorge für die eigenen Kinder einschließe, plötzlich in Frage.

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