30.04.2007 · Nirgendwo sonst in Europa ist die Dichte von Künstlern und guten Galerien so hoch wie in Berlin. Was fehlt, ist zentraler Ausstellungsort. Auf dem Schlossplatz könnte ein temporärer Kunstraum stehen. Zwei Entwürfe konkurrieren.
Von Niklas MaakAn diesem Montag geht in Berlin das Galerienwochenende zu Ende; 29 Galerien zeigten ihre Künstler, Tausende von Interessierten liefen durch die Stadt, verliefen sich in Hinterhöfen, suchten auf mehrfach geknickten Faltplänen die Standorte neuer Ausstellungsräume - und der Rummel, der dem auf einer internationalen Kunstmesse glich, zeigte einmal mehr die Chancen und das Problem der Gegenwartskunst in Berlin.
Nirgendwo sonst in Europa ist die Dichte von Künstlern und guten Galerien so hoch, nirgendwo sonst braucht man nur wenige Minuten, um von einer spannenden neuen Arbeit von Franz Ackermann zu einer von Hilary Lloyd zu kommen - aber was der Stadt nach Ansicht vieler fehlt, ist ein Ort, an dem die freien Energien, die Entwicklungen und Tendenzen der Gegenwartskunst in Ausstellungen gebündelt, verständlich gemacht und für ein breites Publikum sichtbar werden.
Würfel oder Wolke
Ein Testballon für eine solche Berliner Kunsthalle soll jetzt ab Sommer auf dem zentralen Berliner Schlossplatz entstehen und bis zum Baubeginn des neuen Schlosses ein breites Publikum für die Gegenwartskunst in Berlin begeistern. In der vergangenen Woche stellten die Initiatorinnen Coco Kühn und Constanze Kleiner, die kurz vor Abriss des Palasts in der leeren Ruine eine vielbeachtete Ausstellung zur Berliner Gegenwartskunst improvisiert hatten (siehe auch: „White Cube“ im Palast der Republik: Das Ausstellungswunder von Berlin), ihr Projekt einer temporären Kunsthalle für den Berliner Schlossplatz vor (www.kunsthalleberlin.com).
„Über 24 Monate sollten in dem unaufwendigen Kubus monatlich wechselnde, aktuelle Positionen sichtbar gemacht werden“, erklärte Katja Blomberg, die Direktorin des Berliner Hauses am Waldsee, die zusammen mit Julian Heynen vom Düsseldorfer K 21, dem Wiener Kunsthallendirektor Gerald Matt und Dirk Luckow von der Kieler Kunsthalle den künstlerischen Beirat des Projekts bildet. Entworfen hat die rund 1200 Quadratmeter große Box mit Ausstellungshalle, Café und Vortragsraum der Wiener Architekt Adolf Krischanitz.
Den mit 950.000 Euro veranschlagten Bau will die Stiftung Zukunft Berlin finanzieren, der laufende Betrieb soll über die Einnahmen aus Café, Museumsshop und Eintritt gesichert werden. Der Entwurf konkurriert mit dem von der Berliner Kunstzeitschrift „Monopol“ initiierten Plan für eine von den Architekten Graft entworfene Kunsthalle am selben Platz (siehe auch: „Monopol“ fordert Moratorium bei Schloßplatzbegrünung). Deren Finanzierung und Bespielung durch einen Trägerverein soll, wie der „Monopol“-Redakteur Ingolf Kern dieser Zeitung mitteilte, bald bekanntgegeben werden. Nachdem von der Politik überraschend grünes Licht für eine temporäre Kunsthalle gegeben worden war, ist jetzt nur noch die Frage, welchem der konkurrierenden Vorhaben der Berliner Senat den Vorzug geben wird. Die Entscheidung soll noch vor der Sommerpause fallen.
Wolken weg, hat kein Zweck?
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 01.05.2007, 12:49 Uhr