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Sängerin Hiba al Kawas Ich habe Beirut gekannt

Hiba al Kawas ist eine der großen Sängerinnen des Libanon. Aus ihren Liedern klingt die Erinnerung an eine Zeit, da ihr Land noch nicht von Kriegen verheert war. Dabei kennt sie selbst es kaum anders.

© Eddie Choueiri Vergrößern Sie stammt aus Galliläa, hat in Italien studiert und konzertiert häufig in den Golfstaaten: Hiba al Kawas

Meist beendet sie ihre Konzerte mit „Areftu Beirut“. Das Lied beschwört den Zauber und die Zerrissenheit dieser vom Bürgerkrieg geschundenen Stadt. Hiba al Kawas hat es komponiert und singt nun: „Ich habe Beirut gekannt“. Ein Beirut aber wie das der letzten Tage, das hatte sie lange nicht erlebt. Ein Albtraum sei es gewesen, diese Gewalt draußen auf den Straßen, der Mob der Bewaffneten. Von Dunkelheit spricht sie und dann von der Hoffnung auf ein Licht, das dem Land und damit Beirut einen Weg aus dem Teufelskreis zeigen könnte.

Rainer Hermann Folgen:  

Alle großen Sängerinnen des Libanon beschwören Beirut, das Sinnbild für die Lebensfreude der Libanesen und ihre Leichtigkeit des Seins, das Sinnbild aber auch für sinnlosen Bürgerkrieg. Fairuz, die lyrische Nachtigall des Libanon, grüßte auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs „Beirut aus meinem Herzen“. Sie klagte, dass ihre Stadt das Licht gelöscht habe und mit der Nacht eins geworden sei. Als in diesem Mai der Bürgerkrieg wieder auszubrechen drohte und die Hizbullah den Flughafen schloss, sperrte die schiitische Miliz dort auch Fairuz ein, die eben angekommen war.

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Sie stemmt sich gegen den Albtraum

Auch Hiba al Kawas, die dramatische Sopranistin des Libanon, lässt Beirut nicht los. Wenn sie „Ich habe Beirut gekannt“ singt, stemmt sie sich gegen den Albtraum. Sie will das alte Lebensgefühl festhalten. Der Bürgerkrieg hat sie geprägt und sie die schrillen Dissonanzen ihrer Kompositionen gelehrt. Bei ihrem Studium in Italien aber brachte ihr der Verdi-Tenor Carlo Bergonzi den Wohllaut des Belcanto bei, und Franco Donatoni lehrte sie, ihre Empfindungen in Komposition umzusetzen.

Hiba al Kawas  2 © Eddie Choueiri Vergrößern Hiba al Kawas stemmt sich gegen den Albtraum ihres Landes

Hiba al Kawas war gerade zwanzig Jahre alt, als sie 1992 zurück nach Beirut kam. Der Bürgerkrieg, der in diesen Tagen zurückzukehren droht, schien damals zu Ende zu sein. Vor ihrer Heimkehr gastierte sie noch einmal in Italien und in Stuttgart, wo sie bei einer Aufführung des SDR-Orchesters in Beethovens Neunter Symphonie den Sopran sang. Bergonzi wollte sie halten, Hiba aber drängte es in ihre Heimat. Nach Beirut. In das Beirut, von dem sie heute vieldeutig singt, sie habe es gekannt.

Zuletzt gab sie am 21. April in Beirut ein Konzert, als wäre sie im Abendland geblieben. Sie wollte „La Bohème“, „Turandot“ und „Norma“ singen, drei Opern, die Teil ihres Innern geworden sind. Die italienische Oper ist Hiba al Kawas' Leidenschaft. Zurück in der Heimat, singt sie Arabisch. Sie greift arabische Gesangstraditionen auf, wählt dazu aber die Gesangstechnik der Oper Europas. Eines Tages will sie eine arabische Oper komponieren. Zuvor muss sie ihre Technik jedoch an den Konservatorien Arabiens vermitteln. Denn was sie komponiert, kann nicht singen, wer allein aus der Oper kommt, und auch nicht, wer nur die arabische Musik kennt.

Sechshundert Musiker vor siebenhundert Jahren

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