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Rechtschreibreform : Noch nicht einmal der Duden hält sich an den Duden

  • -Aktualisiert am

Der neue Duden folgt keinen klaren Linien Bild: picture-alliance/ dpa

Am 1. August soll die revidierte Rechtschreibreform für Schulen und Behörden verbindlich werden. Passend erscheint der neue Duden. Doch anstatt Orientierung zu bieten verwirrt er mit „Empfehlungen“ und „Varianten“.

          In diesem Sommer erhielten die Buchhändler ein Rundschreiben vom Verlag Bibliographisches Institut&F.A. Brockhaus: „Zum 1. August 2006 wird die neue deutsche Rechtschreibung endlich überall verbindlich. Die Rechtschreibreform kann damit nach langen Jahren teils heftiger Auseinandersetzungen als abgeschlossen betrachtet werden.“

          Zugleich wurde den Lehrern ein Prüfstück des neuen Duden angeboten, verbunden mit der „Hoffnung auf entsprechende Klassensatz-Bestellungen für Ihre Buchhandlung“. (Duden: Die deutsche Rechtschreibung. 24., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, hg. von der Dudenredaktion. Dudenverlag, Mannheim u. a. 2006. 1216 S. geb., 20,- Euro)

          Arbeit des Rates im Februar abgebrochen

          Werbeprospekte betonten auch sonst die „Endgültigkeit“ und „Abgeschlossenheit“ der nunmehr „definitiv“ gültigen Neuregelung, die am 1. August 2006 „für Schulen und Behörden verbindlich“ werde. Dies mußte jeden Sachkundigen und nicht zuletzt die Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung erstaunen. Die Arbeit des Rates war auf Wunsch der Kultusminister im Februar 2006 unterbrochen, aber keineswegs beendet worden.

          Bild: F.A.Z.

          Von den sechs Bereichen der Reform waren bis dahin erst dreieinhalb bearbeitet: Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung, Silbentrennung und von der Groß- und Kleinschreibung diejenigen Teile, die auch die Getrennt- und Zusammenschreibung berühren. Der Ratsvorsitzende Zehetmair hatte jedoch erklärt: „Der Rat wird es sich nicht nehmen lassen, sich auch mit anderen Bereichen der Rechtschreibreform zu beschäftigen, um auch hier evidente Ungereimtheiten zu beseitigen.“ Damit meinte er die Groß- und Kleinschreibung sowie die Laut-Buchstaben-Beziehungen, insbesondere die schon frühzeitig ins Auge gefaßte Fremdwortschreibung; schließlich den Bindestrich, ein Kapitel von geringerer Bedeutung.

          Kein Termindruck

          Daß der Rat auch diese Bereiche behandeln „darf“, bestätigte die KMK-Präsidentin Johanna Wanka brieflich: „Sie bitten darum, dem Rat für deutsche Rechtschreibung Freiheit und Zeit zu geben. Freiheit hat er in der Tat, da er keine Vorgabe bekommen hat hinsichtlich seiner Themenwahl. Auch die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und der Kultusministerkonferenz aus dem vergangenen Jahr sind nicht als thematische Einengung anzusehen, sondern als thematische Prioritätensetzung. In diesem Zusammenhang hat der Rat auch Zeit, denn er ist nicht gebunden, zu einem bestimmten Termin Vorschläge zu unterbreiten.“

          Der Behauptung, daß die Neuregelung „für Behörden“ oder gar „überall“ verbindlich sei, steht das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Juli 1998 entgegen, das die Verbindlichkeit auf die Schulen beschränkt.

          Duden mit 3000 Empfehlungen

          Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in mühevollen Beratungsrunden die genannten Teile der Rechtschreibreform so weit repariert, daß zahlreiche sinnvolle Schreibweisen zumindest wieder zugelassen sind. Allerdings sollen die Reformschreibweisen von 1996 großenteils weiterhin nicht falsch sein. Dadurch ist eine Unmenge von „Varianten“ entstanden, die der Duden nun durch dreitausend „Empfehlungen“ wieder einzudämmen versucht.

          Der Verlag versichert, mit diesen gelb unterlegten Empfehlungen zu einer einheitlichen Rechtschreibung beizutragen - was natürlich nur dann der Fall wäre, wenn jedermann sich danach richtete. Einige Zeitungsverlage und Nachrichtenagenturen haben bereits zu Beginn des Jahres 2006 und noch ohne inhaltliche Kenntnis der Empfehlungen versichert, daß sie dazu bereit seien.

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