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Autoren- und Urheberrechte : Eine Kriegserklärung an das Buch

  • -Aktualisiert am

Verlage sind wie NGOs

Das Schlimmste am BGH-Urteil ist, dass es die unverständige, aggressive und in letzter Instanz autodestruktive Absicht der deutschen Bibliotheken, die Verlage aus dem Publikationssystem herauszukicken, höchstrichterlich prämiert. In dieser Stoßrichtung scharen sich Bibliotheksverband, DFG, BMBF, Google und Konsorten um ihre gemeinsame Waffe, den Scanner, und befördern damit zugleich aktiv die Atomisierung nicht nur der wissenschaftlichen, sondern der Autoren insgesamt. Denn so klar es ist, dass einige international agierende Großverlage (Elsevier, Springer, de Gruyter) sich heute den Teufel um ihre Autoren kümmern und statt Büchern auch Autos, Monopolzahnbürsten oder Gewinnwarnungen verkaufen könnten – man fragt sich ohnedies, ob man diesen eigenartigen Konsortien angelsächsischer Heischewirtschaft noch den Namen eines Verlags zubilligen soll –, so gilt auch, dass die vernünftigen deutschen Verlage mittlerer und kleinerer Größe für die Autoren einen unerlässlichen Schutzraum darstellen, dessen Schleifung reaktionär und barbarisch genannt zu werden verdient. Die Intention, sie zu zerstören, arbeitet einzig der digitalen Unterdrückung zu.

Es wäre endlich an der Zeit, dass die verbliebenen klugen Köpfe im Straßburger und Berliner Parlament begriffen, dass Verlage der geschilderten Art den Status von NGOs haben, die Interessen bündeln und darum politisch auch ganz anders Druck machen können, als atomisierte Autoren das je vermöchten. Institutionen und Organisationen, die ihnen gegenüber Destruktionswillen manifestieren, schädigen absichtlich die von allen so wortreich beschworene Zivilgesellschaft. Sie sind Vorboten eines digitalen Totalismus, und man muss sehr aufpassen, dass hier nicht wieder etwas so beschädigt wird, dass es nicht mehr auf die Beine kommt.

In genau diesem Zusammenhang ist es skandalös, dass die öffentliche Hand in Totgeburten wie Open-Access-Server ohne jegliches „Geschäftsmodell“ Millionen pumpt und damit den Wissenschaftsverlagen in ihrem Geschäftsbereich mit Steuergeldern einen ruinösen Wettbewerb aufzwingt – ohne zugleich nur den Hauch einer Idee zu haben, wie man die Wartung und Bestückung der Server auf Dauer finanzieren kann. Für das fehlinvestierte Geld, das in die Repositorien einer größeren Universitätsbibliothek in zwei Jahren gepumpt wird, könnten Verlage wie der Vittorio Klostermanns oder Matthes&Seitz wahrscheinlich zehn Jahre lang Programm machen. Und man muss keine große Phantasie haben, um zu prophezeien, was die nachhaltigere Investition wäre.

Die Gedankenlosigkeit des Gerichts

So aber macht die Subvention den Markt kaputt; und da auch hier die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, darf dann die Staatsministerin für Kultur und Medien Buchhandlungspreise auswerfen und sich für Ausnahmen im Hinblick auf die Buchpreisbindung bei TTIP starkmachen. Derweil gibt es in der Bundesrepublik, resultierend aus einer Zangenbewegung sinnlos auf den Kopf gehauener Fördergelder und erfolgreicher Gehirnwäsche von Bologna-Studenten, denen man den Kostenlosanspruch durch Dauerbeschallung „eingespielt“ hat, keine einzige ökonomisch stabile Universitätsbuchhandlung mehr.

Es gibt in dem Karlsruher Urteil keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass das Gericht sich über die mittel- und langfristigen Auswirkungen seines Urteils Gedanken gemacht hat. Bewusstlos partizipiert der BGH an einer „Bewegung“, die zu analysieren er verschmäht hat.

Der Verlag Eugen Ulmer prüft aktuell die Verfassungsbeschwerde, die hier unbedingt notwendig ist.

Roland Reuß lehrt an der Universität Heidelberg Editionsphilologie und ist Initiator des Heidelberger Appells (2009), der sich gegen die Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke durch die Google-Buchsuche und gegen Open Access wendet.

Quelle: F.A.Z.

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